Unterhaltung

"Sein Leben, seine Milliarden": Wie Dagobert reich wurde

Markus Lippold

Mit Argusaugen wacht der Herr des Geldspeichers über sein Vermögen, jeder einzelne der fünf Fantastilliarden und neun Trillionen Taler ist ihm ans Herz gewachsen. Doch wie wurde Dagobert Duck eigentlich zur reichsten Ente der Welt?

(Foto: (c) Disney)

Finanzkrise? Welche Finanzkrise? Einen Dagobert Duck ficht das nicht an. Nicht nur sein berühmt-berüchtigter Geiz gegen Jedermann macht den Fantastilliadär resistent gegen jegliche Börsenkapriolen, sondern auch seine Anlagemethode: Goldmünzen. Fünf Fantastilliarden und neun Trillionen Taler an der Zahl. Dazu sechzehn Kreuzer.

Doch wie wurde der Entenhausener Krösus eigentlich zur reichsten Ente der Welt? Wie verdiente er sich seinen ersten Kreuzer, den er wie einen Talisman immer bei sich trägt und auf den es seine Feinde doch immer wieder abgesehen haben? Irgendwann fand er Gold in Alaska … so kennt man die Erzählungen Dagoberts. Doch was war davor? Und was kam danach?

Hunderte verstreute Bruchstücke

Don Rosa, einer der bekanntesten Disney-Zeichner, hat sich daran gemacht, die Lebensgeschichte von Dagobert Duck von 1867 bis 1947 aufzuschreiben. Geschaffen hat er einen der besten Disney-Comics, der 1995 mit dem renommierten Eisner-Award ausgezeichnet wurde: "Dagobert Duck - Sein Leben, seine Milliarden" erscheint nun in einer erweiterten Neuauflage in edler Hardcover-Aufmachung und neuer Kolorierung in der Ehapa Comic Collection.

(Foto: (c) Disney)

Leicht war es sicher nicht, was sich Rosa da vorgenommen hatte. Hunderte kleine Anspielungen, Anmerkungen und Hinweise sind in ebenso vielen Geschichten versteckt, die Disney-Altmeister und Dagobert-Erfinder Carl Barks über Jahrzehnte geschrieben und gezeichnet hat. Rosa durchforstete die Comics und versuchte, aus den verstreuten Bruchstücken, die Hinweise auf Dagoberts Leben geben, ein Ganzes zu formen - einen schönen, großen, glänzenden Klumpen Gold, wenn man so will. Es ist ihm auf bravouröse Weise gelungen.

Schottland, Alaska, Entenhausen

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Dagobert wuchs in den vernebelten schottischen Hochmooren auf. Der spätere Bewohner des größten Geldspeichers der Welt entstammte einem alten, aber verarmten Clan, den Besitzern der Duckenburgh. Doch der Kleine hatte Großes vor und strotzte nur so vor Tatendrang. Aber leider blieben die Versuche als Schuhputzer in Glasgow (daher der erste, selbst verdiente Zehner) und Torfstecher in den Hochmooren wenig erfolgreich.

Und so zog er aus, um in Amerika sein Glück zu suchen. Er heuerte auf einem Mississippi-Dampfer an, arbeitete bei der Eisenbahn, als Viehtreiber in Montana, schließlich auch als Kupferschürfer, bevor er zum gefürchteten Goldsucher in Afrika, Australien und letztlich in Alaska wurde. Dabei zeigte er nicht nur einen unbändigen Willen zum Reichtum, sondern auch, dass dieser nur von harter Arbeit, von Ausdauer und Geduld herrühren kann.

Einzige jemals aufgenommene Schulden

Und seine Einstellung wurde belohnt: Ein straußeneigroßer Goldklumpen machte ihn zum reichsten Goldsucher des Klondike und wenig später zum Millionär, er konnte seine einzigen jemals aufgenommenen Schulden zurückzahlen und - den vielfältigen Berufserfahrungen sei Dank - geschickt investieren. Einige Jahre später ist er Milliardär.

Schließlich kehrte er nach Schottland zurück und überraschte seine Familie mit einer Idee: Ein verlassenes Fort an der amerikanischen Pazifikküste sollte die neue Heimat der Ducks werden. So nahm er seine Schwestern mit, ließ sich in Entenhausen nieder und begann auf etlichen Reisen rund um die Welt, seinen Reichtum zu vermehren und in einem Geldspeicher zu horten.

