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Dit findet dein Enkel jut: die Beatsteaks.
Dit findet dein Enkel jut: die Beatsteaks.(Foto: Jens Oellermann / Warner Music)

Vom Glück geknutscht: Die Beatsteaks haben Muffensausen

Sie sind Punks. Sie trällern Pop-Balladen. Sie locken ganze Familien auf ihre Konzerte. Seit fast zwanzig Jahren poltern die "Beatsteaks" durch die Musiklandschaft. Im Interview mit n-tv.de sprechen sie über ihre neue Live-DVD "Muffensausen", Englischprobleme und den Enkel von Erich Honecker.

Der Sommer ist da. Draußen ist es warm, drinnen wärmer. Hinter der Metalltür in einem Kreuzberger Hinterhof sind die Wände mit Gitarren und Bässen tapeziert, es zwirbeln sich Kabel durch die Räume. Viel steht und liegt herum, Bilderrahmen, Instrumentenkoffer. Kontrollierte Unordnung. Im Flur bleibt nur ein schmaler Durchgang zum Probenraum. Auf etwa dreißig Quadratmetern stehen dort Schlagzeug, Verstärker und Mikrofone. Es gibt kaum Tageslicht. Höhlenstimmung. Das ist der Brutkasten für die Hits der Beatsteaks - hier entstehen sie.

Im Nebenzimmer, gleich rechts nach dem Eingang, stehen zwei bräunliche Sofas und sitzen zwei Fünftel der Beatsteaks, Sänger Arnim Teutoburg-Weiß und Gitarrist Peter Baumann. Arnim mit Hut, Peter ohne. Im Raum hängt Gelassenheit, keine Spur von Anspannung. Es wird gelacht, gescherzt. Anders kennt man die Berliner Band nicht. Die gute Laune des Erfolgs. Ihre Herkunft liegt den beiden Musikern auf der Zunge, sie Berlinern. Nicht aufdringlich, ganz im Gegenteil: so charmant, wie es nur wenige können.

Mittlerweile sind sie seit fast 20 Jahren im Geschäft.
Mittlerweile sind sie seit fast 20 Jahren im Geschäft.(Foto: Jens Oellermann / Warner Music)

n-tv.de: Eine CD und zwei DVDs mit Konzerten, Dokumentationen und Musikvideos - insgesamt gibt es auf "Muffensausen" mehr als fünf Stunden Material. Gefilmt wurden die Konzerte während eurer Tour im letzten Jahr. Wie zufrieden seid ihr mit dem Ergebnis?

Arnim Teutoburg-Weiß: Für uns is dit eine Art Geschichtsbuch, da guckt man später gerne nochmal rein und erinnert sich. Dit is dann wie alte Teenager-Bilder angucken. "Oh" und "Wow". Wir sind echt stolz und ick denke, alle, die sich dit anschauen, freuen sich auch.

Warum habt ihr es "Muffensausen" genannt?

Arnim: Peter meinte damals: "Ick würde dit Muffensausen nennen, dit verbinde ick mit Konzerten." Und dit stimmt ja auch. Nach den ganzen Jahren hat man immer noch so eine Anspannung und Vorfreude. Wenn 20.000 Leute vor der Bühne stehen, dann haste Muffensausen.

Kurze Werbeunterbrechung: Überzeugt Oma Erna - sie hört sehr gerne Schlager - davon, euer neuestes Werk zu kaufen.

Peter Baumann: Kauf dir dit, weil dein Enkel findet dit jut.

Arnim: Aber man muss auch Oma Erna jetzt nich ...

Peter: ... vom Schlager wegholen.

Arnim: Dit is auch jedem seins.

Peter: Trotzdem, kaufen!

"Muffensausen" heißt die neue DVD-CD-Kombi der Beatsteaks.
"Muffensausen" heißt die neue DVD-CD-Kombi der Beatsteaks.(Foto: Warner Music)

Gerade seid ihr als Überraschungsband bei "Rock am Ring" aufgetreten. Wie lautet eure Analyse zu diesem Auswärtsspiel?

