Freitag, 12. März 2010
Dee Dee Bridgewater singt Billie Holiday: Keine Hintergrundmusik
Samira Lazarovic
Wer Jazz nur als Ohrenschmeichler zum Kaffee mag, der ist hier nicht richtig bedient. Denn Lady Dee Dee verneigt sich vor der Legende Billie Holiday. Das darf nicht zu bequem sein.Michael Bublé, Jamie Cullum, Diana Krall - sie alle haben in den letzten Jahren eifrig im großen American Songbook geblättert und Klassiker von George Gershwin, Irving Berlin oder Cole Porter wieder charttauglich gemacht. Ob mit großem Swing-Orchester wie Michael Bublé oder als cooler Piano-Jazz in kleiner Besetzung wie bei Diana Krall: Seit die Ecken und Kanten ein wenig abgeschliffen wurden, geht die Musik auch Nicht-Jazz-Fans leicht ins Ohr. Dee Dee Bridgewater geht einen anderen Weg, sie fordert volle Aufmerksamkeit.
Ihr neues Album "Eleanora Fagan (1915 – 1959) – To Billie with Love" lässt sich nicht im Hintergrund hören und straft einen vom ersten Lied an mit schrägen und nervtötenden Tönen, wenn man es versucht. Nimmt man sich jedoch Zeit für die Musik, wird man reichlich belohnt und möchte nichts mehr, als diese Sängerin und diese Band live einen ganzen Abend zu erleben.
Ein Tribut, kein Imitat
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Dee Dee Bridgewater an eine Jazzikone wagt: Ihr Album "Dear Ella", ein Tribut an Ella Fitzgerald, gewann 1997 einen Grammy. Nun hat sie sich Billie Holiday vorgenommen. Im Theaterstück "Lady Day" feierte Bridgewater mit ihrer Darstellung von Billie Holiday 1986/1987 Erfolge in Paris und London. "Mit diesem Album zolle ich einer Vokalistin, die es Sängerinnen wie mir ermöglichte, sich eine eigene Karriere aufzubauen, auf meine eigene Art Respekt", erklärt Bridgewater. Und das ist ihr mehr als gelungen. Stücke wie "You've changed" müssen einfach mehrmals hintereinander gehört werden, auch weil man den Klassiker noch mal ganz neu erlebt. Ebenso wie den gerne von Swing-Orchestern gespielten "Foggy Day", dem Dee Dee Bridgewater einen frischen Drive verpasst.
Überhaupt vermeidet die 1950 in Memphis Tennessee geborene Sängerin es, wie Billie Holiday klingen zu wollen. Als sie Billie in "Lady Day" dargestellt habe, habe sie zwei Jahre lang exakt wie Billie Holiday gesungen und ihre eigene Stimme nicht mehr gehört, so Bridgewater. Dies sollte bei dem Album anders werden. "Billie verdient es, dass man ihre Musik in einem anderen Licht wahrnimmt und ich lege es definitiv nicht darauf an, sie zu imitieren", betonte die Sängerin bei der Vorstellung des Albums. Geholfen haben dabei die neuen Arrangements des puertoricanischen Pianisten Edsel Gomez. Und so braucht Bridgewater den direkten Vergleich mit Holiday nicht zu scheuen – weder bei Liedern wie "Good Morning Heartache" noch beim für immer mit Billie Holiday verbundenen Stück "Strange Fruit", das auf dem neuen Album beklemmend aktuell klingt.
"Eleanora Fagan (1915 – 1959) – To Billie with Love from Dee Dee Bridgewater" ist ein Album für alle Billie und Dee Dee-Fans. Und für alle, die Lust haben, sich nicht nur für die Dauer einer Kaffeepause in die Welt des Jazz zu begeben.
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