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Mit seinem Coveralbum "Mit freundlichen Grüßen" obenauf: Heino.
Mit seinem Coveralbum "Mit freundlichen Grüßen" obenauf: Heino.(Foto: dpa)

"Ich habe mein Leben lang gelächelt": Wolle mer ihn reilasse? Heino!

Wer hätte das gedacht? Auf einmal ist Heino hip. Sein Cover-Album "Mit freundlichen Grüßen" sorgt für Wirbel und bricht alle Rekorde. Im n-tv.de Interview packt die Volksmusik-Ikone aus - über den Karneval, Chill-Out-Areas, das Deutschlandlied, Haare, Ironie und "Schwachsinn".

n-tv.de: Heute ist Rosenmontag. Ärgert es Sie da nicht, dass Sie hier in Berlin Interviews geben und nicht etwa in Ihrer Geburtsstadt Düsseldorf sind?

Heino: Nein, gar nicht. Ich habe ja hier die Mission, meine neue CD vorzustellen. Das macht mir wesentlich mehr Spaß als jetzt eine rote Nase anzuhaben.

Sagen Sie bloß, Sie sind kein Karnevals-Freund …

Doch, schon. Ich habe ja 1960 im Düsseldorfer Karneval angefangen. Inzwischen bin ich da schon Jahre raus, aber so ein bisschen feiere ich schon immer noch.

Seine "Chill-Out-Area" hat Heino zu Hause.
Seine "Chill-Out-Area" hat Heino zu Hause.(Foto: dapd)

Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal in einer Chill-Out-Area?

Da muss man natürlich fragen, was für jemanden die Chill-Out-Area ist. Das bedeutet ja so viel wie Ruhepol. Ich habe meine Chill-Out-Area zu Hause - sie passt auf mich auf. Und dort habe ich meine Ruhe.

Die Chill-Out-Area kommt in dem Sportfreunde-Stiller-Hit "Ein Kompliment" vor, den Sie auf Ihrem Album "Mit freundlichen Grüßen" covern ...

Ja, ganz ehrlich: ein wunderschönes Lied. Das gefällt mir wirklich einmalig gut.

Auch in anderen Songs auf dem Album kommen Redewendungen vor, die ansonsten  wohl nicht zu Ihrem Standard-Repertoire gehören. Verstehen Sie alles, was Sie da singen?

Im Grunde genommen schon. Ich lese mir ja die Texte durch. Und ich weiß auch, was ich mache. Ich habe Musik studiert. Da ist es nicht so schwierig, dieses Repertoire zu singen. Wir haben es auch sorgfältig ausgesucht. Ich muss zugeben, dass ich einige Titel nicht kannte. Aber die meisten kannte ich und habe sie mit ausgesucht - zum Beispiel die Titel von  Grönemeyer (nur als digitaler Bonus-Track, Anm. d. Red.), Westernhagen, Nena, Die Ärzte oder Rammstein.

Was sprach für die ausgewählten Titel?

Für mich ist dieses Repertoire eine Erweiterung des Volksliedes. Das sind die Volkslieder der neuen Generation. Volkslieder wie "Jenseits des Tales" oder "Wenn die bunten Fahnen wehen", die ich zu Beginn meiner Karriere gesungen habe, waren auch mal Rockerlieder - um die Jahrhundertwende herum. Das hat man heute nur vielfach vergessen und verdreht. Im Grunde genommen findet doch jetzt eine musikalische Integration statt. Jung und Alt kaufen Heino. Das ist doch schön! Ich jedenfalls freue mich darüber.

Auch seine früheren Lieder waren in gewisser Weise "Rockerlieder" - sagt Heino.
Auch seine früheren Lieder waren in gewisser Weise "Rockerlieder" - sagt Heino.(Foto: dpa)

Die Frage ist, ob die von Ihnen gecoverten Bands das genauso sehen. Nehmen wir mal den Song "Junge" von den Ärzten. Im Original ist der Text natürlich durch und durch ironisch gemeint. Bei Ihnen hingegen wirkt er ins Gegenteil verkehrt. Ist das so? Würden Sie den Text - ganz ohne Ironie - unterschreiben?

