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Haut mit 83 nochmal ein Album raus: Petula Clark.
Haut mit 83 nochmal ein Album raus: Petula Clark.(Foto: REUTERS)
Samstag, 17. September 2016

"Elvis hat immer geflirtet!": Petula Clark hatte sie alle

Die britische Poplegende Petula Clark, die mit ihrem Hit "Downtown" Weltruhm erlangte, veröffentlicht im Alter von 83 Jahren das neue Album "From Now On". Im n-tv.de Interview erinnert sie sich an ihre Zusammenarbeit mit Fred Astaire, John Lennon und Harry Belafonte.

Wie war es, mit Fred Astaire zu tanzen? Haben Sie mit Elvis geflirtet? Und wie war John Lennon so? Wenn man die britische Sängerin und Schauspielerin Petula Clark trifft, kommt man allein aus Neugier um gewisse Fragen nicht herum. Die zierliche Dame, die uns an diesem heißen Sommertag in Berlin mit einer coolen Camouflage-Jacke und zerzaustem Blondschopf begrüßt, hat mit den ganz Großen des Showbusiness zusammengearbeitet. Mit "Downtown" und "I Know A Place" landete sie Mitte der 60er-Jahre Welthits, die sie auf eine Stufe mit Dusty Springfield und Shirley Bassey stellten und sie zur ersten Frau der "British Invation" in Amerika machten. 159 Singles von ihr schafften es in die Top 40 - 68 Millionen Alben verkaufte Clark.

Trotz ihres stolzen Alters von 83 Jahren steht die mit zwei Grammys und dem Order of the British Empire ausgezeichnete Künstlerin auch heute noch auf der Bühne. "From Now On" heißt ihr neues Studiowerk, auf dem sie mal melancholisch, mal modern und immer noch mit glockenheller Stimme eigene Lieder und Songs von den Beatles, Steve Winwood und Peggy Lee aneinanderreiht. Auch im n-tv.de-Gespräch bringt es Spaß, ihr zuzuhören. Anekdoten aus ihrem bewegten Leben hat sie nämlich reichlich zu erzählen.

n-tv.de: Miss Clark, Sie sind 83 und gehen immer noch auf Tour. Wo nehmen Sie die Energie her?

Petula Clark: Von gutem Kaffee? Ich liebe es einfach! Ich sehe es als großes Privileg, dass ich das nach der langen Zeit immer noch machen kann. Schon als kleines Mädchen hatte ich diese große Liebe zur Musik, die legt man im Alter nicht ab. Ich weiß noch, wie ich das erste Mal öffentlich vor der Gemeinde gesungen habe. Ich erinnere mich an den Geruch von dunklem alten Holz in der Kapelle. Ich war fünf oder sechs Jahre alt und sang auf Walisisch. Damals dachte ich zum ersten Mal: Oh, wie gut sich das anfühlt! Und genauso ist es noch heute.

Das ist 78 Jahre her! Es ist verrückt, wie viele Dinge Sie seither gemacht haben.

Erst vor wenigen Tagen sah man Petula Clark bei der Premiere des Beatles-Films "Eight Days A Week - The Touring Years" in London.
Erst vor wenigen Tagen sah man Petula Clark bei der Premiere des Beatles-Films "Eight Days A Week - The Touring Years" in London.(Foto: imago/i Images)


Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass es gar nicht so viel war. Ernsthaft! Mein Leben sehe ich als Serie von Events. Manche davon waren lebensverändernd, beispielsweise, als ich nach Frankreich zog und erst dort zum Star wurde und später zum großen Star in Amerika. Diese Dinge waren nicht geplant. Es passierte alles einfach. Heute bin ich in einer anderen Phase meines Lebens: Ich bin vermutlich glücklicher als ich es lange Zeit gewesen bin, denn ich habe die volle Kontrolle. Ich habe frische Ideen. Deshalb heißt das neue Album auch "From Now On".

In den Anfängen Ihrer Karriere haben Sie britische Truppen im 2. Weltkrieg mit Ihrem Gesang unterhalten.

Die BBC hatte in England einen speziellen Service für Soldaten im Ausland. Ich war ein Kind von neun Jahren, mir war das damals gar nicht so klar, wofür ich da war. Mittendrin passierte ein Luftangriff der Deutschen. Ich wurde erwachsen während des Krieges. Bei Julie Andrews, die auch für die Truppen sang, war es genauso. Wir waren oft in denselben Shows. Wir waren keine Rivalinnen, aber unsere Eltern waren Rivalen. So nach dem Motto: Mein kleines Mädchen ist besser als deins.

Ihr Vater hat Sie zum Kinderstar gepusht. Wie denken Sie im Nachhinein darüber?

