Sonntag, 08. Januar 2012
Endlich Zeit zum Nachdenken: Schlaflos und trotzdem glücklich
von Solveig Bach
Schlaflosigkeit, das klingt nach ruhelosem Herumwälzen im Bett, nach verzweifelten Versuchen, irgendwie ins Reich der Träume zu gelangen. Es gibt jedoch auch eine ganz andere Sichtweise. Wie wäre es, wenn man diese Zeit als Geschenk empfinden könnte, um sich den wirklich wichtigen Fragen zuzuwenden?Menschen, die nicht gut schlafen, können sich des Mitgefühls ihrer Mitmenschen gewiss sein. Dieses Rumliegen, ohne Schlaf finden zu können, ist nach allgemeiner Einschätzung einfach nur schrecklich und sinnlos.
Die Autorin Brigitte Hieronimus stellt genau dies in Frage. Sie geht in ihrem Buch "Vom Glück der Schlaflosigkeit" sogar noch weiter. Wenn man Freundschaft schließe mit seinen schlaflosen Stunden, könne das Denken in der Nacht sogar zum Genuss werden. Damit das Ganze nicht in fruchtlose Grübeleien ausartet, gibt sie dem Schlaflosen einen Fragenkatalog an die Hand, der sich Nacht für Nacht durchdenken ließe.
Indem wir uns damit abfinden, dass der gesunde Schlaf auch einem "natürlichen Kreislauf" unterliegt und sich wandelt, könnten wir Zeit gewinnen, die wesentlichen Fragen zu stellen. Welche Rolle spielt die Liebe in unserem Leben, haben wir den richtigen Partner oder was können wir ändern? Ist es Zeit etwas Neues zu beginnen? Die Arbeit zu wechseln oder umzuziehen? Ist der berufliche Erfolg wirklich das, was wir am meisten begehren?
Zeit für das Wesentliche
Das Buch ist Verlag Orell Füssli erschienen und kostet 19,90 Euro
In der Stille der Nacht, wenn alle anderen ausruhen, reduzieren sich viele Dinge auf das Wesentliche. Hieronimus lädt dazu ein, es sich in seinem Bett gemütlich zu machen, den Gedanken freien Lauf zu lassen, vielleicht das eine oder andere aufzuschreiben. Sie stellt Fragen und lässt Platz, gleich eine Antwort oder auch nur den Versuch davon, ins Buch zu kritzeln.
In ihre an den Jahreszeiten orientierten Texte lässt sie Erkenntnisse aus der Schlafforschung und philosophische Überlegungen einfließen. Vielleicht brauchen wir nicht so viel Nachtschlaf wie wir glauben, dafür aber einen kleinen Mittagschlaf oder öfter einen Spaziergang? Möglicherweise müssen wir ganz grundsätzlich etwas mehr zur Ruhe kommen, um auch nachts wieder Ruhe zu finden?
Wer schon alles gegen seine Schlaflosigkeit ausprobiert hat, wird in diesem Buch keinen neuen beruhigenden Tee oder eine Körperübung finden, die die Glieder erschlaffen und den Geist zur Ruhe kommen lassen. Aber wer Lust hat, sich auf eine Gedankenreise zu begebe, kann aus der träge fließenden Wachzeit wie im Fluge vergehende anregende Stunden machen und geradezu über Nacht einen neuen Blick aufs eigene Leben gewinnen.
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