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Todkrank und auf der Flucht - kann das gutgehen?
Todkrank und auf der Flucht - kann das gutgehen?(Foto: dpa)

"Der geilste Tag": Der Fitz, der Tod und das Lachen

Was würden wir noch machen wollen, wenn wir wüssten, dass die Zeit begrenzt ist? Diese Frage hat sich doch jeder schon einmal gestellt, und ja, im Kino ist das auch nicht neu. In den USA gibt es eine Kategorie, die nennt sich "Bucket-List-Filme", und da geht es, wie bei "Das Beste kommt zum Schluss" mit Jack Nicholson und Morgan Freeman, immer um die Frage: "Was will ich noch erledigen vor meinem Tod?" Mit Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Florian David Fitz haben wir uns im Berliner Hotel de Rome zum Gespräch getroffen und über Lieblingsessen, Beerdigungen und die Vorliebe einiger Zeitgenossen für "Nazi-Sex" unterhalten.

n-tv.de: Autor, Regisseur und Darsteller - wie hast du das alles unter einen Hut gebracht? 

Florian David Fitz: Eigentlich sind das ja drei Hüte. (lacht) Das einzige, was sich überschneidet, sind Regie und Spiel. Die Autorenphase ist ja lange davor. Das war aber ein ganz schön großer Hut. Hat ein Jahr gedauert, dieses Drehbuch. Dann der Dreh, dann die Nachbearbeitung … wenn ich es mir recht überlege, beschäftigt mich der Film jetzt seit zweieinhalb Jahren.

Und dann ist aber Ruhe im Karton?

Ja, ab dem 5. März habe ich zumindest mal zehn Tage am Stück frei!

Was war der "geilste Teil" an diesem Filmdreh?

Ich befürchte, dass ich im Nachhinein immer alles verkläre. Ich bin jemand, der Negatives schnell vergisst …

… ist doch eine gute Eigenschaft …

Haben sich lieb: Fitz und Schweighöfer, auch hinter der Kamera ein verrücktes Paar.
Haben sich lieb: Fitz und Schweighöfer, auch hinter der Kamera ein verrücktes Paar.(Foto: dpa)

… ja, aber das Schreiben für den Film hat mich doch geplagt. (lacht) Vor allem, den richtigen Ton zu treffen. Aber, um bei der Frage zu bleiben: Unser "geil" ist ja eher ironisch gemeint. Wir nehmen genau dieses "schneller, höher, weiter" auf die Schippe. Wir nehmen auf's Korn, dass jemand quasi erst beim Betrachten seiner Fotos merkt, was für einen geilen Urlaub er gemacht hat. Das ist doch spannend, oder? Erst wenn andere einem sagen, dass es toll war, finden wir es selbst auch toll, vielleicht toller, als der Urlaub eigentlich war. (lacht)

Schreibst du alleine?

Ja. Ich schiebe das gerne vor mir her, denn wenn man erstmal loslegt, dann kann man sich so schwer trennen, von liebgewonnenen Charakteren, Handlungssträngen, und dann kann ich mich auch mal verrennen. Das macht es schwer. Man hat so viel im Kopf. Und manchmal endet es in einer Sackgasse. Drehbücher sind nicht ohne, und alles Dramaturgische kommt früher oder später mal an einen Punkt, wo es nicht weitergeht. Und das ist anstrengend. Hat aber im Rückblick doch ganz gut funktioniert, und dann frag' ich mich, was zu dem und dem Zeitpunkt denn bitte mein Problem war. (lacht)

Holst du dir Rat? 

Ja, schon ein Gespräch hilft sehr. Machen muss man es dann aber doch alleine. 

Du hast ja aber viele Freiheiten in deiner Eigenschaft als Autor und Regisseur, oder?

Ja, schon, aber ich versuche immer rauszufinden, ob noch mehr drin ist. Vor allem mit jemandem wie Matthias, der gern nach frischen Momenten sucht.