Wenn ich etwas mache, meine ich das nie ironisch. Mir hat der Text schon gefallen. Und für mich ist das die Realität. Für mich macht es keinen großen Unterschied, ob ich nun wie Freddy (Freddy Quinn, Anm. d. Red.) vor 50 Jahren "Junge, komm bald wieder" singe oder "Junge, brich deiner Mutter nicht das Herz". In beiden Fällen geht es darum, dass die Mutter auf den Sohn aufpasst. Die Ärzte meinen das ironisch - ich nicht.

Was finden Sie eigentlich komisch? Worüber kann Heino herzhaft laut lachen?

Ich bin ja ein rheinisches Kind. Ich kann über viele Sachen lachen. Zum Beispiel, wenn ich Helge Schneider oder Paul Panzer höre. Und ich habe mein Leben lang gelächelt, wenn jemand abfällige Bemerkungen über mich gemacht hat. Ich habe über 50 Millionen Tonträger verkauft - da kann man nur lachen.

Auch mal über sich selbst?

Ja, natürlich. Alles andere wäre ja schrecklich. Ich bin zwar zurückhaltend, bin aber gern in Gesellschaft, lache gerne und habe Spaß.

Ende 2013 wird Heino 75 Jahre alt.
Ende 2013 wird Heino 75 Jahre alt.(Foto: dapd)

Die Veröffentlichung des Albums sorgte bei einigen der von Ihnen gecoverten Bands vielleicht nicht für Unmut, aber auch nicht für Begeisterungsstürme. Verstehen Sie das?

Eigentlich nicht. Gerade diese Bands sprechen immer von Toleranz und Respekt. Genau das lassen sie hier vermissen. Und überhaupt sollten sie doch alle froh sein, dass ich sie gecovert habe. So kommt bei ihnen wieder ein bisschen Geld rein. Und wenn sie dieses Geld nicht wollen, kann ich nur sagen: Es gibt genügend Altenheime, Kinderheime oder Krankenhäuser, die sich über Spenden freuen.

Mal abgesehen von den Bands - auch in den Medien und bei Fans gab es sehr unterschiedliche Reaktionen. Viele feiern das Album, es gibt aber auch kritische Stimmen. Sie scheinen nach wie vor zu polarisieren. Woran liegt das Ihrer Ansicht nach?

Das kann ich Ihnen nicht sagen. Dort, wo ich hinkomme, habe ich noch keine kritischen Stimmen gehört. Aber man kann ja auch nicht erwarten, dass alle auf einmal "toll" rufen. Das muss auch nicht sein. Man muss sich Erfolg erarbeiten. Und man muss sich Neid erarbeiten. Daran arbeite ich schon seit 48 Jahren. Was stört es eine alte Eiche, wenn sich die Sau daran kratzt?

Ihre Biografie heißt: "Und sie lieben mich doch". Und Sie haben in Interviews während der vergangenen Tage immer wieder auch gerne von Ihrem umjubelten Auftritt auf Schalke erzählt. Ich hätte gedacht, dass Sie im Grunde doch nur geliebt werden wollen …

Nein! Ich bin Musiker. Ich will Musik machen, Freude bereiten und keinen Ärger erzeugen. Ich habe Spaß an der Musik. Ich habe von Schubert, Bach, Mozart, Tschaikowsky und Brahms über den Schlager bis hin zum Volkslied und zum Fahrtenlied alles gesungen. Ich will nur singen - und dabei in Ruhe gelassen werden. Das ist, was ich will.

Die Wahlheimat des Sängers ist Bad Münstereifel.
Die Wahlheimat des Sängers ist Bad Münstereifel.(Foto: picture alliance / dpa)

Angesichts des Rummels um das Album attestieren Ihnen viele, einen genialen  Marketing-Coup gelandet zu haben …

Ja, ich habe aber nicht auf die PR-Schiene geschielt. Um Gottes willen, das muss ich nicht. Wie gesagt: Ich habe über 50 Millionen Tonträger verkauft. Ich könnte auch in Bad Münstereifel (Heinos Wohnort, Anm. d. Red.) aus dem Fenster gucken und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

In jedem Fall scheint der Erfolg Ihnen recht zu geben. Sie haben mit dem Album mal eben einen neuen Download-Rekord aufgestellt. Ich denke mal, Ihre Zielgruppe kauft normalerweise hauptsächlich noch CDs. Haben Sie sich schon mal ein Album aus dem Netz heruntergeladen?

