Unterhaltung

10 Jahre "Reel Rock"-Filmtour: Kapitän Ahab jagt Moby Dick

Von Lisa Schwesig

Bei der "Reel Rock"-Filmtour versuchen Kletterer, Felsen zu bezwingen - wie einst Kapitän Ahab Moby Dick. Sie wachsen über sich hinaus. Und sie quälen sich, um die ultimative Freiheit zu finden.

Das Streben nach Freiheit treibt den Menschen an, doch was bedeutet Freiheit eigentlich? Abraham Lincoln hat einst gesagt: "Die Welt hat nie eine gute Definition für das Wort Freiheit gefunden." Bei der zehnten "Reel Rock"-Filmtour suchen mutige Kletterer dennoch nach Antworten. Nur mit ihren eigenen Händen und Füßen bewaffnet, erklimmen sie die großen Berge dieser Welt - nahezu furchtlos und ohne Sicherung.

Alex Honnold (l.) ist derzeit der unangefochtene König der Kletterszene.
Alex Honnold (l.) ist derzeit der unangefochtene König der Kletterszene.(Foto: Reel Rock/Moving Adventures)

Bei der Jubiläumsausgabe zeigen fünf Kurzfilme, was es bedeutet, ein Kletterer aus Leidenschaft zu sein. Stars und Newcomer der Szene geben einen Einblick in ihre ganz besondere Passion und nehmen den Zuschauer mit auf eine Reise durch das Hochgebirge Patagoniens, die Steilwände des Yosemite National Parks oder das größte Kletterfestival der Welt.

"Horsehoe Hell" wird als der "Burning Man" der Kletterszene beschrieben. In bunten Kostümen und mit reichlich Alkohol versuchen die Teilnehmer, in nur 24 Stunden so viele Steilwände wie möglich zu erklimmen - ohne dabei abzurutschen und zu fallen. Nic Berry und Mason Erale wollen den großen Alex Honnold, den Messias der Kletterwelt, in seine Schranken verweisen. Neben beeindruckenden Aufnahmen von einer Ranch im US-Bundesstaat Arkansas macht das Zusehen bei dem Wettbewerb vor allem jede Menge Spaß. Festivalstimmung mischt sich mit Kampfgeist und dem Willen, in kürzester Zeit so viele Steinhänge wie möglich zu erklimmen.

Martyrium für Honnold

Von rechts nach links haben Alex Honnold und Tommy Cardwell die Fitz Traverse überklettert.
Von rechts nach links haben Alex Honnold und Tommy Cardwell die Fitz Traverse überklettert.(Foto: Reel Rock/Moving Adventures)

Alex Honnold begegnet seinen Bewunderern vor der Leinwand jedoch nicht nur einmal. Gemeinsam mit dem ebenso populären Tommy Caldwell wagt er ein einzigartiges Unternehmen, dokumentiert in "A Line Across The Sky". Der Free-Solo-Star Honnold (Klettern ohne technische Hilfsmittel oder Sicherung) lässt sich von dem Bigwall-Kletterer (Klettern an hohen Felswänden über einen längeren Zeitraum) Cardwell zu einer waghalsigen Tour überreden. Die beiden US-Amerikaner haben sich in den Kopf gesetzt, die Fitz Traverse im argentinischen Patagonien zu überqueren. Das bedeutet, über 4000 Höhenmeter zu überwinden, während einem Wind, Eis und Geröll um den Kopf peitschen. Besonders für Honnold, der erstmals beim Klettern mit Schnee in Kontakt kommt, wird die Reise zum Martyrium.

Tagelang hingen Tommy Cardwell und Kevin Jorgeson an der "Dawn Wall".
Tagelang hingen Tommy Cardwell und Kevin Jorgeson an der "Dawn Wall".(Foto: Reel Rock/Moving Adventures)

Auch Tommy Caldwell taucht in einem weiteren Film auf. US-amerikanische Medien berichteten zu Beginn des Jahres ausführlich über ihn und seinen Partner, Kevin Jorgeson. Die beiden kampierten tagelang an einer Felswand im Yosemite National Park im US-Bundesstaat Kalifornien und versuchten, die "Dawn Wall" zu bezwingen. Sie gilt als schwerste Route der Welt und ist für Cardwell und Jorgeson zur Obsession geworden. Die beiden Ausnahmesportler bezeichnen ihr Unterfangen als den Kampf zwischen Kapitän Ahab und Moby Dick. Der Roman "Moby Dick" beschreibt die verzweifelte Jagd nach einem vermeintlichen Biest. Wer wissen möchte, ob es ihnen gelingt, muss sich bis zur nächsten "Reel Rock"-Ausgabe gedulden.

Immer wieder musste Daniel Woods seine Angst überwinden.
Immer wieder musste Daniel Woods seine Angst überwinden.(Foto: Reel Rock/Moving Adventures)

An ihre Grenzen gehen auch die Boulderer (Klettern ohne Seil in Absprunghöhe) in "High and Mighty". Daniel Woods bewältigt nicht nur einen der größten Felsbrocken der Welt, sondern auch seine eigenen Schwächen. In Dutzenden Versuchen befreit  er sich mit mentaler Stärke von seiner Höhenangst, um die Spitze der Boulder-Szene zu erklimmen.

Höher, schneller, weiter

Tragisch wird es in dem Tribut an Dean Potter. Der Abenteurer kommt im Mai 2015 bei einem Wingsuit-Flug ums Leben. Er gehört zur ersten Riege der Basejumper und Kletterer und ist fester Bestandteil der "Reel Rock"-Familie. Sein Tod ist ebenso traurig wie bestürzend, zeigt aber auch, was der höchste Preis für das Gefühl von Freiheit sein kann. Letzte Aufnahmen zeigen Potter beim Slacklinen (Balancieren auf einem Gurt) über Felsschluchten, Klettern oder Basejumpen mit seinem Hund. Er hat diese Momente selbst mit seiner Gopro festgehalten. Sie sollen sowohl als Hommage, aber auch als Warnung verstanden werden in Zeiten des wagemutigen Selfie-Wahns, dem immer mehr Menschen zum Opfer fallen.  

Dean Potter wollte die ultimative Freiheit finden und hat dabei sein Leben gelassen.
Dean Potter wollte die ultimative Freiheit finden und hat dabei sein Leben gelassen.(Foto: Reel Rock/Moving Adventures)

Zusätzlich zu nachdenklichen Momenten liefert "Reel Rock" beeindruckende Aufnahmen aus Perspektiven, die Normalsterbliche niemals zu Gesicht bekommen würden. Atemberaubende Sternenbilder am Himmel, Panoramablicke über die Weiten Argentiniens und die Schönheit des blanken Felsens ziehen den Zuschauer in seinen Bann und regen den einen oder anderen sicherlich dazu an, sich selbst die Kletterschuhe anzuziehen und den Magnesia-Beutel um die Hüften zu schnüren.

Die "Reel Rock"-Filmtour ist in Deutschland noch in folgenden Städten zu sehen:

19.10. Berlin
21.10. Hamburg
22.10. Bremen
23.10. Köln (Wessling)
26.10. Dortmund
27.10. Bielefeld
01.11. Bensheim
06.11. Scheidegg
07.11. Stuttgart
08.11. Würzburg
09.11. Bischofswerder
10.11. München
13.11. Essen
14.11. Lüneburg
15.11. Leipzig

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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