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Er hat wieder gut lachen!
Er hat wieder gut lachen!(Foto: Neale-Haynes)

Müsste den Stock halten können: Phil Collins - doch kein Antichrist

Von Anja Kleinelanghorst

Er wurde verschmäht und schlimmstens bepöbelt, aber Fakt ist: Phil Collins hat über 100 Millionen Platten verkauft. Jetzt kommen noch ein paar hinzu, denn der Musiker bringt seine Werke remastered heraus.

Phil Collins polarisiert. Das hat er schon immer getan. Laut eigener Aussage habe ihn Chefpöbler Noel Gallagher den Antichristen genannt. Collins täte sich wirklich keinen Gefallen, sollte er seinen Namen im anglo-amerikanischen Raum googeln, denn was ihm da an Hass entgegenschlagen würde, könnte selbst hartgesottene Gestalten in die Knie zwingen. Die selbst ernannten Musik-Polizisten nehmen es Collins sehr übel, dass er aus dem Prog-Rock von Genesis Mainstream-Pop machte. Umgekehrt wäre es gegangen, aber so wird man halt zum Antichristen. Der jetzt vor einem steht und so gar nicht danach ausschaut: Der Brite bewegt sich sehr vorsichtig und wirkt in allem doch sehr fragil. Eine schwere Rücken-OP steht an - kein Wunder, dass er nur schlurfen kann. Aber ab und zu blitzt der Schalk dann doch durch.

Etwas zum Sammeln

Those were the days, my friend: Peter Gabriel, Phil Collins, Mike Rutherford, Steve Hackett und Tony Banks (v.l.)
Those were the days, my friend: Peter Gabriel, Phil Collins, Mike Rutherford, Steve Hackett und Tony Banks (v.l.)(Foto: picture alliance / dpa)

Die Retrospektive auf sein Solowerk startet mit den remasterten Werken "Face Value" von 1981 und "Both Sides" aus dem Jahr 1993. Es passiert also nicht in chronologischer Reihenfolge, aber das hat einen Grund: "Sie wussten, dass 'Both Sides' mein Lieblingsalbum ist und dass ich dann Pressearbeit machen würde", grinst Collins und erklärt, wie er auf die Idee kam, Live-Aufnahmen der Songs und Demos bei den Alben mitzuliefern: "Ich wollte eigentlich gar kein Remastering machen. Ich bin kein Fan von diesen Remaster-Sachen. Meine Fans wollen aber etwas zum Sammeln haben. Etwas Echtes. Auf YouTube habe ich ein paar Videos von meinen Konzerten gesehen und dachte dann, dass es doch eine gute Idee wäre, den Studioaufnahmen Live-Aufnahmen gegenüber zu stellen. Und dazu sollten dann noch ein paar unveröffentlichte und interessante Demos hinzukommen."

Gesagt, getan. So findet man eben auch die Live-Version von "In the Air Tonight", die aber lange nicht so sinister klingt wie das Original. "Echt? Finden Sie? Gut, dass Sie das sagen. Eigene Meinung, find' ich gut!" Dermaßen bestärkt kann man dann auch gleich hinterherschieben, dass es "The Roof is Leaking" tatsächlich besser getan hätte, wenn Eric Clapton die Gitarre spielen würde, wie man es auf dem Demo hören kann. Da schaut er ganz betrübt: "Ich weiß. Wir haben zusammen daran gearbeitet, wir haben es sogar zweimal versucht, aber irgendwie fand ich es nicht überzeugend. Jetzt denke ich ganz anders, Jetzt finde ich, dass das Ganze doch bluesiger klingen sollen. Es ist also mein Fehler, sorry."