Nein, noch nie. Ich kann das gar nicht.

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" haben Sie erklärt, im Grunde seien die von Ihnen gecoverten Songs musikalisch gesehen "total lächerlich". War es nötig, so nachzutreten?

Ein Ausdruck wie "Lächerlichkeit" gehört gar nicht zu meinem Sprachgebrauch. Ich habe gesagt: Es ist nicht schwer, das nachzusingen, weil sich diese Melodien alle in einer Oktave bewegen. Zum Vergleich: Der "Enzian" bewegt sich in drei Oktaven. Das zu singen, ist für mich eine andere Hausnummer. Aber ich würde doch nie etwas machen, das ich lächerlich finde.

Wurden Sie also falsch zitiert?

Ja, da wurde mir ein Wort in den Mund gelegt, das ich nicht gesagt habe.

Er versteht bei Heinos Cover-Album keinen rechten Spaß: Oomph!-Sänger Dero Goi.
Er versteht bei Heinos Cover-Album keinen rechten Spaß: Oomph!-Sänger Dero Goi.(Foto: picture alliance / dpa)

Besonders kritisch hat sich Ihnen gegenüber Dero Goi, Sänger der Band Oomph!, geäußert, von der Sie den Song "Augen auf" gecovert haben. Er hat Ihnen "Landser-Romantik" und "völkisch-verherrlichendes" Gedankengut in einigen Ihrer Lieder vorgeworfen. Was entgegnen Sie ihm?

Er muss sich mit dem, was ich gesungen habe, auseinandersetzen. Er führt ja zum Beispiel ein Lied wie "Es steht ein Soldat am Wolgastrand" an. Man muss wissen, dass das aus einer Operette von Franz Lehár stammt - "Der Zarewitsch". Sie wurde 1927 zum ersten Mal aufgeführt. Und der Soldat da am Strand ist ein Russe. 

Sie haben sich stets von braunem Gedankengut distanziert. Trotzdem gibt es offenbar einige Dinge, die Ihnen nachhängen. Zum Beispiel, dass Sie in den 70er Jahren das Deutschlandlied in allen drei Strophen eingesungen haben. Bereuen Sie das heute?

Nein. Ich habe unseren damaligen Präsidenten Walter Scheel gebeten, mir zu bestätigen, dass alle drei Strophen unsere Hymne sind. Das hat er gemacht. Alle drei Strophen dürfen gesungen werden, nur bei öffentlichen Anlässen gilt, dass man lediglich die dritte Strophe singen sollte. Der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Hans Filbinger hat mir den Auftrag erteilt, die gesamte Hymne zu singen, weil dies an den Schulen gelehrt werden sollte. Da haben wir überhaupt keine Probleme gesehen - mit dem Hinweis, dass das nur für die Schulen sei.

Ein zweites Album mit Coverversionen schließt Heino nicht aus.
Ein zweites Album mit Coverversionen schließt Heino nicht aus.(Foto: picture alliance / dpa)

Eine andere Sache ist, dass Sie noch zu Zeiten der Apartheid in Südafrika aufgetreten sind …

Ich bin genauso engagiert worden wie zum Beispiel Freddy, Udo Jürgens oder der Günter Kallmann Chor. Sie waren alle drüben - nur nicht mit so einem Aufschlag wie Heino. Über mich ist man hergezogen, aber die anderen waren alle vor mir da.

Ein Hitler-Zitat, wie Sie es im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen  Sonntagszeitung" am vergangenen Wochenende gebraucht haben, ist natürlich Wind auf die Mühlen Ihrer Kritiker. Ärgert Sie, dass Ihnen das so herausgerutscht ist?

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass jedes Wort, welches ich über diesen konstruierten Schwachsinn verliere, ein Wort zu viel ist.

Kennen Sie eigentlich den Song "Schrei nach Liebe" von den Ärzten?

Nein.

