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Guns N'Roses bei der Verleihung des "Michael Jackson Video Vanguard Awards" für "November Rain" bei den the MTV Video Music Awards 1992.
Guns N'Roses bei der Verleihung des "Michael Jackson Video Vanguard Awards" für "November Rain" bei den the MTV Video Music Awards 1992.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Freitag, 21. Juli 2017

Sex and Drugs and Rock'n'Roll: "Appetite For Destruction" wird 30

Von Kai Butterweck

Liebe machen, Whiskey schlürfen, mit weiß gepuderten Nasen in die Saiten hauen: Im Sommer 1987 hauchten Guns N' Roses der etwas träge gewordenen Rock'n'Roll-Branche wieder Leben ein. Die Starkstrom-Community gratuliert.

Als Axl Rose im Jahr 2011 die gewaltige Bühne des "Rock in Rio"-Festivals betrat, stockte nicht nur eingefleischten Guns N' Roses-Fans der Atem. In einen grellgelben Mantel gehüllt, erinnerte der aufgedunsen und wackelig auf dem Podium torkelnde Sänger nur noch schemenhaft an den Rebellen von einst.

"Fleischgewordener Spongebob": Axl Rose 2011 bei "Rock in Rio"
"Fleischgewordener Spongebob": Axl Rose 2011 bei "Rock in Rio"(Foto: imago stock&people)

Selbst die betrunkensten Groupies jenes Abends konnten nicht glauben, dass dieser fleischgewordene Spongebob mit dem Organ eines winselnden Kleinkinds 25 Jahre zuvor als das Sexsymbol einer ganzen Generation durchging. Dem war aber in der Tat so. Und dem guten Axl war das Ende der Achtziger auch durchaus bewusst. Mit nacktem Oberkörper stolzierte er damals über den Sunset Strip. Gemeinsam mit den Herren Izzy Stradlin, Slash, Steven Adler und Duff McKagan machte er im glitzernden L.A. die Nacht zum Tage.

Whiskey, Drogen und Haarspray

Neben jeder Menge Whiskey, Drogen und Haarspray hatte die im Jahr 1985 gegründete Gang-Band natürlich auch viele Mädels im Schlepptau. Der Appetit war riesig. Sättigungsgefühle kannte das Quintett nicht. Alles wurde ausprobiert. Während der Produktion ihres ersten Albums schlugen die fünf Gunners gar dermaßen über die Stränge, dass selbst heute noch Sex-Drugs-and-Rock-and-Roll-Größen wie Marilyn Manson und Co. rote Köpfe bekommen, wenn sie mit den Ereignissen von damals konfrontiert werden.

Michael Monroe und Axl Rose (r.) im September 1989 in New York.
Michael Monroe und Axl Rose (r.) im September 1989 in New York.(Foto: AP)

So vergnügte sich beispielsweise Axl Rose, zwischen Studios in San Fernando, Burbank und Tarzana pendelnd, nicht nur mit vielen unbekannten Schönheiten, sondern auch mit der on/off-Freundin von Schlagzeuger Steven Adler. Und das alles zwischen Kabelschlangen, Mikrofonen und versifften Studiosofas. Letztere Madame war Axls "Rocket Queen".

Auf dem gleichnamigen Titel hört man die Dame im Hintergrund wild stöhnen. Ja, William Bruce Rose Jr. alias Axl Rose war endlich in seiner "Paradise City" angekommen. Er ließ sich nichts vorschreiben, machte, was er wollte und kanalisierte all seine überschwappenden Emotionen in Musik, die die Rockwelt allerdings erst ein Jahr nach der Veröffentlichung des Band-Debüts aus den Angeln heben sollte. Die Monate zuvor scherte sich niemand um den ungeschliffenen Sleaze-Diamanten namens "Appetite For Destruction".

Wüster Thrash

Keiner gab einen Pfifferling auf das Schaffen der fünf durchgeknallten Lebemänner. Zwischen dem Untergang von Hair Metal und Stadionrock brodelte wüster Thrash ans Tageslicht. Bands wie Metallica und Slayer übernahmen das Zepter. Als der Drops im Sommer 1988 eigentlich schon gelutscht schien, hatte der Rock-Gott dann aber doch ein Einsehen und katapultierte das Album praktisch über Nacht auf Platz eins der Billboard Charts. Von da an gab es kein Halten mehr.

Überall auf der Welt spazierten junge Männer plötzlich mit Bandanas durch die Gegend. Und jedes Mädchen zwischen 16 und 21 wollte eine "Rocket Queen" sein. Noch heute verneigt man sich ehrfurchtsvoll vor dem vielleicht dreckigsten und besten Rock-Debüt aller Zeiten.

Kein Riff und keine Melodie auf diesem Album haben auch nur einen Hauch ihres Glanzes von einst verloren. Immer noch hüpfen die Massen zum bombastischen Intro von "Paradise City" auf und ab. Babys werden gemacht, wenn Slash auf seiner Gibson "Sweet Child O Mine" anstimmt. Und wenn die Rock-Fraktion im versifften Alternativ-Club um die Ecke zum Flanellhemd-Pogo lädt, lässt der DJ "Welcome To The Jungle" durch die Boxen schießen.

Sicher, 1987 erblickten ziemlich viele gute Alben das Licht der Welt. Michael Jackson schickte sein Pop-Meisterwerk "Bad" ins Rennen, U2 kletterten auf den "Joshua Tree" und Bruce Springsteen grub sich seinen "Tunnel Of Love". Aber mit ihrem musikgewordenen Systembrecher "Appetite For Destruction" steckten Axl, Slash und Co selbst die Größten dieses Jahrgangs spielend leicht in die Tasche. Am 21. Juli 1987 wurde der etwas in die Jahre gekommenen und abgeblätterten Sex-Drugs-and-Rock-And-Roll-Fassade ein glänzender Neuanstrich verpasst. Und dabei hatten fünf verkokste L.A.-Rabauken die mit Abstand dicksten Pinsel in der Hand.

Quelle: n-tv.de

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