Mit Matthias Schweighöfer zu drehen - das sieht im Film aus wie ein Urlaubstrip … gab es auch kleine bis mittlere Katastrophen?

Naja, das ist nicht immer entspannt gewesen, das soll es ja aber auch gar nicht sein.

Dann ist es die Kunst, dass es leicht aussieht?

Das ist schön, wenn es so aussieht, aber das ist es nicht. (lacht) So ein Dreh ist oft schwierig. Aber es geht ja auch nicht darum, dass wir nur Urlaub machen. Es gibt einen feinen Unterschied zwischen Freude und Spaß, sage ich immer.

Komisch zu sein ist ja schon schwer, aber dein Thema "Drama mit lustigen Elementen" ist doch noch ungleich schwerer.

Ich sage mal so: Es ist eine Komödie über ein dramatisches Thema. (lacht) Aber dieses Thema ist ja jetzt auch nicht so neu. Ich habe das bereits mit "Vincent" probiert.

"Vincent will Meer" - die Komödie über einen jungen Mann mit Tourette-Syndrom?

Und darum geht's:

Der kauzige, sehr ehrgeizige Pianist Andi (Matthias Schweighöfer) und der Lebenskünstler Benno (Florian David Fitz) haben nur eines gemeinsam: Sie werden bald sterben - und landen deshalb im Hospiz, das sich aber schnell als suboptimale letzte Lebensstation entpuppt. Also beschließen die beiden, den "geilsten Tag" ihres Lebens zu suchen: Da sie bei ihrer sehr begrenzten Lebenserwartung keinen Knast fürchten müssen, reisen sie mit ergaunertem Geld nach Afrika. Ein Hypochonder und ein Verdränger auf einem Trip - das bedeutet lustige, tragische, dramatische und auch gefährliche Etappen, die das ungleiche Duo schließlich zu ihrem eigentlichen Ziel - der Erkenntnis, dass man sein Leben selbst in die Hand nehmen muss, um es nicht zu verpassen - führt. Schweighöfer und Fitz sind ein Multifunktionspaket: Der eine als Mit-Produzent, der andere als Autor und Regisseur - und beide in den Hauptrollen.

Genau. Da stand immer die Frage im Raum: "Darf man sich überhaupt darüber lustig machen?" Was die meisten vergessen: Man darf über alles lachen, wenn man mit dem Herzen dabei ist. Ich kann ja auch über mich lachen ohne dass ich mich über andere lustig machen muss. Bei "Vincent" musste ich lange kämpfen, auch gegen Ängste aus der Tourette-Community, aber dann haben sie gesagt, dass sie sich darüber freuen, mit welcher Offenheit und Lockerheit wir damals mit dem Thema umgegangen sind. Und der Tod betrifft uns ja alle, und da haben wir doch, wie ich finde, einen Stecken im Arsch. (lacht)

Vielleicht ist das auch eine Generationensache? Ich habe den Eindruck, viele jüngere Menschen versuchen, dem Tod mit etwas Humor zu begegnen. Ältere Menschen machen schon immer viel mehr mit sich selbst aus.

Ja, vielleicht, aber ich habe in dem Hospiz, in dem wir gedreht haben, die Erfahrung gemacht, dass die jüngeren Leute fast weniger Probleme haben als, sagen wir mal, mittelalte Leute. Kinder lassen sogar am besten los. Sie haben ein sehr direktes Verhältnis zum Tod. Kinder müssen das Gefühl haben, dass sie ihre Eltern zurücklassen können, dass die Eltern das schaffen. Sie haben noch nicht so lange gelebt, als dass sie so sehr am Leben festhalten.

Irgendwie grausam.

Nein, eigentlich nicht. Wenn man noch nicht so viel erlebt hat, kann man auch nicht so viel behalten oder dran festhalten wollen.

Langweilst du dich auch mal? Und wenn, was tust du dann?