Den könnten Sie vielleicht auch mal covern …

Ja, es wird ja noch eine CD geben.

Durfte nicht der "wahre Heino" sein: Norbert Hähnel, Kumpel der Toten Hosen.
Durfte nicht der "wahre Heino" sein: Norbert Hähnel, Kumpel der Toten Hosen.(Foto: dapd)

Ach, es wird also eine weitere folgen?

Man soll nie nie sagen.

Was auffällt, ist, dass sich auf dem Album ausgerechnet eine Band nicht findet: Die Toten  Hosen, die wie Sie aus Düsseldorf kommen. Hat das mit den Auseinandersetzungen zu tun, die es seinerzeit um den "wahren Heino" aus dem Umfeld der Toten Hosen gab?

Nein. Wir hatten ursprünglich auch die Toten Hosen im Programm. Aber wir haben gemeinsam mit der Schallplattenfirma eine Auswahl getroffen. Und sie wollte die Toten Hosen erst einmal nicht mit auf dem Album haben.

Gegen den "wahren Heino" alias Norbert Hähnel sind Sie seinerzeit juristisch vorgegangen. Eigentlich heißt es doch immer: Erst wer parodiert wird, hat es wirklich geschafft ...

Ja, klar, ich bin ja froh, parodiert zu werden.

Warum sind Sie dann damals dagegen eingeschritten?

Ich war das gar nicht. Das war die Schallplattenfirma. Die Toten Hosen haben sich, als sie auf Tournee gingen, diesen Mann geholt. Er konnte gar nicht singen. Ihm wurden die Haare blond gefärbt und eine dunkle Brille aufgezogen. Dann hat man meine Schallplatte aufgelegt. Er hat dazu nur den Mund auf und zu gemacht, aber gesagt, er hätte das gesungen. Dagegen hat die Schallplattenfirma geklagt - und nicht ich. Und ich sage es immer wieder gerne: Es war eine Bombenwerbung für mich.

Volksmusik "verrockt"? So richtig schockt das Heino nicht.
Volksmusik "verrockt"? So richtig schockt das Heino nicht.(Foto: dapd)

Genau dieser Norbert Hähnel hat in Reaktion auf Ihr neues Album angekündigt, über einen Gegenschlag nachzudenken und nun Volksmusik zu "verrocken". Graut es Ihnen schon davor?

Nein, das kann er doch machen. Ich werde ihn nicht davon abhalten. (lacht) "Singe, wem Gesang gegeben", wie Westernhagen gesagt hat. (Marius Müller-Westernhagen hat auf seiner Facebook-Seite gepostet: "Heino covert "Willenlos"? Dies ist ein freies Land, singe, wem Gesang gegeben", Anm. d. Red.)

Egal, was man über Sie und Ihre Musik denkt - unbestreitbar ist, dass Sie sich geradezu als Marke in Deutschland etabliert haben. Es heißt, weit über 90 Prozent der Deutschen würden Sie kennen. Verraten Sie mir: Wie schafft man das?

Ach, wissen Sie, wir sind ja nicht nach einer Marktstrategie vorgegangen. Die Brille kam leider durch ein Augenleiden. Ich hatte eine Überfunktion der Schilddrüse, die aber schon seit zehn, elf Jahren behoben ist. Und die blonden Haare habe ich von meiner Mutter. Dass ich blond war und blaue Augen hatte, war ja - im Gegenteil - eher negativ. Aber ich habe mich nicht beirren lassen. Ich bin da reingewachsen. Und der stetige Erfolg macht einen dann eben bekannt. Ich habe immer gesagt: So lange der liebe Gott mir meine Stimme erhält, werde ich singen - zur Freude der einen und zum Ärger der anderen.

Das Geheimnis, wie man es schafft, mit 74 noch so strahlend blonde Haare zu haben, müssen Sie mir auch noch verraten …

Das kann ich Ihnen sagen. Ich streite das nicht ab, ich habe ein Haarteil. Das weiß jeder, seitdem es Heino gibt. Da kann man die Haare ganz einfach so machen lassen. Und jedes Haar ist sehr teuer.

Mit Heino sprach Volker Probst

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Quelle: n-tv.de

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