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Ein Traumpaar: Daniel Craig und Monica Bellucci.
Ein Traumpaar: Daniel Craig und Monica Bellucci.(Foto: imago/i Images)

Rauch auf dem roten Teppich: So ist der neue James Bond

Von Sabine Oelmann

Die Musik, die Bond-Girls, die Autos, der Sex, einfach alles: Da, wo der neue James Bond bereits läuft, geht er durch die Decke. Die Besucher stürmen die Kinos. Und das hat auch einen guten Grund: "Spectre" ist großartig!

Diese Chemie stimmt.
Diese Chemie stimmt.(Foto: imago/Independent Photo Agency)

Es ist dieses heimelige Gefühl, das dich ergreift, wenn du im Kinosessel Platz nimmst und das dich in freudiger Erwartung schaudern lässt - oder ist es nur die Klimaanlage, die Eiseskälte verbläst? Also schnell nochmal für kleine Agenten gegangen und dann Augen auf und durch, denn sobald die Musik erklingt, das typische James Bond-Thema eben, wird das Kind in dir wach und du weißt: Ich habe mega-gute, sehr coole und witzige (über) zweieinhalb Stunden vor mir, in denen James Bond nur mir gehört.

Gehen wir mal rasch ein paar Tatsachen durch, denn zu viel verraten dürfen und wollen wir ja gar nicht - außer vielleicht, dass es einen Heidenspaß macht, diesem 26. Abenteuer des Agenten Ihrer Majestät zuzuschauen.

Punkt 1: Die Musik. Die Titelmelodie von Sam Smith ist nicht so schlecht, wie sie seit Bekanntwerden gemacht wurde; sie passt irgendwie, wenn man die ersten, spektakulären Szenen gesehen hat. Dieser James Bond ist ein sehr viel verletzlicherer Agent als bisher - da darf gern hoch und fragil gesungen werden.

Die Bond-Ladys sind perfekt.
Die Bond-Ladys sind perfekt.(Foto: imago/Landmark Media)

Punkt 2: Das eine Bond-Girl. Die Bond-Girls sind, wie unser Held, ebenfalls einer Art Evolution unterworfen. Es gibt Léa Seydoux (wir kennen sie aus "Grand Budapest Hotel" und "Blau ist eine warme Farbe") alias Dr Madeleine Swann, die mit Bond auf Augenhöhe unterwegs ist. Ihre kühle Erotik und Sachlichkeit, die einer Ärztin geziemt, weicht peu à peu kindlicher Freude und Verliebtheit, sobald sie bemerkt, dass James auch nur mit Wasser kocht beziehungsweise mit den Händen sehr viel mehr kann, als anderen die Fresse einzuschlagen. Seine eisblauen Augen bringen ihren Siedepunkt in völlig neue Sphären - und auch, wenn mancher Mann sich für die eher intelligente Art dieses Bond-Girls nicht so recht erwärmen mag: Léa Seydoux ist zeitgemäß und super besetzt.

Punkt 3: Das andere Bond-Girl. Sie ist eine Lady - so sieht sie sich jedenfalls selbst, wie sie der deutschen "Vogue" verriet: Monica Bellucci. Allein bei ihrem Namen geht die Fantasie mancher Männer (und sicher auch einiger Frauen) mit ihnen durch. Aber warum auch nicht? Ganz in Schwarz, von den langen Haaren bis zu den knappen Dessous, spielt sie eine Witwe, deren Trauer nur von kurzer Dauer ist und mehr ihr selbst denn ihrem verblichenen Gatten gilt. Denn sein Tod macht auch sie zur Zielscheibe - und selbst wenn sie mit messerscharfem Verstand schließt, dass Bond, als er ihr gegenübersteht, der Mörder ihres Mannes ist, hält es die "Trauernde" nicht davon ab, dem Agenten in vielerlei Hinsicht weiterzuhelfen. 

Fiennes (2.v.l.,) Harris (3.v.l.), Wishaw (3.v.r.) und der Mann, der alles arrangiert hat: Sam Mendes (4.v.l.).
Fiennes (2.v.l.,) Harris (3.v.l.), Wishaw (3.v.r.) und der Mann, der alles arrangiert hat: Sam Mendes (4.v.l.).(Foto: imago/Matrix)

Punkt 4: Der Irrtum. Falsch gedacht - nicht alle, die in einem anderen Bond-Streifen ein typisches kurzes Dasein fristen würden, werden in "Spectre" umgebracht.

