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Cirrenwolken wirken wie
ein Weichzeichner und vergrößern den
Lichtkreis des Sternbildes Orion über dem Airglow.
Cirrenwolken wirken wie ein Weichzeichner und vergrößern den Lichtkreis des Sternbildes Orion über dem Airglow.(Foto: Bernd Willinger/Knesebeck Verlag)
Sonntag, 13. August 2017

Lichterspuren am Firmament: Sternenglanz trifft auf Berggipfel

Von Solveig Bach

Den Sternenhimmel von hohen Bergen aus zu fotografieren, diese Leidenschaft verbindet Bernd Willinger und Norbert Span. Seit Jahren ziehen sie auf die Gipfel, um dem nächtlichen Himmelsschauspiel so nahe wie möglich zu kommen.

Kaum etwas ist gleichzeitig so erhebend und macht Menschen so demütig wie der Anblick des Sternenhimmels. "Wir stehen und starren stundenlang nach oben in die unendliche Vielfalt des Nachthimmels. Weder Kälte noch Wind können uns, umhüllt von der Atmosphäre, etwas anhaben", schreiben die Österreicher Bernd Willinger und Norbert Span in ihrem Buch "Berge unter Sternen".

Seit ihnen im Januar 2011 eine grandiose Aufnahme von der partiellen Sonnenfinsternis über der Marchreisenspitze bei Innsbruck gelang, sind die beiden Fotografen dem nächtlichen Himmelsschauspiel verfallen. In den letzten fünf Jahren haben der gelernte Koch und der studierte Meteorologe 250 Nächte in den Bergen verbracht: Um das erste Aufleuchten der Sterne in der Dämmerung zu zeigen, ihr Strahlen im tiefdunklen Nachthimmel und ihr Verschwinden in der ersten Morgenröte.

Diese Nächte haben die beiden Sternenfotografen verändert. Sie sind Experten für Erdschattenbogen und Zodiakallicht geworden, für die verschiedenen Farbspiele, während die Sonne untergeht und schließlich den Lichtern ferner Sonnen Raum gibt. Wegen der Lichtverschmutzung, die vor allem in Großstädten kaum noch einen Blick auf den wirklichen Nachthimmel erlaubt, ist das für viele Leser womöglich schon neu. Das Nachthimmelsleuchten ist beispielweise mit dem bloßen Auge kaum erkennbar und auch die Fotografen hielten es bei den ersten Aufnahmen für einen Farbfehler. Inzwischen halten sie gezielt danach Ausschau.

Ein großes Staunen

Das Buch ist bei Knesebeck erschienen und kostet 29,95 Euro.
Das Buch ist bei Knesebeck erschienen und kostet 29,95 Euro.

Es muss aber gar nicht so außergewöhnlich sein, auch den Mond und die Milchstraße sieht man in Willingers und Spans Bildern mit anderen Augen. Das liegt weniger daran, dass sie mit vielen übereinandergelegten Aufnahmen Sternenspuren am Himmel nachzeichnen oder aus einzelnen Fotos Little-Planet-Bilder bauen. Es ist vielmehr ihre Bereitschaft, zu staunen und damit auch den Leser zum Staunen zu bringen, vielleicht sogar ein wenig mit ihrer Leidenschaft anzustecken. Jedenfalls geben sie am Ende des Buches noch ein paar Hinweise, was man beim nächtlichen Fotografieren bedenken sollte. Wer will, kann das schon beim Sternschnuppenregen der Perseiden im August ausprobieren.

Wenn sie fotografieren, reden sie nicht allzu viel, schreiben die beiden Fotografen über ihre nächtlichen Ausflüge. Möglicherweise gehen Willinger und Span aber nicht nur deshalb gemeinsam auf ihre nächtlichen Fototouren, um zusammen zu arbeiten, sondern auch, um sich angesichts dieses gewaltigen Himmels etwas weniger einsam zu fühlen. Im Vergleich zur nächtlichen Schönheit der Berge unter jahrhundertealtem Licht ist der Mensch eben doch relativ unbedeutend.

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Quelle: n-tv.de

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