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Wenn Indiana Jones auf Robert Langdon trifft: Dantes "Inferno", made by Dan Brown

Von Thomas Badtke

"Mein Geschenk ist die Zukunft. Mein Geschenk ist die Erlösung. Mein Geschenk ist … Inferno." Diese Sätze, über die Medien verbreitet, sollen für Chaos und Panik sorgen. Es geht um Terrorismus, Milliarden Tote und die Neugestaltung der Welt. Aber noch gibt es Hoffnung: Robert Langdon.

"Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate!" - "Lasst, die ihr hier eintretet, alle Hoffnung fahren!" Das Zitat stammt aus Dante Aligheris dreigeteilter "Göttlichen Komödie". Und kein Geringerer als Dan Brown hat sich eingehend mit dem Werk befasst. Er nahm sich den verstörendsten, angsteinflößendsten, barbarischsten Teil als Grundstein und Titel seines neuen Welt-Bestsellers: "Inferno". Diesmal geht es nicht um den Vatikan. Brown nimmt sich eines Themas an, das uns allen unter den Nägeln brennt, brennen müsste: Überbevölkerung.

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Wie viel Menschheit verträgt die Erde? Vier Milliarden, acht Milliarden, zehn Milliarden? Für den Wissenschaftler Bertrand Zobrist ist die Antwort eindeutig: Egal, wie viele Menschen derzeit leben, es sind bereits zu viele. Zobrist ist Transhumanist. Und er hat einen auf den ersten Blick teuflischen Plan geschmiedet: Die Menschheit muss um jeden Preis verkleinert werden - sonst war es das mit dem menschliche Zeitalter auf der Erde.

Von alldem weiß Robert Langdon nichts, als er in einem Krankenhaus in Florenz mit Schädelbrummen und einer Narbe am Kopf erwacht. Viel Zeit zum Nachdenken, wie er da gelandet ist, hat er nicht, denn bereits kurz nach seinem Erwachen versucht eine vollkommen in Schwarz gekleidete Person ihn umzubringen. Doch statt Langdon wird der leitende Arzt niedergeschossen, er selbst kann mit Hilfe einer Krankenschwester fliehen. Siena Brooks ist ihr Name. Sie begleitet Langdon nun auf der Suche nach Antworten. Zum Beispiel auf die Frage: Wieso ist in seine Jacke eine kleine mit dem Biohazard-Symbol bedruckte Röhre eingenäht, die eine Art Speicherchip mit einer neuen Form von Hologrammtechnik enthält?

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Als Langdon das Bild daraus projiziert und studiert, erkennt er, dass es ein weltbekanntes Gemälde ist: Botticellis "La Mappa del Inferno" - allerdings ist es manipuliert, verändert worden. Eine verborgene Inschrift kann er entziffern: Cerca trova: Suche und du wirst finden. Langdon weiß nicht, was er suchen soll oder warum gerade er diese Botschaft in Händen hält oder gar, von wem sie stammt. Aber er ahnt, dass ihm wenig Zeit für die Beantwortung all dieser Fragen bleibt - und noch viel schlimmer: Nicht nur sein Leben und das seiner Begleitung scheinen in Gefahr zu sein: Die Menschheit steht vor einer alles verändernden Katastrophe. Und wie es scheint, spielt das Pest-Zeitalter eine große Rolle dabei.

Neues und Althergebrachtes

Die Pest. Allein das Wort reicht aus, um dem Leser oder vielmehr Zuhörer Schauer über die Haut zu jagen und Angstschweiß auf selbiger zu hinterlassen. Als sie Europa heimsucht, rafft sie rund ein Drittel der Bevölkerung dahin. Was danach allerdings folgt, ist das Zeitalter der Renaissance, eine kulturelle und wissenschaftliche Blütezeit. Also warum sich nicht einmal diesem Thema widmen und es mit dem aktuellen Problem der Überbevölkerung vermischen? Dazu ein bisschen Gentechnik, Eugenik, Geheimorganisationen und Terrorismus und schon können die Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen und die Zuhörer das Hörbuch nicht mehr abschalten.

