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Nicht noch ein Teenie-Film: Ashley Benson, Selena Gomez, Vanessa Hudgens und Rachel Korine (v.l.n.r.)
Nicht noch ein Teenie-Film: Ashley Benson, Selena Gomez, Vanessa Hudgens und Rachel Korine (v.l.n.r.)(Foto: Wild Bunch Germany)

Spring Break Bitches!: Bikini Girls With Machine Guns

Von Volker Probst

Leicht bekleidete Mädchen mit schweren Waffen machen Party - mit Sex, Drogen und Gewalt. Klingt nicht gerade nach einem Teenie-Film? Ist es auch nicht. Stattdessen ist "Spring Breakers" eine irre Mixtur aus Clip und Trip. Das knallt - nicht nur wegen Vanessa Hudgens und Selena Gomez im Bikini.

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Kennen Sie das? Dass Ihnen zu einer bestimmten Situation, einem Gespräch, Bild oder Film auf einmal ein dazu passender Song durch den Kopf schießt? Bei "Spring Breakers" kann einem das schon mal mit "Bikini Girls With Machine Guns" passieren - einem 80er-Song der Psycho-Punker The Cramps. Schließlich besticht der Streifen tatsächlich über weite Strecken durch vier Mädels, die in leichter Badebekleidung umso schwerere Wummen durch die Gegend tragen.

Die vier sind Vanessa Hudgens alias Candy, Selena Gomez alias Faith, Ashley Benson alias  Brit und Rachel Korine alias Cotty. Zumindest die ersten beiden dürften inzwischen auch allen, die popkulturell nach oder sogar noch vor The Cramps Halt gemacht haben, ein Begriff sein. Die 24-jährige Hudgens schaffte einst den Durchbruch mit Disneys "High School Musical" und schickt sich seither an, ihre Teenie-Film-Wurzeln abzustreifen. Die vier Jahre jüngere und ebenfalls dem Micky-Maus-Milieu entstammende Gomez indes steckt eigentlich noch mitten drin in dieser Metamorphose. Und das nicht nur, weil sie in den vergangenen Jahren vor allem als Teenager-Liebe von Justin Bieber gehandelt wurde. Schwupps, da bohrt sich auch schon der gleichnamige Song von den Ärzten in die Rübe.

Blieben noch Ashley Benson und Rachel Korine. Benson spielte zwar bereits in zumeist eher kleineren Rollen in einigen Kinofilmen mit, verdiente sich ihre Sporen jedoch vor allem in diversen TV-Serien. Korine wiederum wirkte bislang nur in belanglosen Low-Budget-Produktionen mit. Ihre Beteiligung an "Spring Breakers" verdankt sie dann auch nicht unbedingt ihrem schauspielerischen Talent. Die 26-Jährige ist die Ehefrau von Harmony Korine, der bei dem Streifen im Regiestuhl saß.

Wie im Rausch

Candy, Faith, Brit und Cotty leben in einem x-beliebigen Kaff irgendwo in den USA. Es ist in jeder Hinsicht ein Leben auf der Schwelle - zwischen Jugend und Erwachsenenalter, zwischen Hello-Kitty-Klamotten und Drogenexperimenten, zwischen Bibelkreis und dem sehnlichen Wunsch, nur einmal aus dem drögen College-Alltag auszubrechen. Die Chance dazu bietet natürlich der Spring Break - die Semesterferien, die alljährlich im Frühling hunderttausende Studenten in den USA mit exzessiven Partys an den warmen Stränden feiern.

Der Gangsta und seine Musen - James Franco spielt "Alien".
Der Gangsta und seine Musen - James Franco spielt "Alien".(Foto: Wild Bunch Germany)

Doch das Geld der vier Mädchen langt hinten und vorne nicht, um sich ihren Traum von der Ekstase aus Sex, Rauschgift und Alkohol in Florida zu erfüllen. Während die zurückhaltende und schüchterne Faith vor dem offenbar unlösbaren Problem am liebsten kapitulieren würde, schmieden Candy, Brit und Cotty einen verwegenen Plan. Mit Sturmhauben und Vorschlaghämmern ausgerüstet, verüben sie kurzerhand einen brutalen Überfall auf ein Fast-Food-Restaurant. Der Coup gelingt. Florida und der Spring Break können kommen.

