Sommermusik IKühle Klänge für heiße Tage
Lass' es Liebe sein! Zumindest einen Sommer lang! Eines wissen wir: Unsere Empfehlungen für die wärmeren Tage und Nächte in unseren Breiten lassen es noch wärmer ums Herz werden. Sie kühlen uns hier und da aber auch mal ab - und machen die schönsten Monate im Jahr noch schöner.
Joy Denalane: Maureen
"Wer, wenn nicht wir?" lief gerade im Kino. Auch da stand die Frage im Raum, was man tun kann, ob es nun richtig ist oder nicht: Für jemanden einstehen, gegen die Umstände sein, mit dem Zeitgeist gehen. "Niemand" (Was wir nicht tun) von Joy Denalane fragt ähnlich nach: Wer tut etwas? Endlich!? Auf "Maureen" stellt sich die Frage vielleicht nicht ganz so allumfassend, es geht viel mehr um das Ich, das Du, das Wir als Paar. Sie hat ihre Beziehung verarbeitet, die zerbrochene zu ihrem Kollegen Max Herre, und die wieder belebte zu ihm, der auch der Vater ihrer Kinder ist. Schön macht sie das. Ganz eigen, mit ihrer kraftvollen Stimme, hinter der man einen starken Kopf vermutet. "Bin ich jetzt frei?" fragt sie, und fühlt: "Der Tag ist nah". Ja, das ist Musik für den Balkon. Anhören, selbst mal nachdenken darüber: "Wo wollen wir hin von hier?" und hoffen "Lass es Liebe sein". Schulnote: 2+ (soe)
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Susanne Sunfor: The Brothel
Kleine Brötchen backen ist nicht ihr Ding. Sie kommt aus dem beschaulichen norwegischen Hafenstädchen Haugesund und macht sich mit dem Preisgeld, das ihr von der Kult-Band a-ha aus ihrer Heimat verliehen wurde auf, die große weite Welt zu entdecken. Und deswegen ist das Fräulein Sunfor, die man sich ruhig wie eine zarte Elfe mit großer Stimme vorstellen darf, auch gleich mal im Berliner Olympia-Stadion zu sehen. Als Support für Herbert Grönemeyer, wahrlich ein dickes Ding, denn auch in Hamburg und in Hannover darf sie das Publikum aufwärmen. Wer elektronische Musik liebt, untermalt mit arabischen Themen, choralen Gesängen oder Sounds, die klingen, als befände man sich unter Wasser, der ist bei der 25-jährigen Chartabräumerin, die mit Größen wie The National Bank zusammengearbeitet hat, richtig. Musik für den entspannten Sonntagsommernachmittag, wenn die Gardinen am Fenster flattern und die Sonne langsam untergeht. Schulnote: 2 (soe)
K.D. Lang: Sing It Loud
Noch einen Kater von gestern? Dann bitte K.D. Lang anmachen - und der Kater trollt sich zwar nicht sofort, aber nach ein paar Buckeln und ein bisschen Fauchen macht er sich schließlich vom Acker, um uns mit diesem mellow feeling zurückzulassen, das man auch sehr gut an einem hawaiianischen Strand haben könnte. K.D. Lang betört wie immer mit ihrer kraftvollen und doch so hellen Stimme, so klar und geradlinig, immer auf den Punkt, eine Wohltat für alle Ohren. Andere Sänger, wie Tony Bennett, halten sie für die beste Sängerin aller Zeiten, ihr selbst wäre das wahrscheinlich peinlich, wirkt die Kanadierin doch immer eher bescheiden - sehr sympathisch. Wie ihre Musik, mit der sie letztes Jahr das 25. Bühnenjubiläum feierte. Es ist schwer zu sagen, welches Stück auf dem Album am besten gefällt, auch wenn "A Sleep With No Dreaming" eigentlich nie langweilig werden kann. Deshalb: Einfach durchhören! Schulnote: 2+ (soe)
Gianna Nannini: Io e te
Lassen Sie sich nicht abschrecken! Weder von ihrem Ruf noch von dem Cover-Foto. Es geht nicht nur darum: "Oh wow, was bin ich doch für eine tolle Spätgebärende", nein, Gianna Nannini ist unglaublich locker, lässig, gefühlvoll und entspannt. Das hört man ihrem neuen Album an. Als wir die Künstlerin in Berlin trafen, war sie nach ihrem Auftritt beim Echo zwar ein bisschen erschöpft, aber wer wäre das nicht nach einer Partynacht und einem Baby im Hotelzimmer. Sie hat auf alle Fälle Lust, über Babys, Bummeln und weniger über Berlusconi zu reden. "Ich weiß auch nicht, wie das jedes Mal wieder passieren kann", sagt sie über den Mann an der Macht in ihrem Land, "aber ich habe keine Lust mehr, darüber zu sprechen." Lieber erzählt sie, dass ihr Baby gut versorgt ist, wenn sie unterwegs sein muss, dass sie es liebt, in Berlin einkaufen zu gehen, und dass mit Mario Barth nichts gelaufen ist, obwohl sie bei "Markus Lanz" heftig geflirtet haben. "Aber Markus sieht besser aus", sagt sie augenzwinkernd. Jedenfalls ist la Nannini auf "Io e Te" wieder genauso, wie die klassische Italienurlauberin sich das wünscht: leise und gefühlvoll zum Mitsummen, dann wieder rockig an den entsprechenden Stellen, um das, was man versteht, so richtig mitgrölen zu können. Schön für's Auto! Fortuna & amore, sempre! Schulnote: 1- (soe)