Wir stammten aus der Arbeiterklasse. Wir waren keine Showbiz-Familie. Wir hatten keinerlei Einfluss und auch kein Geld. Mein Dad wollte immer selbst Schauspieler werden, aber es wurde ihm nicht gestattet. Als er mich im Haus singen hörte, dachte er, er müsste dies fördern. Es fühlte sich aber nie danach an, dass er mich gedrängt hätte. Ich war kein missbrauchtes Kind. Ich liebte ihn und wollte ihn stolz machen, ja, aber ich habe das alles auch sehr genossen. Er legte viel Wert darauf, dass ich nicht zur verwöhnten Showbiz-Göre mutiere. Diese Attitüde habe ich immer beibehalten. Ich habe hart gearbeitet, es fühlte sich aber gar nicht wie harte Arbeit an.

Für den Film "Der Goldene Regenbogen" von 1968 durften Sie an der Seite von Fred Astaire tanzen. Waren Sie nervös?

Clarks große musikalische Zeit waren die 60er-Jahre.
Clarks große musikalische Zeit waren die 60er-Jahre.(Foto: imago stock&people)

Machen Sie Witze? Natürlich! Ich probte erst mal zwei Wochen lang mit seinem Choreografen. Es war kein komplizierter Tanz, aber es war immer noch Fred Astaire! Und dann war der Tag da: Wir gingen in dieses große Probenstudio. Francis Ford Coppola, der Regisseur, saß dort und Fred kam rein - er sah aus wie eine Lichtgestalt. Sie machten die Musik an, und er sagte zu mir: "Lass uns loslegen!" Er legte mich in seine Arme - und es war die einfachste Sache der Welt.

So gut fühlte es sich an?

Ja. Ich hatte ja geprobt. Aber mit Fred Astaire zu tanzen, war schon eine andere Sache. Das war ein großes Talent von ihm. Er verstand es, seine Partnerin gut fühlen und gut aussehen zu lassen. Wir kamen super zurecht. Francis, Fred und ich wurden zu drei Musketieren! Wir hatten eine fantastische Zeit.

Im selben Jahr hatten Sie Ihre eigenen TV-Specials in Amerika, zu denen Sie auch Harry Belafonte einluden. Bei Ihrem gemeinsamen Duett fassten Sie seinen Arm an. Es war das erste Mal im US-Fernsehen, dass es zu körperlichem Kontakt zwischen einem Farbigen und einer Weißen kam. War das mutig von Ihnen?

Nein, wir mochten uns einfach! Ich kam aus England, da gab es solche Rassentrennungen nicht. Ich war in Amerika ein großer Star zur damaligen Zeit. Und Belafonte war ein riesiger Star. Wir hatten schon bei den Proben Spaß. Ich konnte nichts Falsches daran finden, seinen Arm zu berühren. Aber klar, es waren die Zeiten der Bürgerrechtsbewegung. Der Sponsor der Sendung ging an die Decke und befürchtete einen riesigen Skandal, wenn das ausgestrahlt würde. "Mein Star wird nicht den Arm eines schwarzen Mannes berühren", sagte der Typ nebenan im Kontrollraum. Der Regisseur kam daraufhin zu uns und bat uns, das Duett noch einmal zu drehen. Wir sollten nun weit voneinander entfernt stehen, weil das besser aussehen würde. Aber Harry und ich wussten beide, was wirklich der Grund für den zweiten Take war.

Äußerte er sich dazu?

Fred Astaire machte auch Petula Clark nervös - Szene aus "Der goldene Regenbogen".
Fred Astaire machte auch Petula Clark nervös - Szene aus "Der goldene Regenbogen".(Foto: imago stock&people)

Nein, wir befolgten die Anweisungen. Aber mein Mann, der Ausführender Produzent der Show und mein Anwalt war, nahm danach meine Hand und ging mit mir in den Raum, wo sie alle Tapes aufbewahrten. Da war ein junger Typ, der gerade ein Sandwich aß. Und mein Mann sagte: "Löschen Sie die letzten Aufnahmen. Das ist eine Anweisung!" Wir waren dabei, wie er die entsprechenden Knöpfe auf dem Pult drückte. Also blieb nur noch die Aufnahme übrig, in der ich Harrys Arm berührte. Es ging nicht mal mehr um ein Statement, sondern darum, die Emotion des Songs bestmöglich in Szene zu setzen. Es war dann überall in den Nachrichten, der Sponsor verlor seinen Job. Aber uns hat es nicht geschadet. Harry hat das nie vergessen.

Sie sollten einen Film mit Elvis Presley drehen. Warum kam das nie zustande?

Weil Claude Wolff, mein Mann, es nicht wollte. Er war eifersüchtig! Und der Typ, der meine Schauspielkarriere managte befand, dass es nicht gut für mich wäre. Elvis’ Filme waren ja eher flach und seicht. Aber er selbst war natürlich umwerfend. Ich traf ihn erst später nach einer seiner Vegas-Shows. Er hatte mich und meine Freundin Karen Carpenter allein in seine Garderobe eingeladen. Zu der Zeit waren Karen und ich die erfolgreichsten Sängerinnen der Welt, und Elvis meinte: "Das ist ja wie Weihnachten hier!" Ich spürte, dass Elvis seine Pläne mit uns hatte. Er wollte Spaß haben. Er flirtete mit uns. Aber ich nahm Karen bei der Hand und wir verabschiedeten uns unter einem Vorwand. Elvis lachte, weil er genau wusste, dass ich ihm den Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Ich habe ihn danach noch einige Male getroffen, es war immer flirty mit ihm.

