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Nicht immer läuft zwischen Eltern und Kindern alles glatt.
Nicht immer läuft zwischen Eltern und Kindern alles glatt.(Foto: picture alliance / dpa)

Inspiration vom Erziehungsguru: Gespräche mit Jesper Juul

Von Solveig Bach

Öfter als ihnen lieb ist, sind Eltern bei der Erziehung des Nachwuchses mit ihrem Latein am Ende. Erziehung ist inzwischen ein Projekt, das gelingen muss. Das erzeugt Druck bei Eltern und Kindern. Gelegenheit für den Familientherapeuten Jesper Juul, nicht nur konkret zu raten, sondern auch ein paar grundsätzliche Überlegungen loszuwerden.

Jesper Juul gilt landläufig als Erziehungsguru. Wenn Eltern nicht mehr weiter wissen, würden sie ihn gern fragen. Warum die Tochter ihre Trotzattacken nicht in den Griff bekommt, sich die Geschwister nicht vertragen oder der Sohn so still ist. Es ist ein bisschen so, als ob Juul jede Familie und jedes Kind kennt und deshalb jedem helfen kann.

Aber weil Juul nicht überall sein kann, schreibt er seit Jahren Bücher. In einigen erläutert er grundsätzliche Überlegungen, in anderen ermöglicht er einen Einblick in die Arbeit, die er gemeinsam mit Gleichgesinnten und den Eltern leistet. Für "Frag Jesper Juul. Gespräche mit Eltern" hat er 16 beispielhafte Konstellationen ausgewählt.

Es sind Kleinkinder, die nicht einschlafen können oder Kinder, die sich nur von der Mutter betreuen lassen wollen. Es sind wilde Jungen, die im Kindergarten kaum Raum bekommen und Mütter und Väter, die nach der Trennung verschiedene Erziehungsauffassungen durchsetzen wollen. Als Autorin und Coach hat Pernille W. Lauritsen mit den Familien ein einleitendes Gespräch geführt, danach hat Jesper Juul 1 bis 2 Stunden mit ihnen gesprochen. Später hat sich Lauritsen ein weiteres Mal mit der Familie getroffen.

Täglicher Erziehungsalltag

Juuls Buch ist bei Beltz erschienen und kostet 16,95 Euro.
Juuls Buch ist bei Beltz erschienen und kostet 16,95 Euro.

Im Buch wird die Problematik kurz angerissen und dann das Gespräch zusammengefasst. So  erfährt man, wie die Eltern denken und argumentieren und was Juul zu bedenken gibt. Denn Juul ist auch diesmal weit davon entfernt, allgemeingültige Ratschläge zu verteilen.

Er versucht vielmehr herauszufinden, mit welchen Strategien sich Väter und Mütter in ihrem Fall authentisch an ihr Kind wenden können. Juul hat festgestellt, dass "durch ein chaotisches Wechselspiel zwischen Medien, Müttergruppierungen, Freunden und Fachleuten" etwa alle vier Jahre neue Erziehungstrends geschaffen werden. Nach deren Vorbild versuchen Eltern dann, ihren Nachwuchs irgendwie wieder in die Spur zu bekommen. Es gebe eine gestiegene Nachfrage nach "Konditionierungstricks" für Kinder, auf der Suche nach einem schnellen Weg, die Kinder zu bekommen, die man haben will.

Grundsätzliche Probleme

Ein Zustand, der Juul die Hände über dem Kopf zusammenschlagen lässt. Er sieht Kinder "ambitionierter und projektartiger Erziehung" ausgesetzt. Heraus kommen hyperaktive, frustrierte und erschöpfte Eltern, und Kinder, die verzweifelt versuchen, Mutter und Vater froh und zufrieden zu machen. Auf der Strecke bleiben die Verantwortung der Eltern und auch eine gewisse Trennung der Eltern- und Kinder-Leben. Stattdessen sollen Kinder dauernd entscheiden, wo eigentlich die Eltern wissen müssten, was sie wollen. Zudem hätten Eltern heutzutage sehr unrealistische Erwartungen sowohl an sich selbst als auch in Bezug darauf, was ihre Kinder in einem bestimmten Alter lernen sollen. "Das ist eine ewige Quelle für Konflikte und Gefühle des Scheiterns auf beiden Seiten."

Juul ermutigt Eltern, die Eigenheiten jedes Familienmitglieds als eine Bereicherung für das Familienleben anzunehmen. Denn gestresste Eltern verlieren nur allzu leicht die Fähigkeit, "sich über ihre Kinder zu freuen". Gleichzeitig legt Juul Eltern ans Herz, ihre eigenen Grenzen und die der Kinder ernst zu nehmen und positiv und gelassen mit ihnen umzugehen.

Wenn Juul überhaupt einen Ratschlag gibt, dann diesen: Darauf zu vertrauen, dass die kindliche Fähigkeit zur Zusammenarbeit, Anpassung und dem Experimentieren mit den eigenen Möglichkeiten und Grenzen ideal zusammenspielt mit der Fähigkeit der Eltern zur Begleitung und Korrektur des eigenen Verhaltens. Ein inspirierendes Buch für alle, die ihre Kinder weniger als Problem empfinden wollen.

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Quelle: n-tv.de

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