(Foto: (c) Disney)

Disney-, vor allem aber Dagobert-Fans werden voll auf ihre Kosten kommen. So begegnet der spätere Krösus bereits hier alten Bekannten aus dem Entenhausener Universum. Er schlägt sich mit dem Großvater der Panzerknacker, dem jungen Mac Moneysac sowie Gundel Gaukeley herum, verhilft Daniel Düsentrieb zu seiner Berufung als Ingenieur und genialen Erfinder, trifft aber auch auf die Bande von Jesse James sowie auf Theodore Roosevelt, den späteren Präsidenten der USA. Und schließlich hat auch - erstmals in einem Comic - seine Schwester Dortel ihren Auftritt, die Mutter des nicht minder berühmten Donald Duck. Sogar dessen Vater lernt der Leser kennen und man wundert sich angesichts dieses Elternpaares nicht mehr über den Charakter von Donald.

Vor allem in den ersten Geschichten fällt auf, dass Dagobert einige Ähnlichkeiten mit seinem cholerischen Neffen aufweist. Er erlebt etliche Missgeschicke und Rückschläge, bringt aber auch immer wieder die nötige Portion Glück und Durchhaltevermögen auf, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Das Temperament jedenfalls stammt aus diesem Teil der Familie.

Arbeit, Abenteuer, Erinnerungen

Rosa gelingt es im Laufe der Handlung, zu zeigen, wie sich Dagobert vom unbedarften Jungen aus Schottland über den abenteuerlustigen Sammler und Goldsucher zum misstrauischen - und auch geizigen - Zeitgenossen entwickelt, eben jenem grantigen Onkel, den man aus den Disney-Geschichten kennt und der sich schließlich infolge seiner Gier nach Reichtum und dem Ehrgeiz, der reichste Mensch (oder war es Ente?) der Welt zu werden, mit seinen Schwestern überwirft.

Rosa lässt Dagoberts Charakter reifen und zeigt, dass hinter dem unvorstellbaren Reichtum jede Menge Arbeit, Abenteuer, Erinnerungen und auch eine Liebesgeschichte stecken. Geschickt schafft er am Ende den Anschluss zu den klassischen Barks-Geschichten: Nachdem sich seine Schwestern von Dagobert abgewendet haben, wird er zum einsamen Eremiten, der auf einem streng bewachten Haufen Geld sitzt. Bis er eines Tages Besuch bekommt, von seinem Neffen und dessen drei Adoptivkindern ...

Diese Stringenz und innere Geschlossenheit der Erzählung, die den klassischen Disney-Kosmos respektiert und einbindet, lassen den Band über eine normale Disney-Geschichte weit hinausgehen. Mit viel Witz und Spannung gelingt es Rosa in einem unvergleichlichen Kraftakt, Dagoberts Leben Revue passieren zu lassen - in einem riesigen Spannungsbogen von Schottland über Alaska bis nach Entenhausen.

Der Band enthält alle zwölf Kapitel der Originalreihe sowie acht Zusatzkapitel, die Rosa später zeichnete, die sich aber nahtlos in die Handlung einbinden lassen. Erstmals in einer deutschen Buchausgabe ist auch "Die Gefangene am White Agony Creek" dabei, hinzu kommt erstmals die ursprünglich zweiteilige Bonusgeschichte "Lebensträume", die hier zusammengefasst wird.

Don Rosa
Don Rosa(Foto: (c) Disney)

Jedes Kapitel enthält ein aus der amerikanischen Version übernommenes Nachwort (die Vorworte aus der deutschen Version von 2003 wurden weggelassen), Hintergründe zur Entstehung der einzelnen Folgen und Hinweise auf versteckte Anspielungen. Dabei werden auch interessante Skizzen und Entwürfe Rosas abgebildet. Als besonderes Schmankerl bietet der Band zudem die kompletten Cover der Original-US-Hefte und Abbildungen internationaler Ausgaben, Postermotive von Rosa sowie einen liebevoll gezeichneten Stammbaum der Ducks.

Don Rosa: "Dagobert Duck - Sein Leben, seine Milliarden", Ehapa Comic Collection, 496 Seiten, Hardcover, 29,95 Euro (D), ISBN: 978-3-7704-3245-5

Quelle: n-tv.de

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