Unterhaltung
Idris Elba als "Revolvermann" - doch derzeit müssen er und seine Mitstreiter bei "Der dunkle Turm" Kritiker-Salven einstecken.
Idris Elba als "Revolvermann" - doch derzeit müssen er und seine Mitstreiter bei "Der dunkle Turm" Kritiker-Salven einstecken.(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)
Donnerstag, 10. August 2017

Hysterie um King-Verfilmung: Im dunklen Turm ist der Wurm

Von Volker Probst

Seit Monaten wird die Werbetrommel für die Neuverfilmung von Stephen Kings "Es" gerührt. Doch jetzt kommt mit "Der dunkle Turm" erst einmal die Leinwand-Adaption eines anderen Klassikers des Kultautors ins Kino. Und die schlägt hohe Wellen.

Es gibt Ideen, die sind einfach selten gut. Zum Beispiel die, ein kleines Büchlein zu einer gigantischen Film-Trilogie aufzublasen, wie beim "Hobbit" geschehen. Oder umgekehrt, ein achtbändiges Epos wie "Der dunkle Turm" von Stephen King in eine einzige, in dem Fall 94 Minuten kurze Leinwandversion pressen zu wollen. Ebenso ist es jedoch praktisch nie ein guter Einfall, einen Film an seiner literarischen Vorlage zu messen. Welcher Streifen hätte da denn schon je gewonnen?

Video

Ob "Shining", "Friedhof der Kuscheltiere", "Es" oder "Sie" - King hat eine ganze Reihe an Büchern geschrieben, die längst Kultstatus genießen und ihn zu einem der erfolgreichsten Autoren auf dem Planeten machten. Als sein wichtigstes Werk, sein Opus Magnum, sieht der Schriftsteller selbst jedoch seinen Zyklus "Der dunkle Turm" an, der insgesamt acht Bände umfasst - "Schwarz", "Drei", "Tot", "Glas", "Wolfsmond", "Susannah", "Der Turm" und "Wind". Und auch für wahre King-Fans, die nicht nur den einen oder anderen Roman von ihm mal im Urlaub durchblättert, sondern seine gesammelten Werke wie Sahnepralinen verschlungen haben, gehört das Epos trotz oder gerade wegen seiner Komplexität - und mitunter auch Verworrenheit - zu den absoluten Highlights des Autors.

Schlechter als "Sharknado 5"?

So kommt nun bei dem Versuch einer Verfilmung des Mammutwerks so ziemlich alles zusammen, was nicht zusammen gehört. Die überbordende Erwartungshaltung der King-Jünger auf der einen Seite und die lausige Annahme der Filmemacher um Regisseur Nicolaj Arcel, mit einem minimalistischen Abriss der Saga gerecht zu werden, auf der anderen. Der Nimbus, einfach unverfilmbar zu sein, umweht den "Dunklen Turm" ähnlich wie dereinst den "Herren der Ringe". Doch während Peter Jackson - ehe er mit dem kleinen "Hobbit" dem Größenwahn verfiel - nach nahezu einhelliger Meinung der Coup gelang, die Fantasien von J.R.R. Tolkien eben doch adäquat auf die Leinwand zu bannen, macht sein Kollege Arcel bei Kings Vorlage scheinbar alles falsch. Und das, obwohl Stephen King höchstpersönlich den Film und sein Drehbuch absegnete und in dessen Entstehungsprozess eingebunden war.

Vergebens. In den USA überschlugen sich die Kritiker in den vergangenen Wochen geradezu in Hysterie. Ein "Filmverbrechen an einer geliebten Romanreihe", ein "turmhohes Inferno" oder "erstaunlich furchtbar" lauteten nur einige der nahezu durchgehend vernichtenden Besprechungen. Bei dem Bewertungsportal "Rotten Tomatoes" kommt "Der dunkle Turm" im Kritiker-Ranking aktuell gerade mal auf eine Zustimmung von 18 Prozent - viel tiefer geht es nicht. Zum Vergleich: Selbst der fünfte Teil der Trash-Film-Reihe "Sharknado", der gerade erst im US-TV ausgestrahlt wurde, bringt es im "Tomatometer" mit 38 Prozent zu einem mehr als doppelt so hohen Wert.

"Revolvermann" und "Mann in Schwarz"

Tatsächlich kann man bei der Film-Version von "Der dunkle Turm" allenfalls von einer Anlehnung an die Buchvorlage sprechen. Personen wie Eddie oder Susannah aus den Romanen kommen nicht vor. Die Hauptfigur, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, ist nicht etwa der "Revolvermann" Roland Deschain (Idris Elba), sondern der in New York lebende Junge Jake Chambers (Tom Taylor). Den Teenager plagen Visionen - vom "Revolvermann", von der "Mittwelt" und von einem dunklen Turm, der das Universum zusammenhält, doch vom "Mann in Schwarz" (Matthew McConaughey) zu Fall gebracht zu werden droht. Während seine Mutter und sein Stiefvater dies alles als pubertäre Spinnereien abtun, ist Jake überzeugt, dass die Welt aus seinen Träumen tatsächlich existiert. Als der "Mann in Schwarz" beginnt, Jagd auf ihn zu machen und Jake ein Portal in die andere Welt findet, werden seine Ahnungen zur Gewissheit …

Nein, der Film ist nicht so schlecht, wie er im anscheinend gerade stattfindenden Kritiker-Wettlauf um die größte Breitseite gemacht wird. Dafür sorgt allein schon das Schauspielensemble um Oscar-Preisträger Matthew McConaughey, der in seiner Rolle als Bösewicht bestens aufgeht. Doch auch das ungleiche Paar Idris Elba und Tom Taylor weiß zu harmonieren und so manche dramaturgische Schwäche, die es in dem Film durchaus auch gibt, dadurch auszubügeln. Summa summarum wird "Der dunkle Turm" so zu einem soliden Fantasy-Märchen, das nicht herausragt, aber eben auch nicht das "Inferno" ist, von dem manche sprechen. Vorausgesetzt, man klammert sich beim Gucken nicht an die "geliebte" Romanvorlage.

Ohnehin sollte der Streifen eigentlich nur der Auftakt zu einem Franchise sein - in Fortsetzungen soll Kings Saga weiter aufgerollt werden. Ob es angesichts des Donnerwetters, das über dem Film niedergeht, dazu kommt, bleibt abzuwarten. Aber womöglich hängt die Entscheidung am Ende ja auch an den Zuschauern. Allen Unkenrufen zum Trotz eroberte "Der dunkle Turm" nach seinem Start in den USA am vergangenen Wochenende Platz 1 der Kinocharts.

"Der dunkle Turm" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen