Gary Oldman in "Dame, König, ...Der Spion, dem ich traute
Ist Smiley der richtige Name für einen Spion, der sich besonders zugeknöpft gibt? Ist es der richtige Name für einen Agenten, der nach einem Maulwurf im britischen Secret Service sucht? Vielleicht, denn Täuschung gehört ja zum Geschäft. "Dame, König, As, Spion" ist ein atmosphärisch ungemein dichter Film, dem Gary Oldman ein starkes Gesicht verleiht.
Intern heißt er "Circus". So nennen die Agenten ihren britischen Geheimdienst. Dabei geht es ihnen natürlich nicht darum, mit Elefanten und Trompeten durch die Städte zu ziehen und Aufmerksamkeit zu erregen. Ganz im Gegenteil: Sie müssen so unauffällig wie möglich sein, unsichtbar für die Feinde, verschwiegen und immer achtsam. Gerade Anfang der 1970er Jahre, in Zeiten des Kalten Krieges. Der "Circus" meint wohl eher die Drahtseilakte, die die Agenten täglich vollführen, den Abgrund unter sich.
George Smiley (Gary Oldman) ist das Musterbeispiel eines solchen Agenten, nicht umsonst hat er es bis in die Führungsetage des Secret Service geschafft. Er ist unauffällig, aber präzise, permanent beobachtend, aber unnahbar. So unnahbar, dass ihn seine Frau verlassen hat. Als ein Agent seines Chefs Control (John Hurt) in Ungarn niedergeschossen wird, werden sie entlassen. Eine neue Riege (u.a. Colin Firth, Ciarán Hinds, Toby Jones) übernimmt den Secret Service.
Doch die Gerüchte mehren sich, dass ein Maulwurf am Werk ist, der wichtige Geheimnisse an die Sowjets weitergibt. Der pensionierte Smiley wird vom zuständigen Minister beauftragt, den Gerüchten nachzugehen, unabhängig und nicht kontrolliert von den vier neuen Chefs. Denn diese stehen im Mittelpunkt der Verdächtigungen. Mit zwei Mitstreitern macht er sich ans Werk.
Von einem Indiz zum nächsten
Bedächtig beginnt Smiley seine Suche nach dem Verräter. Von einem Indiz hangelt er sich zum nächsten, er befragt Agenten und Informanten, kombiniert und analysiert. Langsam, ganz langsam lüftet sich der Schleier, werden Konturen sichtbar, Hintergründe und Verbindungen. Sollte man mehr verraten bei einem Spionagefilm wie "Dame, König, As, Spion"? Wohl eher nicht.
Ohnehin tauchen gerade zu Beginn viele Namen auf, viele Gesichter - jeder hat eine kleine Rolle in diesem gefährlichen Spiel. Für den Zuschauer wird das mitunter etwas zu viel, anfangs ist es schwer, die Figuren und ihre Funktionen auseinanderzuhalten. Hinzu kommt die langsame Erzählweise von Regisseur Tomas Alfredson. Fast schon elegisch lässt er Smiley agieren, der noch mit der Trennung von seiner Frau hadert.
Exzellente Schauspieler
Und doch kann man sich der Sogkraft des Films schwer entziehen, was mehrere Gründe hat. Zum einen ist "Dame, König, As, Spion" die Verfilmung eines Romans von John le Carré, im Original "Tinker, Tailor, Soldier, Spy". Der Schriftsteller kennt als ehemaliger britischer Spion den "Circus" aus eigener Anschauung - und diese ist natürlich weitaus realistischer als alle James-Bond-Filme zusammen. Hinzu kommt das gelungene Set-Design, das wenig Glamour verbreitet, dafür aber die Wirklichkeit aus Aktenbergen und Räumen mit Neonlicht darstellt.
Vor allem aber verfügt "Dame, König, As, Spion" über ein exzellentes Schauspielerensemble. Gary Oldman, der zuletzt auch in mitwirkte, liefert eine großartige darstellerische Leistung ab und war völlig zu Recht Oscar-nominiert. Dass seine Rolle in einer der Featuretten als "Anti-Bond" bezeichnet wird, passt, denn Smiley setzt mehr auf Verstand denn auf Muskeln. Aber genauso stimmt, dass Oldman aus der introvertierten Figur einen "King of Cool" macht.
Daneben ist der Film jedoch auch in den Nebenrollen hervorragend besetzt: Hervorzuheben sind etwa Mark Strong als Agent, der in Ungarn in eine Falle tappt, und Toby Jones als neuer Chef des Geheimdienstes. Man sieht den Figuren die Anspannung an, das allgegenwärtige Misstrauen und die Furcht vor Verrat und Enttarnung.
"Dame, König, As, Spion" hat wenig von der Action eines James Bond. Er ist auch nicht so glamourös wie "Spy Game" mit Robert Redford und Brad Pitt, der auch die Funktionsweisen eines Geheimdienstes darstellt. "Dame, König, As, Spion" setzt dagegen auf Eindringlichkeit und Psychologie. Er lebt dabei ganz von den Darstellern und der überzeugenden, düsteren Atmosphäre, die den Zuschauer tief in den Kalten Krieg hineinzieht.
Der Film ist als DVD und Blu-ray bei Studiocanal erschienen. Filmlänge: 122 Minuten, FSK 12. Ton: Deutsch und Englisch (5.1 DD), Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte. Die Extras umfassen einen Audiokommentar von Regisseur Tomas Alfredson und Gary Oldman, mehrere Featurettes, geschnittene Szenen sowie den Trailer.