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Finca a.m.: Electronic Balear
Ist ja wohl klar, wo Sie das hören, oder? Nein, eben nicht nur auf Ibiza, sondern überall, damit Sie das Gefühl wieder bekommen! Das Gefühl für diese unheimliche Lässigkeit, das man fast nur hat, wenn die Haare noch salzverkrustet sind, die Lachfältchen erwünscht und der Teint so von der Sonne geküsst, dass man sich unmöglich vorstellen kann, jemals wieder in einen Rollkragenpullover zu schlüpfen. Und damit Sie sich auch ganz deutlich von den anderen Pauschaltouristen absetzen, die ihre "Ibiza Compilation Vol. 206" mit sich im Flieger tragen: Sie haben natürlich etwas dabei, was Sie als echten Kenner der Szene ausweist. "Finca a.m." hat nämlich noch viel mehr zu bieten als entspannte Hintergrund-Mucke. Da kommt der Geist der Insel mal nicht in der Flasche daher, sondern in Form von Kunst und Inspiration, die sich schon bei der aufwendigen Verpackung deutlich von anderen Alben absetzt. Das Album (bestehend aus zwei CDs und einer DVD!!) erzählt die Geschichten der Leute von der Insel, die eine Geschichte zu erzählen haben: Von der Toleranz und dem Miteinander, aber auch von der Einsamkeit. So harmonisch, wie die Klänge hier verschmelzen, so möchte man die Welt immer haben - auch zu Hause! Schulnote: 2 (soe)
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Jamie Woon: Mirrorwriting
Zu dem Album des britischen Künstlers fallen einem nur die Worte "cool", "modern", "futuristisch", aber auch gleichzeitig "schüchtern" und "vorsichtig" ein. Sein Hit "Lady Luck" hat in die iTunes-Charts eingeschlagen und ein ähnlicher Erfolg dürfte auch seinem Album beschert sein. Manchmal wird einem richtiggehend schwindelig beim Hören, vor allem auf dem Kopfhörer, so intensiv ist die Musik. Das mag daran liegen, dass Woon "Sachen mit viel Hall" mag, aber auch an den satten Bässen, mit denen er alles andere als sparsam umgeht. Der sphärische Klang auf "Mirrorwriting" zieht sich durch das ganze Album, einziger Kontrapunkt: Seine eindringliche Stimme. Das ist auf jeden Fall Musik für 2011, gerne am Meer oder auf einer Dachterrasse mit Blick über die Stadt. Schulnote: 2 (soe)
"Mirrorwriting" von Jamie Woon im n-tv Shop bestellen
Bruno Böhmer Camacho: Nostalgic Vision
Der Name? Bruno? Böhmer? Okay, deutsch, aber Camacho? Ja, denn der junge Mann ist deutsch-kolumbianischen Ursprungs und das ist gut so, auch wenn es dann zu einem für unsere Ohren erst einmal ungewöhnlichen Namen kommt. Und was hat er zu bieten? Jazz - den von der unanstrengenden Sorte. Den, den wir gerne in einem Jazzclub hören aber auch solchen, den wir uns noch lieber in einer gut gelüfteten Bar an einem karibischen Strand anhören würden. Der Mann ist erst 25 Jahre alt und klingt schon so erwachsen. Er spielt nicht nur hervorragend Klavier, er singt auch. Musik liegt ihm im Blut, denn Mutter und Großvater zeigten ihm in Barranquilla, einer Millionenstadt in Kolumbien, was Eleganz und Virtuosität in der Musik sein können. In einem Alter, in dem andere Jungs mit Hip Hop oder Heavy Metal experimentieren, gründete er ein eigenes Jazz-Ensemble und wurde bei "Jugend jazzt" entdeckt. Stipendien und Auszeichnungen folgen. Sein "Traumjazz" legt die Vermutung nahe, dass da ein ganz Großer heranwächst, den man sich im Herbst leider nur in Görlitz und Hamburg live anhören kann. Schulnote: 2 (soe)
Pina, Original Soundtrack
