Unterhaltung

Gänsehautstimmung im Panoramaformat: Stadien, Arenen und Fußballtempel

Thomas Badtke

Kommen Sie mit auf eine Reise, eine Reise quer durch Deutschland. Eine Reise in Großstädte und entlegene Winkel. Eine Reise zu Betonlandschaften und Holztribünen, zu Videowürfeln und analogen Anzeigetafeln, zu Arenen und Bolzplätzen - eine Reise durch die "Fußballtempel" dieser Republik.

Commerzbank-Arena: Zu spät, die Hesse komme!
Commerzbank-Arena: Zu spät, die Hesse komme!

Nehmen Sie Platz, schnallen Sie sich an und begrüßen Sie ihren Reiseführer Reinaldo Coddou H. Um seinen Panorama-Bildband "Fußballtempel" geht es hier - bei dieser emotionalen wie gleichermaßen monumentalen (Zeit)reise durch Kampfbahnen, Stadien und Arenen.

Los geht’s in Aachen, auf dem "Tivoli", dem alten wohlgemerkt. Der "Tivoli" ist ein reines Fußballstadion. Keine Laufbahn nimmt dem Fan auf den engen und steilen Tribünen die Nähe zum Rasen und zum Spiel. Das sorgt gemeinsam mit der hohen Anzahl an Stehplätzen (17.600 gegenüber 3700 Sitzplätzen) für eine emotional aufgeladene Stimmung und erzeugt eine Atmosphäre, die vergleichbar mit der in englischen Stadien ist.

Tradition geht vor

Diese "englische Atmosphäre" gibt es in Deutschland nicht mehr oft, auch weil der alte Tivoli dem "neuen" gewichen ist und dieser sich seine Sporen erst noch verdienen muss. Das Stadion "An der Alten Försterei" im Berliner Stadtteil Köpenick ist eines dieser immer seltener werdenden Fußballstadien-Phänomene. Mit tausenden Fanhänden zu einem modernen Stehplatzstadion (16.500 Stehplätze, nur 2400 Sitzplätze) umgebaut, symbolisiert es das Herzblut der Anhänger für den Verein 1. FC Union gleichermaßen wie das Bekenntnis der Vereinsführung zur Bodenständigkeit und an das Gute im Fußball. Dem immer stärker werdenden Drang, dem reinen Sport Fußball einen Eventcharakter zu verpassen, um so breitere Käuferschichten für das Produkt Fußball zu gewinnen, wurde widerstanden. Tradition bedeutet bei den "Eisernen" noch etwas. Und das spürt man auch auf den Rängen.

Auch in Braunschweig lebt dieses unnachahmliche, nicht käufliche Feeling. Im dortigen "Eintracht-Stadion" atmet die Tradition noch aus allen Poren des altehrwürdigen Baus. Die glorreichen Zeiten, als die Eintracht - Deutscher Meister 1966/67 - etwa Juventus Turin im internationalen Geschäft besiegte, sind lange vorbei. Geblieben ist die Liebe der Fans zum Verein und zum Stadion. Daran haben auch die mehrfachen Umbauten und Modernisierungen nichts geändert. 15.000 Stehplätzen stehen 10.000 Sitzplätze gegenüber. Das Stadion gehört in der 2. und 3. Liga, in denen sich das Team zumeist aufhält, regelmäßig zu den Bestbesuchtesten. "Die Macht. Eintracht" eben.

Wenn es regnet und stürmt

Eine Macht, die es auch am Main gibt: Eintracht Frankfurt. Ihr Spielort war lange Zeit das "Waldstadion". Geht es nach den Fans, heißt die heimische Arena noch immer so. Und warum auch nicht? Selbst die zur WM 2006 umgebaute und mit einem beweglichen Dach ausgestattete neue Arena kann mit überraschenden Wassermassen ebenso schlecht umgehen, wie sein Stadionvorgänger.

Fanpower made in Dortmund.
Fanpower made in Dortmund.

Die Älteren werden sich eventuell noch an die WM 1974 erinnern und das Regenspiel Deutschland gegen Polen. Das moderne Pendant dazu ereignete sich 2005 beim Confed-Cup-Endspiel Brasilien gegen Argentinien. Das neue Dach konnte sein Wasser nicht halten. Positiv allerdings: Die Laufbahn aus dem Stadion gibt es in der Arena nicht mehr. Die emotional-aufgeheizte Stimmung der Fans überträgt sich so direkt auf den Rasen des "größten Cabrios der Welt". Der Riederwald, Namensgeber des "Waldstadions", steht noch, zu sehen ist er aus der neuen Arena aber nicht mehr.

Naturbelassen und integriert

Wer ein Stadion in idyllischer Natur sucht, sollte daher lieber nach Freiburg oder Aue reisen. Der Schwarzwald und das Erzgebirge bieten dem Stadionbesucher ein unvergessliches Ambiente und zeigen auch, dass Fußball keine Randsportart sein muss, also nicht aus der Stadt vertrieben werden braucht, wie beispielsweise in München mit der Allianz-Arena. Stadien in der Innenstadt werden aber immer mehr zur Ausnahme. Das Grünwalder Stadion der Sechzger macht das deutlich: Das Stadion mitten im Wohnviertel existiert zwar noch, die Profis von 1860 spielen aber nicht mehr darin - zum Ärger der Fans.

Bildband "Fußballtempel"
Bildband "Fußballtempel"(Foto: Edition Panorama)

Ein Auszug aus dem Millerntor-Stadion ist für die Fans des FC St. Pauli ebenso undenkbar wie für die Dresdner Dynamos ein Verlassen des Rudolf-Harbig-Stadions. Als die beiden Heimspielstätten auf Vordermann gebracht wurden beziehungsweise noch immer gebracht werden, kickten die Teams deshalb weiter dort und auch die Fans wurden nicht aus ihren "Fußballtempeln" vertrieben. Das schweißt noch enger zusammen, macht das Erlebnis Stadionbesuch noch intensiver.

Gänsehaut garantiert

Hier wird unsere Reise durch Deutschlands "Fußballtempel" unterbrochen. Coddous fantastischer Bildband bietet auf 192 Seiten aber die passende Verlängerung: mehr als 60 prächtige Stadion- und Arenaaufnahmen im Panoramaformat. Immer vom besten Fanstandort Stehplatz aufgenommen, bieten die 80 Zentimeter breiten und gewaltig anmutenden Bilder - gemeinsam mit den sie begleitenden energiegeladenen Texten - einen Einblick in den Mythos Fußballstadion. Der Leser hat als Betrachter immer das Gefühl live im Stadion zu sein, den Schal umgehängt, das Bier und die Bratwurst in den Händen und die Atmosphäre direkt in sich aufsaugend.

Tickets für die Reise durch die "Fußballtempel" dieser Republik, die in Aachen beginnt - weiter über etwa Dortmund, Erfurt, Essen sowie auch Kaiserslautern oder Leipzig führt - und in Zwickau endet, gibt es beim Verlag Edition Panorama. Sie kosten 48,00 Euro - Gänsehautstimmung inklusive.

"Fußballtempel" im n-tv Shop bestellen

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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