Unterhaltung
John McClane (Bruce Willis), sein Sohn John Jr. (Jai Courtney) und Komorov (Sebastian Koch) sind auf der Flucht vor Moskaus Unterwelt.
John McClane (Bruce Willis), sein Sohn John Jr. (Jai Courtney) und Komorov (Sebastian Koch) sind auf der Flucht vor Moskaus Unterwelt.(Foto: dapd)

Sebastian Koch über "Stirb langsam": "Action, Tempo und Bruce Willis"

Bruce Willis schlüpft wieder in die Rolle des Polizisten John McClane. "Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben" heißt der fünfte Teil der Reihe, der 25 Jahre nach dem ersten Film erscheint. Mit dabei ist diesmal ein deutscher Schauspieler: Sebastian Koch spielt den russischen Unternehmer Komorov, eine zwielichtige Gestalt. Doch gerade das hat den Charakterdarsteller an der Rolle gereizt, wie Koch im Interview mit n-tv.de sagt. Komorov wird von Moskaus Unterwelt gejagt, weil er Geheiminformationen besitzen soll, die einen mächtigen Politiker zu Fall bringen könnten. Auf der Flucht stolpert er quasi über den US-Polizisten John McClane, der in Moskau eigentlich seinen Sohn (Jai Courtney) sucht. Zu dritt nehmen sie den Kampf auf.

John McClane und Komorov haben da noch etwas zu klären.
John McClane und Komorov haben da noch etwas zu klären.(Foto: dapd)

Den Zuschauer erwartet im neuesten "Stirb langsam"-Teil ein knapp 100-minütiges Feuerwerk, das wenig Luft zum Atmen, geschweige denn für Dialoge lässt. Handlung und Logik bleiben da auf der Strecke. Fans der Reihe kommen allerdings auf ihre Kosten. Kein Wunder: "Es geht um Action, Tempo und Bruce Willis", verrät Koch das Geheimnis der Serie. Mit n-tv.de spricht er außerdem über das riesige Filmset, den Umgang mit Waffen und seine Liebe zum Kino.

n-tv.de: Sie sind vor allem als Charakterdarsteller bekannt. Nun spielen Sie in einem Actionfilm mit. Der Anstoß dazu kam aber nicht von Ihnen, sondern von Regisseur John Moore. Hat das die Zusage erleichtert?

Sebastian Koch: Ja, das hat es mir relativ leicht gemacht, zuzusagen, weil es die Dreharbeiten persönlich macht. Und es freut mich natürlich, dass John Moore mich als Schauspieler haben wollte. Wenn ein Regisseur mit mir drehen will, dann kennt und schätzt er meine Arbeit, und ich gehe davon aus, dass er eine Vision oder eine Idee davon hat, was er im Film mit mir vorhat. Das ist für mich eine wichtige Voraussetzung.

Hätten Sie unter anderen Umständen auch zugesagt?

Bei einer so spannenden Rolle sicherlich ja. Wenn es um eine Serie wie "Stirb langsam" geht, zögert man nicht allzulange, schließlich ist die Reihe seit 25 Jahren erfolgreich.

Gab es einen Aspekt an der Figur des Komorov, der Sie besonders gereizt hat?

Video

Für einen Schauspieler ist es spannend, eine Rolle zu spielen, die nicht klar definiert ist. Komorov umgibt eine Aura, bei der man sich immer fragt, was mit ihm los ist. Er trägt ein Geheimnis mit sich herum und dieses ist so wichtig, dass die gesamte Moskauer Unterwelt ihn verfolgt,  sogar die CIA hinter ihm her ist. Komorov ist eine spannende und schillernde Persönlichkeit, die nur ab und zu den Deckel öffnet und etwas von sich preisgibt.

Zu Beginn des Films ist Komorov ein politischer Gefangener, dem der Prozess gemacht werden soll. Ist das eine politische Komponente des Films?

Ursprünglich war der Film in Richtung Chodorkowski und Putin angelegt, denke ich. Im Laufe der Dreharbeiten ist 20 Century Fox davon abgekommen. Vermutlich, weil so etwas in einem "Stirb langsam"-Film nichts zu suchen hat.

Weil es ein Actionfilm ist?

Die Gesetze der Serie sind eindeutig: Es geht um Action und Tempo und im Mittelpunkt steht Bruce Willis als John McClane. Nach 25 Minuten zieht er seine Jacke aus, nach 35 Minuten ist er dreckig und blutverschmiert und spätestens nach einer Stunde zieht er sein Hemd aus und greift zur Uzi. Diese Gesetze sind für "Stirb langsam"-Fans wichtig und sie werden auch eingehalten. Im fünften Teil der Reihe wird dabei das Tempo noch mal erhöht. Zudem hat Regisseur John Moore eine besondere Filmsprache gefunden, die fast dokumentarisch ist. Der Zuschauer ist mitten im Geschehen, die Kamera ist sehr unruhig und immer in Bewegung.

Gleichwohl wird ein düsteres Russland-Bild gezeichnet, in dem Schauprozesse und Korruption allgegenwärtig sind.

Koch wurde 1962 in Karlsruhe geboren. Nach Jahren am Theater feierte er im Fernsehen Erfolge etwa mit "Der Tanz mit dem Teufel", "Die Manns" und "Stauffenberg" - und erhielt u.a. zwei Grimme-Preise, den Deutschen und den Bayerischen Fernsehpreis. Seinen internationalen Durchbruch erlebte er mit dem Oscar-prämierten Film "Das Leben der Anderen".
Koch wurde 1962 in Karlsruhe geboren. Nach Jahren am Theater feierte er im Fernsehen Erfolge etwa mit "Der Tanz mit dem Teufel", "Die Manns" und "Stauffenberg" - und erhielt u.a. zwei Grimme-Preise, den Deutschen und den Bayerischen Fernsehpreis. Seinen internationalen Durchbruch erlebte er mit dem Oscar-prämierten Film "Das Leben der Anderen".(Foto: dpa)

Das ist schon eine Reminiszenz an den Kalten Krieg und den Eisernen Vorhang: Es gibt die Guten und die Bösen. Ein Actionfilm ist für diese eindeutige Einteilung prädestiniert.

Haben Sie sich physisch auf die Rolle vorbereitet?

Ich fühle mich relativ fit. Ich laufe zwei bis drei Stunden pro Woche. Diese Grundfitness reicht für die Dreharbeiten in der Regel aus.

Wichtiger war vermutlich die sprachliche Vorbereitung: Sie mussten Russisch lernen.

Das war sehr mühsam. In fünf bis sechs Wochen kann man natürlich nicht Russisch lernen. Da geht es um Zungenstellungen, von denen wir Deutsche noch nicht einmal träumen, dass es sie gibt. Ich musste es also phonetisch lernen, was etwas vollkommen anderes ist.

Wie kann man sich das vorstellen?

Man orientiert sich an lateinischen Buchstaben und lernt die Aussprache wie die Melodie eines Liedes. Das ist ein ganz merkwürdiger Vorgang, der sehr aufwändig ist. Im Film ist es aber ein großer Effekt, wenn die Sprache glaubwürdig rüberkommt. Das spiegelt sich dann auch in der Figur, weil man ganz anders an sie herangeht.

Die Dreharbeiten auf einem großen Set müssen sehr ungewohnt für Sie gewesen sein. Haben Sie sich wie ein Kind auf einem Abenteuerspielplatz gefühlt?

Schon, "Unknown Identity" mit Liam Neeson war schon ein ziemlich großer Spielplatz für mich. "Stirb langsam" toppt das jetzt noch. Es war enorm, was da an technischen Neuheiten aufgefahren wurde. Für die Autojagden wurde etwa der größte Greenscreen, den es bis dahin gab, gebaut. Die Settings, das ganze Drumherum waren einfach beeindruckend.

Yuliya Snigir spielt die Tochter von Komorov.
Yuliya Snigir spielt die Tochter von Komorov.(Foto: Twentieth Century Fox)

Hat Sie das nervös gemacht?

Anfangs hatte ich schon Respekt, weil ich es nicht kannte. An so einer großen Studioproduktion wirken so viele Menschen mit, die etwas zu sagen haben, und es gibt so viele Meinungen. Da existieren Gesetze, die man lernen muss, die man verstehen und begreifen muss. Wenn man erst mal weiß, wie es funktioniert, bekommt man aber wieder seinen eigenen Freiraum. Wenn die Kamera läuft, ist es ohnehin überall gleich.