Arnim: Wir haben eigentlich genau dit abgeliefert, was wir abliefern wollten. Haben nen sehr guten Zugriff auf's Spiel gehabt und früh das 1:0 geschossen und dann konnte der Gegner nich mehr.

Peter: Wir waren konditionell fit. Wir haben die Überrumpelungstaktik angewandt.

Arnim: Wir haben dann eins gekriegt, aber da waren wir ja mit drei Toren vorne. Deswegen war dit ein klarer Punktsieg und wir waren deutlich die Besseren.

Lachen, Grinsen, Lachen. Die Luft ist mit Witz geladen.

Der Auftritt wird der einzige dieses Jahr bleiben. Keine Lust mehr zu Schwitzen?

Peter: Nee, gerade weil wir so Lust auf Schwitzen haben, aber ungern nen altes Programm abspielen. Wir finden, wir sollten mal wieder neue Musik machen.

Arnim: Die letzte Platte gab es 2011, da wird es langsam wieder Zeit. Wir haben ja alle auch nichts Besseres vor.

Peter: Aber man kann die Muse nich am Knöchel in den Proberaum schleifen, die muss von allein kommen. Wann genau dit letztendlich fertig wird, werden wir sehen.

Seit fast 20 Jahren gibt es die Band, ihr seid älter geworden. Zeit, zurückzublicken. Was war früher bei den Beatsteaks besser?

Arnim: Nüscht.

Und was ist heute besser?

Arnim (scherzhaft): Auch nüscht. Es ist immer die gleiche Soße. Nee, im Ernst: Ick war noch nie so glücklich wie jetzt gerade und bin froh, dass es neue Aufgaben gibt. Wir haben ja alle mittlerweile Familie.

Habt ihr noch einen Überblick, wie viele Konzerte ihr in den ganzen Jahren gespielt habt?

Arnim: Viele, sehr viele. Die genaue Zahl würde mich wirklich mal schwer interessieren. Ick weiß, dass unser Tour-Manager sehr lange Buch geführt hat. Der könnte dit, mit Fleißarbeit, innerhalb von nem Tag rauskriegen. Da werde ick mal nachfragen.

Was war früher besser? "Nüscht."
Was war früher besser? "Nüscht."(Foto: Warner Music)

Eine deutsche Band, die auf Englisch singt. Sind euch im Nachhinein mal Fehler in den Texten aufgefallen?

Peter (schneller): Oh ja. Natürlich!

Arnim (langsamer): Nee.

Ertappt! Die Katze ist aus dem Sack. Beide prusten.

Arnim: Wird jetzt aber nich verraten, war ja auch wirklich nur einer.

Peter (verrät es doch): Wir haben quasi ganze Songs falsch betitelt. Aber dit is egal. Wenn's brennt, brennt et. Da wird man doch nich so kleinlich sein. Wir geben uns jetzt trotzdem Mühe, dass uns dit nich mehr passiert. Aber dit find ick auch überhaupt nich schlimm.

Arnim: Na, du singstet aber auch nich!

Haben sich jemals Vegetarier über den Bandnamen beschwert?

Arnim: Nee. Dieser Name hat sich mir sowieso nie erschlossen. Für mich war das Wort Beat immer viel wichtiger als Steaks. Ick habe nur deswegen nich gegen den Namen protestiert, weil wir in den Regalen so ganz nah an den Beatles stehen.

Die "Beatsteaks" haben das Image der Saubermänner, immer lieb und entspannt. Die brave Rockband. Mal sehen, ob sich nicht doch Schockierendes finden lässt.

Wann habt ihr zuletzt das Gesetz gebrochen?

Arnim: Dit hat irgendwas mit Autofahren zu tun bei mir, also ick fahre öfter mal zu schnell. Meine Frau sagt dann immer so: "Your best friend, der Polizeipräsident, hat wieder mal geschrieben."

Peter: Da habe ick auch einige Briefe.

