Unterhaltung
Mankell im Jahr 2010 in Göteborg.
Mankell im Jahr 2010 in Göteborg.(Foto: imago/Kamerapress)

Zum Tode von Henning Mankell: Ein Geschichtenerzähler geht ins Dunkel

Von Solveig Bach

Henning Mankell war klar, dass er am Krebs sterben würde. Ihm fehlten die religiösen Überzeugungen für ein Danach. Und trotzdem hat er seinen Lesern viel mehr hinterlassen als ein paar Bestseller.

Erst am 28. September erschien sein letztes Buch auf Deutsch: "Treibsand. Was es heißt, ein Mensch zu sein". Henning Mankell schrieb sich darin den Krebs von der Seele, leider nicht vom Körper. Weg von sich selbst, hin zu den Themen, die ihn schon ein ganzes Leben lang bewegten. Nun wird das Buch sein Vermächtnis.

Im Januar 2014 hatte er vom Krebs erfahren, ein Tumor im Nacken, einer in der Lunge, wahrscheinlich bereits gestreut in andere Körperteile. 14 Tage später macht er die tückische Erkrankung öffentlich, schreibt, dass sie ihm Angst macht. Es ist wie so oft bei Mankell: "Sehr früh entschied ich mich zu versuchen, über diese Dinge zu schreiben. Letztlich geht es ja um Schmerzen und Leiden, die viele Menschen empfinden."

Die Diagnose löst in ihm das Gefühl aus, in Treibsand hinabgezogen zu werden. Aber so, wie ihn nach dem Arzttermin ein im Schnee hüpfendes Mädchen an die eigene kindliche Lebensfreude erinnert, so gibt er seinen Lesern aus der Realität der Krankheit heraus äußerst authentisch Einblick in sein Denken und Fühlen. Angesichts der Angst zu sterben, bedrängen ihn existenzielle Fragen.

Ein Fuß im Sand, einer im Schnee

Was hält die Menschen am Leben? Warum entscheiden sich manche, zu sterben? Gehen wir ins Paradies oder doch einfach nur ins Dunkel? Was bleibt von der menschlichen Existenz? In "Treibsand" zitiert der so ganz und gar unreligiöse Autor dabei Selma Lagerlöf: "Gott, lass meine Seele zur Reife kommen, ehe sie geernet wird." Mankell träumt, er wäre gesund und findet sich doch mit der eigenen Sterblichkeit ab.

Schon als Junge hatte er Schriftsteller werden wollen, ein Weltenbereisender, Weltenentdecker und Weltenbeschreiber. Zunächst begann er am Theater, bis er auch Prosa schrieb. Zwischen der Theaterbühne und den Buchseiten wird er sein ganzes Leben lang pendeln, so wie zwischen Schweden und Afrika. Sein Bild dafür war: Ein Fuß im Sand und einer im Schnee.

Mankell, der Afrikabesessene, seit er als Kind die schwimmenden Baumstämme auf einem schwedischen Fluss für Krokodile hielt. Mankell, der Krimi-Autor, der Erfinder des melancholisch-menschlichen Kommissars Kurt Wallander. Mankell, der homo politicus, der sich nach seiner umstrittenen Teilnahme an der "Ship-to-Gaza"-Aktion den Vorwurf des naiven Idioten gefallen lassen muss. Mankell, der der ungerechten Welt mit seinem eigenen Geld zu etwas weniger Hunger und Armut verhelfen wollte.

Dass er es zum Bestsellerautor brachte, überraschte ihn selbst nicht so sehr. Er glaubte immer an sein Talent, ebenso wie daran, dass sich Qualität schließlich durchsetzt. "Ich bin ein Geschichtenerzähler geworden, und nichts anderes wollte ich jemals sein. Dafür bin ich sehr dankbar", sagte er schon 2010 der Frankfurter Rundschau. Dafür arbeitete er aber auch diszipliniert, seine calvinistische Seite nannte er das.

Bis zuletzt ist er seiner Leidenschaft treu geblieben, auch getrieben von dem etwas eitlen Wunsch, nicht ganz so schnell in Vergessenheit zu geraten. Die 67 Jahre seines Lebens fühlten sich am Ende ziemlich kurz an, vor allem gegen die lange Zeit, die er tot sein werde, sagte Mankell schon in der Zeit des Abschiednehmens.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen