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Es hieß, Lena Dunham spreche für eine ganze Generation. Sehr wahrscheinlich ist das nicht der Fall.
Es hieß, Lena Dunham spreche für eine ganze Generation. Sehr wahrscheinlich ist das nicht der Fall.(Foto: imago/i Images)
Montag, 17. November 2014

Chronik des Kontrollverlusts: "Not That Kind of Girl" ist seichtes Geplapper

Von Anna Meinecke

Sie macht Feminismus modern und dicke Mädchen angesagt - Lena Dunham ist der Kopf hinter der Serie "Girls" und seit Kurzem auch Autorin. Ihr Buch "Not That Kind of Girl" erzählt von ungelenkem Sex, pubertären Unsicherheiten und vor allem von Dunham selbst.

Lena Dunham ist eine der wenigen Frauen, die berühmt sind, ohne jemals versucht zu haben, den Anschein von Perfektion zu erwecken. Sie hat Makel, die mehr sind als die obligatorische Hässliche-Entlein-Anekdote prominenter Damen: zum Beispiel Oberarme, denen ein Bandeauoberteil nicht zwangsläufig schmeichelt. Die 28-jährige Dunham ist bekannt als Autorin, Regisseurin, Produzentin und Hauptdarstellerin der viel gelobten Fernsehserie "Girls", besonders aber für ihren klugen Kopf.

Dunham hat noch ein zweites Verdienst. Sie hat dem Feminismus ein modernes Gesicht gegeben. "Glaubst du, dass Frauen für den gleichen Job genauso viel bezahlt bekommen sollten wie Männer? Glaubst du, Frauen sollten das Haus verlassen dürfen? Glaubst du, dass Frauen und Männer dieselben Rechte verdienen? Großartig, dann bist du Feministin!" Was Dunham erklärt, muss einfach richtig klingen.

Künstlerkind führt Tagebuch

"Not That Kind of Girl" ist eine Mischung aus Ratgeber und privatem Geständnis.
"Not That Kind of Girl" ist eine Mischung aus Ratgeber und privatem Geständnis.(Foto: Amazon)

Nun hat das Multitalent sein erstes Buch auf den Markt gebracht: "Not That Kind of Girl" ist inspiriert von ihr selbst. Es ist Dunhams Autobiografie und die hat sie ein für alle Mal zum Weltstar gemacht. Darin macht sie sich seelisch nackig für die, die zu ihr aufsehen, und die, die mit ihr nur wenig anfangen können. "Not That Kind of Girl" kommt stellenweise wie ein Ratgeber daher - deswegen vielleicht auch der Untertitel "Was ich im Leben so gelernt habe", ist aber vielmehr Chronik des Dunhamschen Kontrollverlusts.

Angst vor allem, schräge Bettgenossen und die Unfähigkeit, in den eigenen Körper zu passen, sind die prägenden Faktoren der Geschichten aus dem Leben eines Künstlerkinds, das sich selbst ganz schön ernst nimmt. Wie sonst soll man sich seitenweise nie abgeschickte E-Mails und Diätpläne erklären, die das Buch vorhält? "Not That Kind of Girl" liest sich wie ein nachträglich auf die Öffentlichkeit zugeschnittenes Tagebuch, das mehr Therapie für die Autorin ist, als es je Mehrwert für andere haben könnte. Wo der Ratgeberton leiser wird, blickt jedoch zuweilen eine differenzierte Selbstbetrachtung der Autorin durch.

Schlechter Sex und viel Egoismus

Lena Dunham spricht nicht - wie oft behauptet - für eine Generation, sondern nur für sich selbst. Sie schreibt von der Leere, die sie fühlt, und von ihrem egozentrischen Verhalten. Dabei bedient sie sich des groben, direkten Erzählstils, den man immer da vorfindet, wo das entsprechende Buch die richtige Mischung aus unästhetischem Sex und einer halbwegs jungen Autorin mitbringt. Keine Frage, das liest sich - mit Längen - unterhaltsam. Doch es wird in keinem Fall dem gerecht, was Dunham bislang ihrem Publikum servierte.

Wie die Roman-Dunham so ihre Geschlechtspartner wechselt, mit nahezu allen vornehmlich Unangenehmes erlebt - gerne, weil wieder zu viel Alkohol im Spiel gewesen ist -, da wird sie von Seite zu Seite immer die Frau, der die echte Dunham doch eigentlich helfen will. Mit "Girls" im Hinterkopf: Dunham spielt besser, als sie schreibt. Auf Papier fehlt ihr das, wofür sie sonst steht und womit sie Millionen inspiriert: ihre politische Mission.

Die Enttäuschung über Dunhams Buch ist die Enttäuschung darüber, einer Kunstfigur ins Netz gegangen zu sein. "Not That Kind of Girl" ist das Geplapper eines unsicheren Mädchens - in ausgesprochen Bunt und Bissig. Dieses Mädchen hat Angst vor der Zukunft und ist weit davon entfernt, sich für Dritte einzusetzen. In Dunhams Buch geht es nur um sie selbst. Vielleicht ist das auch ok.

"Not That Kind of Girl" bei Amazon bestellen oder bei iTunes downloaden

Quelle: n-tv.de

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