"Inferno" ist als Audiobook und Hardcover bei Lübbe erschienen.
"Inferno" ist als Audiobook und Hardcover bei Lübbe erschienen.(Foto: Lübbe)

Langdons Reise führt durch Florenz, durch den Palazzo Vecchio mit seinem Saal der 500, durch den Palazzo Pitti, über den Ponte Vecchio. Er landet in Venedig und danach in Istanbul. Dante-Fans, Leser und Zuhörer nimmt Langdon dabei mit - als wissbegierige Touristen. Und die können von alldem nicht genug bekommen.

Das ist nicht neu. Das ist das Erfolgsgeheimnis aller bisher erschienenen Langdon-Romane Dan Browns. Der weltweit bekannte Symbologe und Harvard-Professor steht vor einem Rätsel und auf dem verworrenen Weg zur Antwort erlebt er allerlei haarsträubende und lebensgefährliche Abenteuer. Das funktioniert auch gut zehn Jahre nach dem Riesenerfolg noch, als in Deutschland neben Browns Erstlingswerk "Illuminati" auch noch "Sakrileg" die Jahres-Bestsellerlisten anführen.

Brown hat ein untrügliches Gespür für aktuelle Themen, wie er mit "Inferno" erneut beweist: Überbevölkerung ist das Kernthema dieses Jahrhunderts, ein Reizthema noch dazu. Der Mensch ist schuld an der Klimaerwärmung, ist schuld an Hunger, Not und Elend. Browns einfache These für sein Buch lautet: weniger Menschen, weniger Leid, weniger Probleme. Transhumanismus ist vielen noch unbekannt. Das dürfte sich mit Browns Buch ändern, denn jeder Leser oder Hörer stellt sich danach die Frage nach dem "Was wäre eigentlich, wenn …?"

Wolfgang Pampel, Theater-Schauspieler und Synchronsprecher
Wolfgang Pampel, Theater-Schauspieler und Synchronsprecher(Foto: picture alliance / dpa)

Dabei gelingt es Brown wie bereits bei seinen Langdon-Vorgängerromanen, erneut mit interessanten und spannenden Figuren zu punkten. Der Böse am Anfang kann sich durch aus am Ende als Guter entpuppen - oder umgekehrt. Das ist gewollt, bekannt und dennoch nicht langweilig.

Wenn "Indy" auf Dantes Spuren ist

Überhaupt: Langeweile kommt bei Brown nie auf. Auch nicht beim Hörbuch. Dafür sorgt vor allem Wolfgang Pampel. Der Name an sich wird vielleicht nur eingefleischten Theater-Besuchern etwas sagen. Seine Stimme gehört indes zu den bekanntesten Deutschlands. Mindestens zwei Generationen hat er damit schon in den Bann gezogen: Pampel ist die Synchronstimme von "Indiana Jones" Harrison Ford.

Das hilft dem Zuhörer in seiner Vorstellung ungemein. Vor allem dann, wenn man nicht nur die Brownschen Bücher gelesen, sondern auch die eher verhalten aufgenommenen Verfilmungen mit Tom Hanks als Robert Langdon gesehen hat. Nicht wenige sind der Meinung, dass das eine glatte Fehlbesetzung gewesen ist. Noch mehr haben gehofft, dass Harrison Ford in die Rolle des Symbologen aus Harvard schlüpft. Es kam anders - und so ist die Hörbuch-Version mit Pampels Langdon-Stimme für viele eine Genugtuung und zugleich der Beweis, dass zumindest stimmlich Ford der bessere Langdon ist.

Alles in allem schafft Dan Brown es erneut, einen Welt-Bestseller zu kreieren, indem er ein hochaktuelles und gleichermaßen brisantes Thema gekonnt in ein kulturgeschichtliches Ambiente packt. Lesens- und vor allem hörenswert!

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Quelle: n-tv.de