Ja, ich langweile mich schnell, und deswegen bin ich ein eher umtriebiger Typ. Angeblich sollen wir jetzt alle wieder lernen, uns zu langweilen … ich hab's immer gehasst. Also ich kann mich schon entspannen, aber dann langweile ich mich ja nicht. Manchmal ist ein Leerlauf gut, aber ich kann es eigentlich nicht wirklich.

Ich musste neulich ins Freunde-Buch meiner Tochter schreiben, was mein Lieblingsalles ist, da kommt man ins Nachdenken. Welcher ist dein Lieblingsfilm, Lieblingsschauspieler, Lieblingsregisseur? Lieblingsessen, Lieblingstier?

Oh, schwierig, da kann ich mich auch schlecht festlegen. Ich esse vieles gerne. Da muss das ganze Drumherum stimmen. Das Gefühl hatte ich neulich zum Beispiel auf Sylt in einer ganz bekannten Strandkneipe. (lacht) Da hat alles gestimmt: das Essen, der Geruch, die Aussicht, der Service. Am besten war aber, dass ich mich an einen Geschmack von vor drei Jahren erinnern konnte. Das heißt, es ging mir in die Seele rein, es muss gut gewesen sein. Wie war nochmal die Frage? (lacht) Also, ich kann mich schwer festlegen. Wenn es einen berührt, dass es bleibt, dann will ich das wieder. Aber ich kann nicht sagen, welchen Film und welcher Schauspieler, ich kann nicht einmal sagen, was meine Lieblingsfarbe ist. 

Wer oder was ist deine Inspiration? Außer für den Film jetzt "Knockin' on Heaven's Door" und "Das Beste kommt zum Schluss"?

Naja, eigentlich gar nicht mal so. Da werden wir natürlich verglichen mit, aber die Grundidee war, nur eine Person zur Hauptperson zu machen. Die Geschichte stammt noch aus meiner Zeit als Nachtportier. Aber wenn man zwei Leute hat, dann gibt es mehr Dynamik.  

Woher kam die Inspiration bei der Sexszene? "Blitzkrieg", "Führerhauptquartier", "Goebbels" und so weiter sind ja jetzt nicht so geläufige Anturner.

(lacht) Wenn man Deutscher ist, wird man immer damit konfrontiert. Ich habe lange im Ausland gelebt. Die Amis sehen das ja eher locker, wobei wir hinten über fallen, und die finden das sexy. Sie wollen den Deutschen so sehen, zumindest im Film, als strengen Nazi. Ich glaube, das gibt's wirklich, dieses Phänomen, und das wollte ich aufs Korn nehmen. 

Hat funktioniert. Beim Lesen der Briefe von Todkranken im Film musste ich schon schlucken - wenn man weiß, dass es bald zu Ende geht und man ein Resümee seines Lebens fassen sollte, ist das doch hart.

Freut mich, dass du das sagst, weil wir oft überlegt haben, ob wir die Szenen nicht vielleicht rausschmeißen sollten. Aber das sind Themen, über die kann man noch länger nachdenken. 

Was steht auf deiner "Bucket-List"? Dieses Buch, mit dem Matthias im Film durch die Gegend rennt? Was würdest du noch machen wollen oder müssen, wenn du wüsstest, dass das Ende naht?

Da bin ich eigentlich von weg. Das sehen wir ja auch im Film: Man kann sich im Paradies langweilen, und total aufregende Sachen erleben, wenn man nicht damit rechnet. Ich glaube, das klappt nicht, mit so einer Liste.

Hast du dir auch schon mal deine eigene Beerdigung vorgestellt? 

(lacht) Wer hat das nicht? Als Kind, andauernd. "So, das habt ihr jetzt davon, dass ich nicht mehr da bin, ihr werdet so heulen!"

Mit Florian David Fitz sprach Sabine Oelmann

"Der geilste Tag" startet am 25. Februar in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de

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