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Schluss mit der Zettelwirtschaft: Auf viele Belege werden die Finanzämter künftig verzichten.
Schluss mit der Zettelwirtschaft: Auf viele Belege werden die Finanzämter künftig verzichten.(Foto: imago stock&people)

Steuererklärung abgeben: Ab 2016 geht's ganz ohne Belege

Spendenbescheinigungen anfordern oder Kontoauszüge ausdrucken - bei künftigen Steuererklärungen soll das verzichtbar sein. In Zukunft wollen die Finanzämter Belege nur noch nach ausdrücklicher Aufforderung sehen.

Quittungen für Fachbücher, Parkhaustickets, Bahnfahrkarten oder die Nachweise über haushaltsnahe Dienstleistungen – allein bei den bayerischen Finanzämtern gehen Jahr für Jahr rund 6,7 Millionen Belege ein. Auf viele davon würde die Finanzverwaltung künftig gerne verzichten. Deshalb haben sich die Finanzminister von Bund und Ländern auf eine Neuregelung geeinigt, die den meisten Bürgern sehr gelegen kommen dürfte: Ab 2016 soll die Pflicht entfallen, zusammen mit der Einkommensteuererklärung Papierbelege einzureichen. Das gilt für Steuererklärungen auf Papier genauso wie für solche, die elektronisch abgegeben werden.

"Ziel und Zweck ist weniger Zettelwirtschaft", sagte Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU). Schlanker wird die Steuererklärung aber nicht nur durch Beleg-Verzicht. Auch zahlreiche Angaben soll man sich künftig sparen können. Lohnsteuerdaten, Rentenzahlungen oder Krankenversicherungsbeiträge hat das Bundeszentralamt für Steuern ohnehin gespeichert, trotzdem müssen sie momentan noch in die Steuerformulare eingetragen werden. Künftig soll das überflüssig werden. "Der Umfang der Steuererklärung reduziert sich deutlich", sagte Söder.

Nicht einschicken, aber aufheben

Zwei Drittel der Belege können nach den Plänen der Finanzminister eingespart werden. In einigen Fällen werden die Finanzämter aber auch künftig genauer hinsehen und Unterlagen nachfordern. Wer beispielsweise eine 20.000 Euro-Spende einträgt oder zum ersten Mal den Behinderten-Pauschbetrag geltend macht, muss damit rechnen, dass Nachfragen kommen. Und auch bei gängigen Posten, etwa Werbungskosten, Versicherungsbeiträgen oder Kinderbetreuungskosten, kann das Finanzamt jederzeit Belege einfordern. Ein Freibrief fürs Schummeln ist die Neuregelung also nicht.

Mit dem Belege-Ausmisten sollte man sich zudem zumindest so lange Zeit lassen, bis der Steuerbescheid da ist. Ist der Bescheid endgültig, dürfen die Nachweise entsorgt werden. Nur für Selbständige gilt eine Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren.

Schon heute sind Nachweise verzichtbar

Wer die Steuererklärung auf elektronischem Weg per Elster-Verfahren abgibt, kann schon heute auf bestimmte Belege verzichten. Dazu gehören unter anderem Nachweise zu außergewöhnlichen Belastungen, zu haushaltsnahen Dienstleistungen, zu Arbeitsmitteln oder zur Unterhaltsbedürftigkeit. Hier winken Finanzämter die meisten Steuererklärungen ohne eine genauere Prüfung durch.

Bei "außergewöhnlichen oder erstmaligen Umständen" schickt man die Unterlagen aber besser unaufgefordert ein. Solche Umstände sind zum Beispiel berufsbedingte Umzugskosten. Auch wenn man zum ersten Mal doppelte Haushaltsführung oder ein Arbeitszimmer geltend macht, will das Finanzamt in aller Regel Belege sehen. Unverzichtbar sind Zuwendungsnachweise oder Bescheinigungen über Lohnersatzleistungen wie Elterngeld oder Arbeitslosengeld – zumindest im Moment noch. Ab 2016 soll das alles überflüssig werden.

Steuerbescheid soll virtuell kommen

Die Beleglosigkeit ist übrigens nur einer von mehreren Schritten zur Entschlackung der Finanzämter. 60 Prozent der Steuererklärungen sollen in Zukunft vollautomatisch bearbeitet werden. Ehrlich genug seien die Bürger, meint Söder. Das Ziel liegt allerdings noch in weiter Ferne, momentan werten die Steuerbehörden lediglich zwei Prozent der Steuererklärungen am Computer aus. Mittelfristig soll der Großteil der Kommunikation mit den Bürgern auf elektronischem Weg ablaufen, was dem Fiskus Millionenkosten für Papier und Porto sparen dürfte. Die rund 15 Millionen Menschen, die im letzten Jahr ihre Einkommensteuererklärung per Elster abgegeben haben, bekamen ihren Steuerbescheid noch per Brief zugeschickt, doch künftig soll das Dokument virtuell übermittelt werden.

Wer seine Steuerangelegenheiten lieber ganz konventionell regelt, darf das aber auch weiterhin tun, betont Söder: "Es gibt keine Vorgabe. Das ist nicht zwingend."  Einen Vorteil hätte die vollautomatische Bearbeitung auf jeden Fall: Warten die Bürger normalerweise im Schnitt um die zehn Wochen auf ihren Steuerbescheid, sollen sie künftig schon nach 14 Tagen Klarheit haben.

Quelle: n-tv.de

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