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Eine Erinnerungshilfe am Schlüsselbund.
Eine Erinnerungshilfe am Schlüsselbund.(Foto: picture alliance / dpa)

Epidemie einer Scheinkrankheit?: "Vergiss Alzheimer"

von Jana Zeh

Gleich nach der Angst, an Krebs zu erkranken, folgt die Angst vor Alzheimer und das, obwohl es diese Erkrankung gar nicht gibt. Das zumindest behauptet die Autorin Cornelia Stolze in ihrem Buch "Vergiss Alzheimer - Die Wahrheit über eine Krankheit, die keine ist".

Ein Großteil der Menschen in den westlichen Ländern hat Angst, einmal an Alzheimer zu erkranken. Der allmähliche Verlust des Gedächtnisses und damit der Selbstständigkeit und Selbstbestimmung führen bei vielen zu schrecklichen Zukunftsvisionen. Kein Wunder, denn glaubt man den Statistiken, dann erkranken immer mehr Menschen auf der Welt, vor allem nach dem 65. Lebensjahr, an dieser besonderen Form der Demenz.

Alles Schwindel, so die These der Autorin und Diplom-Biologin Cornelia Stolze. Sie zeigt in ihrem Buch "Vergiss Alzheimer", dass die Erkrankung, die diesen Namen trägt, nur ein Konstrukt ist, mit dem sich Geld verdienen und Angst schüren lässt. Zudem lasse sich Alzheimer immer dann gut als Diagnose stellen, wenn Ärzte nicht mehr weiterwissen.

Das Kind braucht einen Namen

"Vergiss Alzheimer" ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen.
"Vergiss Alzheimer" ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen.

In dem 230-seitigen Werk macht sich Stolze daran, die Machenschaften von Medizinern und Pharmaindustrie aufzudecken. Sie erklärt, warum Alzheimer alles oder nichts sein kann und weshalb eine nicht greifbare Erkrankung meistens den Namen Alzheimer verpasst bekommt. Aber warum das Ganze? Auch dafür findet Stolze eine einleuchtende Antwort: Wie so oft gehe es auch bei Alzheimer um Geld und Prestige. Die Autorin erzählt von Beispielen, wie sich mit dem Konstrukt Alzheimer Forschungsbudgets erheblich erhöhen lassen. Man könne eben nur für etwas Forschungsgelder beantragen, was auch einen Namen trage und mit einer gelungenen Alzheimer-PR komme die Angst auch in den Chef-Etagen der Entscheider an.

Die Wissenschaftsjournalistin wendet sich mit ihren Äußerungen eindeutig gegen die bestehenden Strukturen von Wissenschaft und Medizin und startet den Versuch, die "Götter in Weiß" zurück auf die Erde zu bringen. In einer mehrseitigen Aufstellung zählt sie die Namen führender Alzheimer-Forscher und Alzheimer-Ärzte auf und liefert auch gleich noch deren Funktionen und deren Verbindungen zu Patenten oder der Industrie mit. Das lässt aufhorchen.

Kein eindeutiges Krankheitsbild

Bei Auguste Deter wies Alois Alzheimer am 3. November 1906 in Tübingen erstmals "einen eigenartigen schweren Erkrankungsprozess der Hirnrinde" nach.
Bei Auguste Deter wies Alois Alzheimer am 3. November 1906 in Tübingen erstmals "einen eigenartigen schweren Erkrankungsprozess der Hirnrinde" nach.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Autorin ist außerdem überzeugt davon, dass sich durch eine genauere Diagnose die Leiden und Ängste von verwirrten Patienten erheblich lindern lassen könnten. Bisher gibt es weder einen Test noch ein klares Krankheitsbild, das zu einer eindeutigen Alzheimer-Diagnose führen könnte. Die Veränderungen in der Hirnrinde, die Alois Alzheimer 1906 am Gehirn der Patientin Auguste Deter festgestellt hatte, könne man bisher nur nach dem Tod von verwirrten Patienten eindeutig diagnostizieren, so Stolze. So bleibe eine Alzheimer-Diagnose eher eine vage Vermutung als ein eindeutiger Befund. Verschiedene Medikamente, Medikamentenkombinationen, Drogen- und Alkoholmissbrauch können auch zu Verwirrtheit und einem Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten führen. Ein ganz genaues Hinsehen von Seiten der Mediziner sei deshalb nötig, so Stolze.

Das, was als Alzheimer-Erkrankung bezeichnet wird, lässt sich weder behandeln noch heilen. Ärzte versuchen mit Medikamenten das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten, meistens mit mäßigem Erfolg. Im schlimmsten Falle schädigten die verschriebenen Arzneien den Betroffenen zusätzlich, so die Autorin.

Mit "Vergiss Alzheimer" hat Cornelia Stolze ein mutiges und sehr kritisches Buch auf den Markt gebracht. Ihre aufwendige Recherche vermittelt Glaubwürdigkeit. Außerdem gibt sie dem Leser eindeutige Tipps, wie dem Vergessen im Alter vorgebeugt werden kann. Für alle, die sich mit diesem Thema als Interessierte oder als Betroffene auseinandersetzen, ein Muss.

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Quelle: n-tv.de

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