Arnim: Und ick habe mal geklaut und wurde ertappt. Dit war ganz schlimm. Dit war auch ganz klar, dass ick erwischt werde. "Geh mal rin und guck mal, wie viel Brötchen du klauen kannst." Hab ick natürlich gemacht. (Zeigt, wie er sich Brötchen um Brötchen unter den Pullover stopft) Weit bin ick aber nich gekommen.

Zumindest was den Namen angeht, sind sie ganz schön nah bei den Beatles.
Zumindest was den Namen angeht, sind sie ganz schön nah bei den Beatles.(Foto: Jens Oellermann / Warner Music)

Die letzte Schlägerei?

Arnim: Ick wurde neulich beim Boxtraining übelst von so nem Türsteher getroffen. Dit war bösartig, die können ja alle nich langsam, die Jungs. Die ziehen durch. Dann rufen se immer: "Nich wegdrehen!" Sonst sind mir Schlägereien bis hier, ein Glück, nich passiert.

Peter: Ick habe in der Schule noch den Enkel von Erich Honecker vermöbelt und nen Tadel dafür bekommen.

Arnim: Echt? Geil! Dit wusste ick noch gar nich. Das ist ne Geschichte für'n Lied.

Peter: Genau so war dit. Roberto hieß er. Wir haben uns so lange gekeilt, dass se Bänke außenrum gestellt haben. Und ick habe auch nur gewonnen, weil mein Bruder von der anderen Seite am Zaun geklebt und sich dit angeguckt hat. Ick wusste, wenn was schiefgeht, dann ist der sofort drüben und Roberto sieht die rote Karte.

Das größte Bandgeheimnis?

Peter: Na, dit werden wir ja nich verraten. Weil, dit is ja dit größte Bandgeheimnis.

Arnim: Aber is ja kein großes.

Peter: Muss man ja nich sagen. Man kann ja so tun, als wäre da eins.

Arnim: Ach so. Uh ja, da gibt et, ui ui ui, so ein richtiges Ding.

Peter: Auf der DVD wird dis Geheimnis gelüftet. Da drauf findet man nämlich auch "Die Wahrheit", muss man nur gut suchen.

Keine Leichen im Bandkeller, bis auf Erich Honeckers Enkel. Dann schnell weiter zum Alkohol.

Man muss sie live erleben!
Man muss sie live erleben!(Foto: picture alliance / dpa)

Arnim, dein Vater hat zu dir gesagt: "Du darfst nie Musiker werden, das sind immer die, die abends besoffen sind." Hatte er recht?

Arnim: Ja. Da bin ick ganz froh, dass wir nich mit unserem ersten Album Erfolge feiern mussten. Dit kann einen ganz schön schräg draufkommen lassen. Als der große Erfolg kam, da hatten wir ja schon vier Platten gemacht und dit war ganz gut.

Wie hat sich euer Alkoholkonsum über die Jahre verändert?

Arnim (grinst): Der ist teurer geworden. Jetzt gibt es Champagner.

Peter (grinst auch): Dit ist nich mehr so ein Kopfschmerz. Hochpreisiges Gelöt wird da heute aufgefahren.

Zum Schluss noch einmal den Schalk beiseite legen. Relevanz schaffen. Die Mutter aller Fragen stellen.

Wie wird man zu einer der größten deutschen Bands?

Arnim: Wir haben einfach gemacht. Dit war natürlich immer nen Traum, von der Musik leben zu können, aber dit hat nich mal einer gewagt auszusprechen. Wir wussten, wir wollten Konzerte spielen, weil dit einen tierischen Spaß macht. Und wir wussten, dass wir uns gerne treffen und Musik machen. Wenn dit ein Erfolgsrezept ist, dass du dich zusammenhockst und versuchst, was zu erschaffen, und da draußen mögen dit welche, dann bist de ja vom Glück geknutscht. Ha! Dit ist die Überschrift: vom Glück geknutscht.

Mit Arnim Teutoburg-Weiß und Peter Baumann sprach Johannes Musial

Die DVD "Muffensausen" von den Beatsteaks bestellen

Quelle: n-tv.de

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