Vom Schicksal gestreift

Peter Gabriel, Steve Hackett, Phil Collins, Tony Banks und Mike Rutherford 2014 (v.l.)
Peter Gabriel, Steve Hackett, Phil Collins, Tony Banks und Mike Rutherford 2014 (v.l.)(Foto: picture alliance / dpa)

Beide remasterten Alben werden mit einem neuen Cover ausgestattet - Collins ließ sich in denselben Posen ablichten, wie vor über 30 Jahren. 1981, bei "Face Value", schaute uns ein ziemlich selbstbewusster Phil Collins entgegen, über 30 Jahre später sieht das schon ganz anders aus. Hier sieht man einen Mann, den das Schicksal ein bisschen gestreift hat, drei gescheiterte Ehen, dann noch all die Häme, die regelmäßig über ihm ausgekippt wird - das steckt keiner so leicht weg. Aber es war der Musiker selbst, der auf die Idee kam, neue Porträts aufzunehmen. "Oh, das mochten sie überhaupt nicht." Und man hat das Gefühl, dass "sie" einiges zu schlucken hatten, aber hey, er ist der Star, er ist derjenige, der über 100 Millionen Platten verkauft hat. Aber so kommt er momentan gar nicht rüber. Man kann es auf die Rückenschmerzen schieben, aber so richtig zufrieden sieht er nicht aus. Wenn man ihn beispielsweise darauf anspricht, dass er jetzt die Glamour-Bude von Jennifer Lopez in Miami gekauft hat, um näher an seinen beiden Teenager-Söhnen zu sein, dann gibt es ein leichtes Augenrollen; und so ganz kann man sich diesen gesetzten älteren Herren in der bunten und lauten Stadt nicht vorstellen.

"Face Value"
"Face Value"

Das Gespräch kommt zwangsläufig auf seine Gesundheit. Die Schmerzen im Rücken werden nicht angesprochen, wohl aber das Problem, dass er seit 2009 kein Schlagzeug mehr spielen kann. Damals spürte er eine Taubheit und konnte die Stöcke nicht mehr halten. Mehrere Operationen scheinen das Problem bis jetzt nicht behoben haben: "Ich war neulich wieder beim Arzt und der sagte, dass physisch alles in Ordnung sei. Ich müsste theoretisch den Stock halten können, aber es fühlt sich einfach nicht richtig an." So muss er sich mit anderen Instrumenten behelfen. Musik wird er weiter machen, und: Phil Collins hat ein neues Album, eine Tour und eine Autobiografie angekündigt. Mehr kann man wohl nicht verlangen.

Die Sache mit dem Farbtopf

Aber zurück zu "Face Value" und "Both Sides", beide Alben waren Trennungswerke. "Face Value" behandelt das Scheitern seiner Ehe zu Andrea Bertorelli, "Both Sides" die Trennung von seiner zweiten Frau, Jill Travelman. Wie ist es denn, alte schmerzhafte Erinnerungen wieder auszugraben? "Mir macht das nichts aus, aber ich weiß, wer da weniger Spaß hat, darüber zu reden", kommt es mit leisem Spott. Collins spielt darauf an, dass sich Bertorelli vor Kurzem in einem Interview mit der britischen Presse darüber aufgeregt hat, dass man immer noch annimmt, sie hätte ihren Mann wegen eines Anstreichers verlassen. Sie hätte ihn aufgrund seiner Affären verlassen und als er 1981 "In the Air Tonight" bei der britischen Chartshow "Top of the Pops" sang und kommentarlos einen Pott Farbe hinstellte, sei es furchtbar für sie gewesen. Für Phil Collins ist die Sache jetzt jedenfalls erledigt. "Nein, es macht mir nichts mehr aus. Es ist wie ein abgeschlossenes Buch." Es gibt, wie bei allem, "Both Sides of the Story".

Frau Bertorelli muss sich jedenfalls damit abfinden, dass ihr Ex bei der nächsten Tour wieder "In the Air Tonight" singen wird. "Den Song sing' ich immer noch gern. Andere weniger." Da muss man jetzt natürlich nachbohren. Welches Lied nervt denn einen Phil Collins? "'Against All Odds' ist so einer. Das war einer meiner größten Hits, all die Hausfrauen mochten ihn. Er war unglaublich erfolgreich. Aber immer, wenn ich ihn auf der Bühne singen sollte, habe ich Fehler dabei gemacht. Irgendwann habe ich es dann sein lassen."

Die "Take A Look At Me Now"-Retrospektive von Phil Collins startet am 29. Januar 2016 mit "Face Value" und "Both Sides Now". "Both Sides" bei Amazon bestellen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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