Punkt 5: Das Teamplay. Das ist neu. Bond steht eine Truppe zur Seite, die sich gewaschen hat: Miss Moneypenny (Naomi Harris) ist ein scharfes Ding, das allerdings nie über einen Flirt mit ihrem Meister hinauskommen wird. Das heißt jedoch nicht, dass kein Kerl ihr Bett wärmen würde. Auch James' Vorgesetzter M (Ralph Fiennes) und Tüftler Q (Ben Wishaw) wachsen jeweils über sich hinaus. Dieser Truppe gelingt es in "Sprectre" einerseits, dem breitschultrigen Schatten des 007 zu entkommen und andererseits doch immer zu ihm stehen.

Punkt 6: Die Drehorte. Dazu muss man nichts sagen, sie sind wie immer ein Traum: Das pulsierende Mexico City, das mystische Österreich, die schönste Stadt der Welt, Rom, ein Ausflug nach Marokko - unsere Reiselust ist geweckt.

Punkt 7: Die Kritik. Ein Kollege fand, dass der Film nicht schlüssig sei, dass einige Szenen nicht stimmen würden. Nun, darauf einen Martini, Gin Tonic oder whatever. Sorry, excuse me - wir sind bei James Bond und nicht bei Arte. Der Held ging schon immer aufrecht aus zusammenstürzenden Gebäuden, ritt durch Monster-Wellen auf einer aufgesägten Blechdose, vernaschte seit eh und je reihenweise Frauen (als ob das realistisch wäre, tss), war bereits an die dutzende Male klinisch tot, hat mal mehr und mal weniger Haare (also ob das realistisch wäre, tss), er soff schon wie ein Loch und ist trotzdem noch topfit - also wer kommt da jetzt mit Logik? Das ist echt so was von egal, denn James Bond wird immer wieder auferstehen. Neuerdings in Planung ja eventuell auch als Frau, als Schwuler oder Schwarzer - alles Möglichkeiten übrigens, denen Daniel Craig offener gegenübersteht, als man denkt, der dennoch zu bedenken gibt: "Vielleicht sollte man diesen Agenten dann doch anders nennen als James Bond."

Punkt 8: Der Dialog und der Wortwitz. Nach dem etwas maulfaulen "Skyfall" wird in "Spectre" wieder ein bisschen mehr geplaudert. In guter alter britischer Manier wird das Geplänkel gepflegt und wie gesagt: Die Bond-Girls haben Bond auch immer eine Menge mitzuteilen. Schön ist diese Entwicklung zum Beispiel auch für jemanden wie den Synchronsprecher von Daniel Craig, Dietmar Wunder, der dem Agenten eine wunderbar tiefe, weiche und extrem gut passende Stimme verleiht: "Das ist eine ganz tolle Bestätigung meiner Arbeit," freut sich Wunder, und noch viel toller ist, dass dadurch die anderen Dinge, die er macht, ebenfalls in den Fokus rücken.

Ja, Detlef Bohte kann definitiv böse gucken.
Ja, Detlef Bohte kann definitiv böse gucken.(Foto: imago/Future Image)

Punkt 9: Der Bösewicht-Nachwuchs. Keine Frage, Christoph Waltz ist der Oberbösewicht schlechthin, man könnte ihn immer und immer wieder besetzen. Aber falls der mal nicht kann, weil er zum Beispiel für Quentin Tarantino dreht oder gerade die Liane schwingt, dann wäre da noch einer, sogar ein Deutscher: Detlef Bothe. Der fühlt sich dank "Spectre" direkt "auf Droge": "Heute bin ich total auf Bond", erzählte er n-tv.de bei der Premiere ein bisschen überwältigt. "Wenn ich diese Energie beibehalten könnte, dann geh' ich überall als Sieger raus, das ist das Gefühl, das ich zumindest heute habe." Und noch ein Gutes hat es, den Bösewicht zu geben: Man darf auf dem roten Teppich rauchen. Das dürfen die anderen nicht, oder? "Da frag' ich erst gar nicht," lacht Bothe und verschwindet im Kino.

"Spectre" startet am 5. November in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de

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