Unterhaltung
Montag, 13. Dezember 2010

"Warum halb vier?": Oder die Liebe zum Fußball

Von Thomas Badtke

"Warum halb vier?" Diese Frage könnte man jede Woche Millionen stellen. Die Brüder Lars und Axel Pape sind ihr nachgegangen. Herausgekommen ist eine Liebeserklärung an den Fußball - verpackt in einen Dokumentarfilm.

Auch Hertha BSC hat echte Fans.
Auch Hertha BSC hat echte Fans.(Foto: picture alliance / dpa)

"Warum halb vier?" hätte auch "An jedem verdammten Wochenende" heißen können, in Anlehnung an den fast gleichnamigen Hollywood-Film mit Al Pacino und Cameron Diaz über die Lieblingssportart der Amerikaner, American Football. Aber "Warum halb vier?“ sollte nicht den Fußballsport an sich reflektieren, sondern das, was ihn für die Fans so wichtig, so unvergleichlich, so einmalig macht. Warum also gehen Millionen Deutsche Woche für Woche in die Stadien der Nation, egal ob 1. Kreisklasse oder 1. Bundesliga, egal ob Sitzplatz in der Multifunktionsarena oder Stehplatz im heruntergekommenen Stadion um die Ecke? Was macht Fußball für so viele zu einer wahren Passion?

Diese Fragen sind es, die die beiden Filmemacher Lars und Axel Pape mit ihrem Dokumentarfilm "Warum halb vier?" eigentlich klären wollen. Ihre Hauptprotagonisten sind die beiden Freunde Manni und Heinz, und der Schauspieler Joachim Król. Ihre Geschichten rund um das runde Leder bilden den Plot des Dokumentarfilms, liefern den roten Faden, an dem sich der gemeine Fan entlang hangeln kann. Da wären beispielsweise MTV-Moderator Markus Kavka, Schauspieler Harry Baer und ehemalige Nationalspieler wie Fredi Bobic oder Rudi Völler. Aber auch Manager kommen zu Wort: Rudi Assauer plaudert aus dem Nähkästchen, Reiner Calmund ebenso.

Manni, Heinz und der Glücksfall

Egal ob für Fortuna, BVB oder St. Pauli: Fan sein fängt in jungen Jahren an.
Egal ob für Fortuna, BVB oder St. Pauli: Fan sein fängt in jungen Jahren an.(Foto: picture alliance / dpa)

So unterschiedlich sie auch sind: Alle verbindet der Fußball. Manni und Heinz ganz besonders. Die beiden haben sich bereits in den 1950er Jahren kennengelernt. Sie spielten in verschiedenen Teams. Immer wieder kommen sie im Film zu Wort, reflektieren aus ihren Erinnerungen, erzählen Anekdoten aus ihrem gemeinsamen Fußball-Wunderland. Ihre Augen scheinen noch immer zu leuchten, wenn sie bei einer Tasse Kaffee zusammensitzen und über den Ball und seine Besonderheiten palavern. Mit dem Fußball gehen sie durch dick und dünn. Für sie ist er der gemeinsame Kick. Nur zusammen im Urlaub waren sie noch nicht. Das fehle noch, sagen sie beide und stellen klar: Aber wenn, dann nur ohne die Frauen.

Manni und Heinz erinnern ein wenig an Waldorf und Statler aus der Muppet-Show. Sie sind ein unnachahmliches Duo, das den Film lebendig macht. Sie geben ihm Witz und Charme gleichermaßen. Sie sind, wie die Pape-Brüder im Making of sagen "ein Glücksfall" für ihren Film gewesen.

Einblick ins Królsche Gefühlsleben

Auch mit Joachim Król haben die Brüder Pape ein glückliches Händchen bewiesen. Der Schauspieler, ein glühender Dortmund-Fan, schwelgt ebenso wie Manni und Heinz in Erinnerungen. Damals, als ihn sein Vater zum ersten Mal mit ins Stadion nahm, mit zu Westfalia Herne. Damals als sie, verbunden durch die gemeinsame Leidenschaft Fußball, einen Draht zueinander fanden. Damals, als er seinen Vater das erste Mal weinen sah, als Westfalia Herne abstieg. "Damals ...", sagt Król und blickt versonnen in das Rund eines verlassenen Stadions.

Wenig später trifft man ihn wieder in einem leeren Stadion. Diesmal mit einem Borussia-Dortmund-Schal sitzend im Signal-Iduna-Park, diesem einzigartigen Ort, der die Fähigkeit zu besitzen scheint, Fußballfans immer wieder aufs Neue in den Bann zu ziehen und sie in einen Rausch zu versetzen. Król ist wieder allein. So entfernt sein Blick, so nah ist die Erinnerung - an großartige Stunden, die er hier im Stadion erlebt hat. Die er nie wieder vergessen wird. Die für ewig in seinem Gedächtnis und seinem Herzen eingebrannt sind.

Ein Film von Fans über Fans für Fans

"Warum halb vier?" ist als DVD bei Capelight erschienen.
"Warum halb vier?" ist als DVD bei Capelight erschienen.

Man merkt dem Film an, dass ihn Fußballfans gemacht haben - und Fußballfans, die "Schauspieler" sind. Rund wird der Film auch dadurch, dass weibliche Fans zu Wort kommen ("Girls United") und auch ein Hooligan von seiner "Passion Fußball" erzählen kann. Ein Highlight des Films ist darüber hinaus der Fanchor von Fortuna Düsseldorf - platziert in einem leeren Stadion - der immer wieder bekannte Fußballgesänge anstimmt (und der einen nicht unerheblichen Teil des Bonusmaterials auf der DVD ausmacht). Wer da keine Gänsehaut bekommt, kann nur ein FC-Fan sein.

Für die typischen Frotzeleien zwischen den verschiedenen Fangruppen sorgen aber nicht Kölner und Düsseldorfer, sondern Harry Baer (1860 München) und Markus Kavka (Bayern München), die immer gemeinsam zu Wort kommen und sich so auch die verbalen Bälle elegant zuspielen können.

Am Ende des Films bleibt die Gewissheit, dass die Frage nach dem "Warum halb vier?" nicht mit einem einzigen lapidaren Grund beantwortet werden kann. Aber beantworten kann sie jeder, der "halb vier" einmal in irgendeinem deutschen Fußballstadion ein Spiel besucht hat. Meine Antworten: Wegen der unbändigen Freude und des grenzenlosen Jubels, wenn "meine" Mannschaft ein Tor schießt; wegen des unvergleichlichen Wir-Gefühls der Fans; wegen ...

"Warum halb vier?" ist als DVD bei Capelight erschienen.

Bilderserie
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Quelle: n-tv.de

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