Heutzutage sind Sängerinnen gern leichtbekleidet unterwegs, getreu dem Motto "Sex sells". Sind Sie froh, dass es damals noch anders war?

Ja, das hat sich komplett gedreht. Der sexuelle Inhalt in Songs und Videos grenzt schon an Porno! Wäre ich dazu bereit gewesen? Vermutlich nicht. Aber es wurde auch nicht von mir erwartet. Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die das prüde Amerika auf den Punkt bringt: Ich wurde damals für ein Interview in ein Studio in Los Angeles bestellt. Ich trug keinen BH. Ich trug eigentlich nie einen. Und die Maskenbildnerin kam zu mir und sagte: Miss Clark, wir können Ihre Brustwarzen sehen." Und ich entgegnete: "Es ist ja auch sehr kalt hier." Und die Dame sagte: "Wir hatten Präsident Nixon letzte Nacht hier, der darf nicht transpirieren. Denn wenn er verschwitzt aussieht, kommt das nicht gut an bei den Wählern." Als Notlösung für mein Nippel-Problem musste dann Pflaster herhalten. Aber es war ja nicht meine Schuld, es war Nixons Schuld! (lacht)

Auf Ihrem neuen Album ist ein wunderschönes Akustik-Cover des Beatles-Songs "Blackbird". Sie pflegten zu John Lennon eine freundschaftliche Beziehung.

Das ist richtig. Aber John war ja immer mit seinen nackigen Sitzungen im Bett beschäftigt. Es war sein Statement für den Frieden, es brachte viel Aufmerksamkeit.

Sie wirken in seinem Video zu "Give Peace A Chance" mit. Wie kam es denn dazu?

Das Album "From Now On" ist ab sofort erhältlich.
Das Album "From Now On" ist ab sofort erhältlich.(Foto: Warner Music Group)

Ich war einige Zeit in Montreal und brauchte jemanden, mit dem ich reden konnte, denn ich hatte ein paar Probleme mit einer zweisprachigen Show, die ich machen sollte. Damals kannte ich John Lennon noch nicht persönlich, aber ich wusste, wo er untergebracht war und ging dort an die Hotel-Rezeption, wo mich der Mann gleich erkannte. Als ich ihm sagte, dass ich mit John Lennon sprechen möchte, gab er mir einfach die Zimmernummer. Da war kein Sicherheitspersonal - nichts. Als sich die Tür öffnete, sah ich schon John und Yoko aufrecht im Bett sitzen. John war überaus liebenswürdig. "Was soll ich tun, John?", fragte ich ihn um Rat. Er legte den Arm um mich und raunzte: "Fuck them!"

Und wie ging’s dann weiter?

John meinte, ich sollte ein Glas Wein im Wohnzimmer trinken, wo bereits einige Leute abhingen. Es wurde ein simpler, kleiner Song gespielt, es wurde der Text dazu rumgereicht, und wir sangen alle mit. Es war "Give Peace A Chance". Das Ganze wurde gleichzeitig gefilmt, deshalb bin ich in dem Clip zu sehen.

Können Sie sich auch raushören?

Nein, aber meine Stimme ist definitiv da irgendwo in dem Chor. Ich traf vor gar nicht langer Zeit Yoko Ono in England wieder und sie bestätigte es mir. Aber wie ich schon eingangs sagte: Geplant war Weniges in meinem Leben. Ich war wohl wieder einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Wie leben Sie heute?

Mein Mann und ich haben uns zwar nie scheiden lassen, aber wir sind getrennt. Wir leben in Genf immer noch unter einem Dach. Es ist ein großes Apartment. Wir sind immer da füreinander, aber er hat sein Leben und ich habe meins.

Fühlen Sie sich manchmal einsam? Es sind ja schon einige Ihrer Weggefährten weggestorben.

Nun ja, ich bin oft alleine, aber ich bin gut darin. Ich glaube, ich brauche das sogar. Ich reise auch oft allein ohne Manager. Es gibt ja immer was zu tun für mich: Ich schreibe, ich lese, ich gehe zu Shows, besuche Kunstgalerien, und ich liebe die Oper. Ich habe eine Tochter, die meistens in Paris ist und die ich ziemlich oft sehe. Nächste Woche bin ich in New York, um meine andere Tochter und meine Enkel zu besuchen. Und danach fliege ich weiter nach Kalifornien, wo mein Sohn lebt. Ich habe also gar keine Zeit, mich einsam zu fühlen.

Mit Petula Clark sprach Katja Schwemmers

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Quelle: n-tv.de

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