Dienstag, 13. Mai 2008
"The Voice" ist nicht verstummt: Frank Sinatra zum 10. Todestag
Er war der erste Superstar der Popmusik, seine Karriere umspannte sechs Jahrzehnte, er war als Sänger und Schauspieler erfolgreich: Frank Sinatra. Vor zehn Jahren, am 14. Mai 1998, starb "Ol' Blue Eyes" im Alter von 82 Jahren. Aber "The Voice" ist nicht verstummt: In 54 Jahren - von 1939 bis 1993 - nahm er 1.300 Lieder auf, von 1940 bis 2007 war jedes Jahr mindestens ein Sinatra-Song in den US-Billboard-Charts platziert. Geschätzte 700 bis 800 Millionen Sinatra-Tonträger wurden verkauft.
Sinatra ist noch immer eine der bekanntesten und größten Gestalten der Popgeschichte. Vor allem sein musikalisches Vermächtnis ist unvergessen; junge Sänger wie Michael Bubl, Robbie Williams und in Deutschland auch Roger Cicero haben mit seinem Material gearbeitet.
Massenekstase
Im Oktober 1944 löste Sinatra nach einer Konzertserie in New York die sogenannten Columbus Day Riots aus - die erste Massenekstase der Popgeschichte. Die US-Musikindustrie ehrte ihn mit zwei Dutzend Grammys, die Filmindustrie mit drei Oscars, er ist mit drei Sternen auf dem "Hollywood Walk of Fame" verewigt. Von 1973 bis 1995 unternahm er ein halbes Dutzend Welttourneen.
"Seine Stimme berührt Menschen wie wie die keines anderen Popsängers (es vermag)", sagt Charles Pignone, der bis 1995 zehn Jahre Sinatras Tourmanager war und Produzent des zum Todestag erscheinenden Albums "Nothing But The Best" ist. "Selbst heute noch klingen Aufnahmen, die er vor 50 Jahren machte, frisch und neu. Er ist der einzige Künstler, der acht oder neun Jahrzehnte in den US-Billboard-Charts vertreten gewesen ist. Das ist Zeugnis dafür, dass Frank Sinatra trotz aller Veränderungen in der Welt bis heute relevant ist."
"Diese Lieder werden anscheinend nie unmodern"
Sinatras Erfolgsgeheimnis sei auch das von den Komponisten in der legendären New Yorker Tin Pan Alley geschriebene Material, das er in verschiedenen Lebensphasen neu interpretierte und zu Standards des "Great American Songbook" machte. "Es scheint, dass jede Musikergeneration diese Standards aufgreift: Heute Michael Bubl, vor 30 Jahren Linda Ronstadt, die sogar mit Sinatras Arrangeur Nelson Riddle zusammenarbeitete, Carly Simon, Elton John, sogar Sting. Es scheint, dass die Qualität dieses Materials Musiker von allen Genren anzieht. Diese Lieder werden anscheinend nie unmodern," sagt Pignone.
Die Tonwiedergabe der alten Aufnahmen sei überwältigend. "Ich kann nicht sagen, dass wir seitdem musikalisch Fortschritte gemacht haben", sag Pignone, der als Archivar Zugang zum Sinatra-Musikvermächnis hat. "Wenn man das hört denkt man, besser kann man es nicht machen." Pignone nennt es das "menschliche Element" im Produktionsprozess, das Sinatras Aufnahmen eine besondere Qualität gebe.
"Er sah sich als Saloon-Sänger"
"Ich hatte das Glück, Sinatra die letzten zehn Jahren, in denen er (bis 1995) Konzerte gab, zu begleiten. Wenn man ihn hinter der Bühne vor einem Auftritt gesehen hat, war das ein älterer Herr in seinen 70ern. Sobald er aber auf die Bühne hinausging, schienen die Jahre von ihm abzufallen, wenn ihn diese Welle von Applaus und Emotionen aus dem Publikum erreichte. Dabei sah er sich selbst immer nur als Saloon-Sänger, einer, der im Wirtshaus singt."
Nach Sinatras Tod wurden in Las Vegas und New York die Lichter für drei Tage ausgeschaltet und das New Yorker Empire State Building für drei Tage blau angestrahlt. "Ol' Blue Eyes" wird anlässlich des zehnten Todestags mit einer Briefmarke der US-Post geehrt und das Empire State Building erneut blau illuminiert.
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