Wer den Film gesehen hat, wird wehmütig, wenn er an die Bilder denkt, die er mit der Musik verbindet. Aber Wehmut ist ja auch ein zentrales Element des Wim-Wenders-Films, in dem die Tänzer des Wuppertaler Tanztheaters der Lehrmeisterin ihren letzten Tribut zollen. Wenders selbst sagt: "Musik war sicher einer der Gründe, warum ich mich von Anfang an in Pina Bauschs Stücken so gut aufgehoben gefühlt habe, mitunter wie zu Hause". Teils fast pathetisch, teils aber auch fröhlich hüpfend kommt der Soundtrack zu dem mit dem Deutschen Filmpreis 2011 für den besten Dokumentarfilm ausgezeichneten Film daher. Eigens für "Pina" komponierte der Berliner Musiker Thom Hanreich, neben anderen ausgezeichneten, noch zu entdeckenden Komponisten, einzelne Stücke und schaffte so ein Album, das vom "albernen" Schlager über den ernsthaften Tango bis zum gefühlvollen Fado alles aufzuweisen hat, was Filmmusik bieten kann. Jetzt den Tisch decken, draußen, und mit Freunden hören. Mitsingen. Tanzen!!!!! Ihr wisst ja, sonst sind wir verloren. Schulnote: 1+ (soe)
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Mimi: Road To Last Night
Sie können Ihre Vorurteile alle mal schön gepflegt in der Schublade lassen. "Das ist doch die Tochter von dem Müller-Westernhagen", sagen die, die es nicht sein lassen können, und drücken ihr damit auch schon einen Stempel auf. Aber was für einen eigentlich? Denn MMW, den mag man entweder so richtig oder gar nicht. Bei Mimi dürfte das anders sein: Zuerst einmal singt sie englisch, dann sucht man sich seine Eltern ja auch nicht aus, und außerdem macht sie das ganz gut mit der Musik. Sie hatte das gar nicht vor, aber nach ein paar Model-Versuchen (die Londonerin passt gut in die Twiggy-Ecke) entschied sie sich doch dafür. Musik zieht sich von Anfang an durch ihr Leben, warum also nicht? Dabei bietet sie keinen eingängigen Pop oder süßlich Gesäuseltes, sondern Rock'n'Roll mit Herzschmerz, Sanftes mit rauher Stimme, Songs über das Alleinsein, ohne Einsamkeit zu verströmen. Wenn man nicht wüsste, dass sie Marius' Tochter ist - keiner würde es denken! Kann man überall und immer hören. Dafür Schulnote: 1- (soe)
"Road to last Night" von Mimi im n-tv Shop bestellen
Death Cab for Cutie: Codes and Keys
Sommer, Sonne, fiebrige Luft, nervöse Ruhelosigkeit, Neubeginn, Abenteuer und Bewegung. Das schwirrt einem durch den Kopf angesichts des neuen Albums von Death Cab for Cutie. "Codes and Keys" ist die manchmal schon zu perfekte Mischung aus Pop und Rock. Das Schlagzeug treibt voran, Gitarren sorgen für süßliche Melodien, dazu die sanfte Stimme von Ben Gibbard - da wird das Rad nicht neu erfunden, aber die US-amerikanischen Indie-Ikonen zelebrieren auf ihrem siebten Studioalbum die schönsten Seiten des Sommers, diesmal durch elektronische Elemente verstärkt. Am Ende bleibt eine Platte aus einem Guss, die trotzdem wunderbar hervorstechende Momente hat wie "You are a Tourist". Anschalten und ab in den Sommer, oder wie der letzte Track heißt: "Stay Young, Go Dancing". Schulnote: 2+ (mli)
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Anders/ Fahrenkrog: Gigolo
Alles anders jetzt? Oder bloß dem Thomas sein neuer Diedder? Naja, also von vorne: Es waren einmal zwei Männer, die sich "Modern Talking" nannten. Einer der beiden sang sehr hoch und wilderte immer mal wieder in anderen Revieren herum, weshalb der andere, übriggebliebene, sich manchmal ein bisschen blöd und einsam vorkam und nun einen neuen Freund gefunden hat. Der alte Kollege macht jetzt junge Musiker in einer Jury rund, da hätten sich aber der neue und der alte Freund von Thomas fast treffen können, denn der neue hat diesen Job auch schon mal ausgeübt. Allerdings bei einem anderen "Format", wie man so schön sagt. Egal, genug rumgestochert in alten Wunden. Warum der Anders und der Fahrenkrog jetzt aber unbedingt wieder vors Mikro treten mussten, weiß keiner so genau, aber sie haben es getan. Und das ist auch schon alles, was man darüber wissen muss. Außer vielleicht noch, dass sich "Romeo" tatsächlich auf "Gigolo" reimt. Wo hören? Als Rausschmeißer in einer Kneipe statt "Sperrstund' ist ...". Schulnote für diese Single: Sagen wir mal so - schon was von Nachsitzen gehört? Nachhilfe? Klassenkeile? Ansonsten: Sitzen geblieben. (soe)
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