Sie haben oft in kleineren unabhängigen Produktionen mitgespielt. Gibt es Unterschiede beim Dreh einer Szene?

Bei so einem großen Hollywood-Film haben die Dreharbeiten viel mit Warten zu tun. Das Interessante ist, dass man dann aber auf den Punkt fit sein muss. Das kann ganz schnell gehen: Unter Umständen heißt es, dass in vier Stunden gedreht wird, aber dann geht es schon in zwei Stunden los. Oder eben umgekehrt. Es ist schwierig, sich da zu fokussieren. Das war neu für mich und ich musste lernen, auf den Punkt genau da zu sein. Aber ich hatte ja meinen Trailer, meinen Computer, Bücher, konnte mir meine Zeit also einteilen.

In Ihrer Rolle schießen Sie auch mit einer Waffe. War das ungewohnt?

Ich bin kein Waffennarr und habe mich auch nicht damit beschäftigt oder das trainiert. Aber es ist schon lustig: Man findet sich dann in dieser Situation wieder und kopiert einfach, was man tausendfach in anderen Filmen gesehen hat: Man nimmt die Waffe und schießt. Und das klappte ganz gut.

John McClane in seinem Element.
John McClane in seinem Element.(Foto: Twentieth Century Fox)

In Actionfilmen gibt es immer wieder Logiklöcher und unrealistische Szenen. Denkt man als Schauspieler bei den Dreharbeiten an so etwas?

Eigentlich nehme ich solche Dinge sehr genau, schließlich komme ich aus einem ganz anderen Filmgenre. Aber als Schauspieler versuche ich auch, mich nicht zu wiederholen und immer wieder neue Sachen zu entdecken. "Stirb langsam" war dafür eine tolle Gelegenheit. Da ist es auch kein Problem, wenn man in Sachen Logik und Kontinuität Abstriche machen muss. Das ist in diesem Film eben nicht so wichtig. Es ist ja kein Liebesfilm oder ein romantisches Drama, es ist halt ein Actionfilm. Genau das beeindruckt mich aber an den "Stirb langsam"-Filmen: Sie gehen zwar technisch mit der Zeit, folgen aber gleichzeitig seit 25 Jahren denselben Gesetzen. Meiner Meinung nach macht gerade das die Serie so erfolgreich.

Haben Sie einen Lieblings-Actionhelden?

Die James-Bond-Filme habe ich eigentlich immer gesehen, weil sie damals immer die neuesten technischen Möglichkeiten zeigten. Aber es gab nie einen Actionhelden, den ich als Schauspieler kopiert habe. Ich spielte ja zehn Jahre nur Theater, meine Vorbilder kamen also eher aus dieser Richtung.

Warum sind Sie von der Bühne vor die Kamera gewechselt?

Ich habe gemerkt, dass das Theater, wie ich es mir erträumt hatte, im Deutschland der 90er Jahre nicht mehr funktioniert. Ich stellte aber auch fest, dass man die Besonderheit der Schauspielerei, sich zu verwandeln, auf Charaktere zuzugehen und sie zu erobern, in Film und Fernsehen wunderbar realisieren kann.

Einem größeren Publikum wurden Sie zunächst im Fernsehen bekannt, in "Die Manns" oder "Stauffenberg". Heute drehen Sie mehr Kinofilme. Suchen Sie sich die Stoffe nach dem Medium aus oder nach der Geschichte?

Das erklärte Ziel ist das Kino. Mich beeindruckt nach wie vor, dass die Leinwand wie eine Lupe ist, die alles sichtbar macht. Bei einem Perfektionisten wie dem Regisseur Michael Haneke etwa ist nichts zufällig. Kino ist wie Malerei: Man kann Dinge weglassen und durch einen Blick oder eine Stimmung erzählen. Diese unausgesprochenen Dinge können sehr emotional sein und die Menschen vielleicht sogar noch mehr bewegen, als wenn alles ausgesprochen wird. Darin liegt eine große Kraft. Deshalb liebe ich das Kino.

"Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben" startet am 14. Februar 2013 in den deutschen Kinos.

Mit Sebastian Koch sprach Markus Lippold.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen