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Olli Schulz: "Zweifel habe ich immer, die werden auch nicht mehr weggehen."
Olli Schulz: "Zweifel habe ich immer, die werden auch nicht mehr weggehen."(Foto: Oliver Rath)

Keine Lieder übers Glücklichsein: "Midlife-Crisis-Platte" von Olli Schulz

Olli Schulz will nicht mehr der Kasper sein. "Ich habe viel infantilen Quatsch gemacht", sagt er im Gespräch mit n-tv.de. "Feelings aus der Asche" ist nun ein ernstes Album geworden - es fängt aber fröhlich an. Ist es wirklich eine "Midlife-Crisis-Platte"?

Die Liste seiner TV-Shows und Radiomoderationen ist inzwischen fast länger als die seiner Plattenveröffentlichungen. Wirklich glücklich mache ihn aber die Musik, sagt Olli Schulz. "Feelings aus der Asche" thematisiert indes nicht das Glücklichsein, sondern in vielen Songs das Ende einer Beziehung. Sybille Berg nannte das Album eine "Midlife-Crisis-Platte". Über autobiografische Songs, den veränderten Stellenwert von Musik, Streamingdienste und die Arbeit an seinem Debütroman sprach n-tv.de mit Olli Schulz.

n-tv.de: Bei "SOS – Save Olli Schulz" hast du empfohlen, das Album beim ersten Mal abends und allein zu hören. Gibt es jetzt auch eine Anleitung?

Olli Schulz: Ja, nachts allein beim Autofahren. Meine Platten sind eigentlich nie zum Partymachen geeignet. Ich singe im Grunde immer für nur einen Hörer. Es ist keine Musik, die man zu zweit, zu dritt oder zu fünft hören kann.

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(Foto: Oliver Rath)

Der Albumtitel "Feelings aus der Asche" spielt auf Phönix aus der Asche an: Warst du verloren geglaubt und bist mit neuem Glanz zurück?

Gemeint ist mehr all das Zerbrochene und Verbrannte, das im Leben so passiert ist – und zu versuchen, daraus etwas Neues zu machen. Das Lied "Feelings aus der Asche" ist ein Trennungssong und handelt davon, wie eine Beziehung vorbeigeht, und man versucht, sich nicht nur den negativen Gefühlen hinzugeben, sondern auch das Schöne rauszuziehen.

Auf dem Album sind mehrere Songs über gescheiterte oder gestörte Beziehungen. Gehört es in die Kategorie Trennungsplatte?

Ich habe der Schriftstellerin Sybille Berg, die ich ganz gut kenne, das Album vorgespielt, und sie hat zu mir gesagt: Ist eine schöne Midlife-Crisis-Platte. Ich kann keine Lieder darüber singen, wie glücklich man ist. Ich finde die Brüchigkeit und die dunklen Seiten interessanter. Es sind aber nicht alles aktuelle Gefühlssituationen, die ich beschreibe. Der Song "Der Mann im Regen" ist schon sieben Jahre alt. Ich habe viel Humor verbreitet und viel infantilen Quatsch gemacht. Ich glaube, dass diese Platte der richtige Weg war, da nun rauszukommen.

Sie fängt mit den ersten Songs aber noch fröhlich an.

Das Album beginnt damit, wie man sich verliebt. Ich finde es toll, sich nicht lange abzutasten, sondern zu denken: Wir haben gerade so einen tollen Moment, lass' uns da hineinfallen. Aber man muss sich auch bewusst sein: So was kann böse enden.

In "Passt schon!" singst du "Ich hab das Happy End verkauft".

Ich habe in den vergangenen Jahren viele Angebote gehabt, meine Fernsehkarriere weiter voranzutreiben und vielleicht viel Geld damit zu verdienen. Aber ich habe gemerkt, das macht mich nicht glücklich. Glücklich macht mich, auf die Bühne zu gehen und Musik zu machen.

Also steckt viel vom echten Olli Schulz in "Passt schon!"?

"Passt schon!" habe ich geschrieben, weil ich das Studium geschmissen habe, weil ich Rock'n'Roll-Roadie sein wollte. Da denke ich manchmal: Ich hab halt nichts gelernt. Ich bin sehr stolz darauf, was ich jetzt mache. Ich bringe Platten raus, ich habe eine eigene Radiosendung. Trotzdem habe ich großen Respekt davor, wenn Leute mehr Durchhaltevermögen haben als ich in manchen Sachen.

Du hast dich früher als Pessimist bezeichnet, bist du mit dem Erfolg jetzt Optimist?

Nein, Zweifel habe ich immer, die werden auch nicht mehr weggehen. Darum habe ich auch ein Problem damit, auf der Straße angesprochen zu werden. Weil ich mich unwohl fühle, wenn Leute einem das Gefühl geben, man sei etwas Besonderes. Die denken dann von mir, ich sei arrogant. Dabei ist es einfach nur ein ungutes Gefühl für mich. Manchmal werden Freunde auch echt sauer und sagen: Freu dich doch mal, was du erreicht hast!

Ein Song heißt "Als Musik noch richtig groß war": Ist sie das für dich nicht mehr?

Musik ist nicht mehr so wichtig für mich, wie sie es mit 22 war. Ich liebe sie noch immer. Aber es gibt auch mal Tage oder Wochen, wo ich kaum Musik höre. Musik hat auch gesellschaftlich nicht mehr den Stellenwert, den sie mal hatte. Heutzutage ist es völlig unwichtig, ob der Rolling Stone oder Spex einen Verriss schreiben, das liest keiner mehr. Die Leute kriegen über das Internet alles mit und entscheiden selber. Ich habe 220.000 Facebook-Follower, die mit einem Schlag wissen, dass ich eine neue Platte herausbringe.

Als Bibi McBenson hast du Hörer für illegales Downloaden kritisiert. Was hältst du von Streamingdiensten?

Streamingdienste sind Schrott. Wenige Cent oder so dafür, dass ein Album den ganzen Tag gespielt wird, das ist nicht der richtige Weg. Wenn du kein Geld für eine Platte hast, lass sie dir von einem Kumpel brennen. Das ist mir lieber. Streamingdienste machen die Musik kaputter als jemand, der die Musik wirklich hören möchte und sie sich von einem Freund auf CD brennen lässt.

Im Interview mit dem Fanzine Plastic Bomb hast du von deiner musikalischen Sozialisation im Punkrock erzählt. Warum singst du nicht in einer Punkband?

Ich hatte mit 18 eine fürchterliche Punkband mit dem beschissenen Namen Am Leben gehaltene Fehlgeburten. Ich weiß nicht, wie wir damals drauf gekommen sind. Wir haben auch nur Schrott gesungen. Ich war ein schrecklicher Sänger als Punkmusiker. Ich habe beim Punk auch immer den Popaspekt gesucht. Ich mochte die melodischen Sachen, Bands, die auch viele Liebeslieder gemacht haben. Das waren Punks, aber eigentlich nur Jungs, die Außenseitermusik gemacht haben. Ich bin auch immer ein bisschen in der Rolle des Außenseiters gewesen. Und irgendwie war es schön, dass es Leute gab, die auch so waren.

In "Boogieman" geht es um das Gefühl, aus der Zeit gefallen zu sein. Hast du das oft?

Ja. Eine Kamerafrau bei "Schulz in the Box" meinte zu mir: Die Sendung funktioniert so gut mit dir, weil Typen wie du nur noch so selten hergestellt werden.

Du hast einen Deutschlandroman angekündigt, wie läuft die Arbeit daran?

Es wird jetzt ein Kurzgeschichtenbuch, für einen Roman fühle ich mich noch nicht reif genug. Ich habe einen hohen Anspruch an mich und möchte nicht der nächste Musiker sein, der mal eben sein Leben als Buch herausbringt. Ich habe meine eigene Sprache gesucht und bin oft dran gescheitert. Die Autoren, die ich lese, sollen mich nicht beeinflussen. Und da muss ich mir eingestehen, war ich noch nicht so weit.

Zur Unterhaltung der Leute flunkerst du nach eigener Aussage gern. Wie ist der Anteil von Wahrheit und Fiktion in diesem Interview gewesen?

Ich glaube, du hast ein großes, ehrliches Interview heute bekommen.

Mit Olli Schulz sprach Nadine Emmerich.

"Feelings aus der Asche" erscheint am 9. Januar 2015 - bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de

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