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"Wie, er mag kein Fleisch? Dann mache ich eben Lamm!"
"Wie, er mag kein Fleisch? Dann mache ich eben Lamm!"(Foto: dpa)

Ganz großes Kino : Eltern verdienen auch ein Sexleben

Von Sabine Oelmann

In dem einen Film geht es um die eine große Liebe, um diese Art von Liebe, die alles zerstört und der man nicht entkommen kann: Französischer Film, intensiv, sexy. In dem anderen Film geht es auch um Liebe, nur lustiger, und auf Griechisch.

Fangen wir mal mit dem lustigen Film an, Ostern ist ja schon ernst genug: Das Warten hat sich gelohnt! Nach 12 Jahren kommt die Fortsetzung von "My Big Fat Greek Wedding" in die Kinos - und der ganze griechische Chaos-Clan beteiligt sich wieder an diesem rauschenden Fest. Wer auf Sprüche steht wie: "Für griechische Mädchen sind drei Dinge im Leben vorbestimmt. Wir heiraten einen griechischen Jungen, bekommen griechische Kinder und stopfen die Familie mit Essen voll, bis wir eines Tages sterben," der ist hier richtig. So etwas sagt natürlich keine Geringere als die Hauptdarstellerin und Autorin des Drehbuchs Nia Vardalos selbst; eines Drehbuch übrigens, das bereits für Teil eins eine Oscar-Nominierung erhielt. Sie ist wieder in der Rolle der Toula zu sehen, einer Frau mit griechischen Wurzeln, einem amerikanischen Mann und einer heranwachsenden Tochter, und sie hat alle Hände voll zu tun, doch die Enthüllung eines Familiengeheimnisses beschert der ganzen Großfamilie die nächste griechische Hochzeit – inklusive Drama und viel Herz.

"Nennt mir ein Wort, irgendein Wort, und ich werde euch beweisen, dass der Ursprung dieses Wortes griechisch ist!" Gus Portokalos, Toulas Vater, ist überzeugter Grieche, und ja, laut Gus Portokalos stammt selbst das japanische Wort "Kimono" aus dem Griechischen. Die Einzige, die ihn von etwas abbringen  könnte, ist seine Frau Maria, natürlich nur, wenn man es so geschickt wie sie anstellt: "Der Mann ist der Herr, aber die Frau hat das Sagen und sie kann den Herrn in jede Richtung zerren." Kann es sein, dass sie "ihren Mann" dieses Mal sogar erneut vor den Traualtar zerren muss? Und kann es sein, dass wir eine weitere Hochzeit erleben? Toula und ihr amerikanischer Mann Ian Miller ("Wer hat dich geschminkt? Deine Tanten? Drag Queens könnten sich noch Tipps bei deinen Tanten holen.") haben eine mittlerweile erwachsene Tochter und alles, wonach sie sich sehnen, ist ein Moment der Zweisamkeit.

Hinter den Kulissen geht es prominent zu: Kirk Jones ("Eine zauberhafte Nanny") führte Regie und das Ehepaar Rita Wilson/Tom Hanks produzierte. Alles in allem ein großer Frühlingsspaß, dieser Film, der das Leben von der leichten Seite zeigt. Wo waren die bloß so lange?

Liebe kann so grausam sein

Maiwenn, Bercot und Cassel beim Dreh.
Maiwenn, Bercot und Cassel beim Dreh.

Und jetzt zu dem Film, bei dem das Zugucken an manchen Stellen tatsächlich weh tut, so gut gespielt ist "Mein Ein, mein Alles"! Ja, es ist immer ein Vergnügen, Vincent Cassel zuzuschauen: Der Mann hat etwas, von dem sich nicht nur Monica Bellucci, seine Ex-Frau, betören ließ - er ist einfach so ein Mann, der alle für sich einnimmt, Männer und Frauen. Kein Schönling, aber so intensiv. Cassel stammt aus einer Schauspielerfamilie, kam aber auf Umwegen zur Schauspielerei. Er soll ein rebellischer Teenager gewesen sein - und das merkt man ihm noch heute an. Mit seinen Rollen in "Die Purpurnen Flüsse", "Black Swan", "Trance" oder "Ocean's 12 & 13" ist er über die französischen Grenzen hinaus berühmt geworden.

So weit ist seine Kollegin Emmanuelle Bercot noch nicht - sie kann ihm aber getrost das Wasser reichen: Die Quereinsteigerin bekam für ihre Performance in "Mein Ein, mein Alles" in Cannes 2015 als "Beste Darstellerin" (zusammen mit Rooney Mara) eine Goldene Palme für ihre jüngste Rolle. Bercot spielt die nach einem schweren Skiunfall schwer verletzte Tony, die in einem Reha-Zentrum nicht nur mühsam das Gehen neu erlernt, sondern auch ihr inneres Gleichgewicht wiederfinden muss. In Rückblicken erfahren wir mehr über ihre turbulente, intensive, schmerzhafte Beziehung mit Georgio (Cassel): Wie fing alles an? Warum haben sie sich geliebt? Wer ist dieser Mann, dem sie so verfallen war? Und wie konnte sie es zulassen, sich dieser erstickenden, zerstörerischen Leidenschaft auszuliefern? Was ist noch von ihr übrig? Und wie geht es jetzt mit ihrem Kind weiter? Vor Tony liegt ein langer Heilungsprozess, aber auch eine Chance, die Stücke ihrer zerbrochenen Persönlichkeit neu zusammenzusetzen und am Ende wieder frei zu sein.

Cassel und Bercot zuzugucken ist nicht leicht, aber es ist ein Fest. Der preisgekrönten Regisseurin Maïwenn ist ein Glücksgriff in der Besetzung - auch der weiteren Rollen - gelungen. Und wir alle erleben, wie schön und wie schmerzhaft die Liebe sein kann.

Beide Filme starten am 24. März in den deutschen Kinos. Frohe Ostern!

Quelle: n-tv.de

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