Mit den Taschen voller Geld am Ziel der Träume angelangt, erleben die vier Mädchen eine scheinbar endlose Party wie im Rausch. Die Ernüchterung folgt, als die Polizei die vollends aus dem Ruder gelaufene Fete auflöst und die Mädchen in den Knast steckt. Doch es gibt Rettung - scheinbar. Der zwielichtige Gangsta Alien (James Franco) bezahlt die Kaution. Faith wird die Sache endgültig zu heiß. Sie flieht zurück nach Hause. Doch ihre Freundinnen finden Gefallen an der schillernden Unterwelt, die sich auf einmal vor ihnen auftut. Sie haben Blut geleckt. Jetzt geht die Party und das erhoffte Leben als ultimative "Spring Break Bitches" doch erst richtig los …

Surreale Bilderflut

Angesichts der Besetzung mag manch einer hinter dem Film einen braven, kitschigen und mehr oder weniger lächerlichen Highschool-Mumpitz vermuten. Doch weit gefehlt. "Spring Breakers" ist nicht "American Pie" und auch nicht noch ein Teenie-Film. Damit hat der Streifen ungefähr so viel gemein wie "Rambo" mit den "Buddenbrooks".  Stattdessen präsentiert Regisseur Korine einen deftigen und ganz und gar nicht jugendfreien Thriller - frei von jeder Moral, Sinn und Verstand.

Fans von Selena Gomez - man darf gespannt sein, wie sie den Imagewechsel ihres Idols aufnehmen.
Fans von Selena Gomez - man darf gespannt sein, wie sie den Imagewechsel ihres Idols aufnehmen.(Foto: AGENCY PEOPLE IMAGE)

Doch das ist nicht, was "Spring Breakers" in erster Linie auszeichnet. Es ist die Machart. Korine erschafft auf der Leinwand eine surreal anmutende Bilderflut - angesiedelt irgendwo zwischen einem rund 90-minütigen Musikclip, Computerspielen und Rauschzuständen der anderen Art. Ausnahmsweise  ruft dies mal keinen Song in das Gedächtnis, sondern eher die visuellen Grenzgänge zwischen Erotik und Ekel in der Musikvideo-Ästhetik von Elektro-Pionieren wie Aphex Twin. Dass große Teile des Soundtracks für "Spring Breakers" von der aktuellen DJ-Ikone Skrillex stammen, trägt zweifelsohne seinen Teil zu dieser Wahrnehmung bei.

Korine weiß, was er tut. Bereits 1995 lieferte er das Drehbuch zu dem Film "Kids", der wegen seines unverstellten Blicks auf das Leben New Yorker Jugendlicher - inklusive Sex, Drogen und Gewalt - für einige Kontroversen sorgte. Als Regisseur realisierte er schon so manches Musikvideo. Und mit den schrägen Vögeln der südafrikanischen Hip-Hop-Combo Die Antwoord bastelte er einen nicht minder schrägen Kurzfilm namens "Umshini Wam".

Klar, Hudgens, Gomez & Co sind nett anzuschauen, wie sie da in ihren Bikinis über die Leinwand huschen. Der eigentliche Star des Films jedoch ist James Franco, der mit silbernen Bling-Bling-Zähnen wie eine aschfahle Reinkarnation von Rapper und Teilzeit-Knasti Lil Wayne daherkommt. Wie er am weißen Flügel "Everytime" von Britney Spears intoniert, während seine Musen mit rosa Sturmhauben und Knarren um ihn herumtanzen, ist großes Kino. Franco kann sich den Film neben seinen zahlreichen anderen Werken - von "Spider-Man" bis "Die fantastische Welt von Oz" - ins Regal stellen. Für die (Ex-)Teenie-Film-Darstellerinnen indes ist er ein hervorragendes Bewerbungsvideo.

"Spring Breakers" läuft ab 21. März 2013 in den deutschen Kinos

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Quelle: n-tv.de

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