Ratgeber

Plus-Mitgliedschaft muss nicht sein: Alternativen zum ADAC

Von Isabell Noé

19 Millionen Mitglieder hat der ADAC. Viele unterstützen den Verein nicht, um die Autofahrer-Lobby zu stärken, sondern weil sie im Notfall auf die Hilfe der "Gelben Engel" hoffen. Dabei gibt es eine Vielzahl von anderen Optionen - und oft sind die sogar günstiger.

Die "Gelben Engel" helfen übrigens auch Nicht-Mitgliedern.
Die "Gelben Engel" helfen übrigens auch Nicht-Mitgliedern.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Autobatterie ist leer? Ein Anruf, und der ADAC schickt jemanden zum Überbrücken vorbei. Der Wagen macht auf der Autobahn schlapp? Die "Gelben Engel" machen ihn wieder flott. Bei Glatteis in den Straßengraben gerutscht? Der ADAC holt das Fahrzeug wieder heraus. Für das gute Gefühl, nicht allein gelassen zu werden, wenn das Auto mal Probleme bereitet, zahlen die rund 19 Millionen ADAC-Mitglieder mindestens 49 Euro im Jahr. Viele von ihnen, ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob sie mit den inhaltlichen Zielen der Autofahrer-Lobby überhaupt einverstanden sind. Und manche von ihnen, obwohl sie schon anderweitig ausreichend abgesichert sind. Denn zum ADAC gibt es durchaus Alternativen.

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Die günstigste Lösung kommt oft von der Kfz-Versicherung. Die meisten Autoversicherer bieten für wenige Euro extra Schutzbriefe an, die im Grunde das Gleiche leisten, was auch der ADAC bietet: Hilfe bei Pannen und Unfällen, Abschleppen und Bergen von Fahrzeugen, gegebenenfalls auch Übernachtungskosten oder einen Mietwagen, wenn man sonst nicht weiter kommt. Je nach Anbieter können die Schutzbriefe auch mit den erweiterten Leistungen einer ADAC-Plus-Mitgliedschaft mithalten: Krankenrücktransporte sind dann ebenso abgedeckt wie ein Ersatzteilversand ins Ausland oder die Fahrzeugabholung, wenn der Fahrer ausfällt.

Ein direkter Vergleich ist schwierig, weil die Schutzbriefe oft nur in Kombination mit der Kfz-Police angeboten werden. Wer aus dem ADAC austreten will, sollte also prüfen, ob der Schutzbrief der Versicherung adäquate Leistungen bietet. Günstiger ist die Versicherungslösung fast immer: Schutzbriefe findet man schon für weniger als 10 Euro im Jahr, über 30 Euro verlangen nur wenige Anbieter.

Schutz gilt nur für ein Fahrzeug

Einen Nachteil hat der Versicherungsschutzbrief allerdings im Vergleich zum ADAC: Er gilt nur für ein bestimmtes Auto. Beim ADAC hingegen ist der Schutz nicht fahrzeuggebunden. Bei einer Familienmitgliedschaft sind also auch Partner und Kinder in ihren jeweiligen Autos mit abgesichert. 

Auch bei der sogenannten Mobilitätsgarantie, die viele Autohersteller anbieten, erstreckt sich der Schutz nur auf ein bestimmtes Fahrzeug. Der Vorteil: Oft gibt es den Hersteller-Schutzbrief ohne Aufpreis oder sehr günstig beim Neuwagenkauf dazu. Teilweise kann man das Servicepaket auch für Gebrauchtwagen bekommen. Auch hier gibt es ähnliche Leistungen wie beim ADAC – oft aber mit geissen Einschränkungen. So gilt der Schutz in der Regel nur, wenn man das Fahrzeug in regelmäßigen Abständen in einer Vertragswerkstatt warten lässt.

Statt "Gelber Engel" schicken Versicherer und Autohersteller bei einer Panne übrigens oft ein Fahrzeug aus der "Silbernen Flotte" der Assistance Partner. Die Pannenhilfsorganisation der großen Versicherer ist seit 2001 deutschlandweit im Einsatz und leistet für die jeweiligen Auftraggeber Pannen- und Unfallhilfe vor Ort.    

Es gibt auch andere Autoclubs

Wer nicht nur ein bestimmtes Auto absichern möchte, ist mit den Angeboten der Automobilclubs ganz gut bedient. Doch hier muss es nicht unbedingt der ADAC sein – es gibt schließlich noch weitere Verkehrsclubs in Deutschland, die ebenfalls Pannenhilfe und Notfalldienste für ihre Mitglieder bieten.

Einer der größten von ihnen ist der Auto Club Europa, kurz ACE. 62,80 Euro kostet die Mitgliedschaft inklusive Familienschutz fürs In- und Ausland. Beim AvD, dem Automobilclub von Deutschland liegt der Einstiegspreis bei rund 65 Euro, für insgesamt 87 Euro ist auch der Partner mit abgesichert. Der wohl günstigste und vielleicht auch jüngste Verkehrsclub ist Mobil in Deutschland, der Preis für die Basismitgliedschaft liegt bei 24 Euro, sie deckt aber nur ein Fahrzeug ab. Wer umfassenden Schutz für sich selbst und den Partner buchen möchte, ist mit 66 Euro dabei. Günstiger als der ADAC sind alle der Alternativ-Clubs. Beim Branchen-Ersten zahlt man für die Plus-Mitgliedschaft für Partner und Familie 109 Euro Jahresbeitrag.

Unterschiede im Detail

Dabei ist das Leistungsspektrum ähnlich. Alle Clubs bieten die üblichen Hilfestellungen bei Pannen und Unfällen, nämlich die Reparatur vor Ort oder einen Transport zur nächsten Werkstatt. Bei den genauen Konditionen gibt es allerdings Unterschiede. So bezahlt der ADAC beispielsweise für die Pannenhilfe bis zu 300 Euro, der ACE nur 105 Euro (wenn man die Hilfe über den ACE-Notruf anfordert, entfällt die Kostengrenze aber). Kann eine Fahrt nach einer Panne nicht am gleichen Tag fortgesetzt werden, übernimmt der ADAC bis zu 85 Euro pro Person für eine Übernachtung, der ACE nur 70 Euro. Mobil in Deutschland setzt die Grenze schon bei 52 Euro.

Auch beim Reiseschutz gibt es Unterschiede im Detail. Krankenrücktransport, Hilfe bei Dokumentenverlust oder Arzneimittelversand gehören zum Standard, doch nicht alle Clubs übernehmen auch die Kosten für eine Rückholung von Kindern oder für Krankenbesuche, wenn man im Ausland im Krankenhaus liegt.

Grundsätzlich lässt sich feststellen: Zumindest ADAC, AvD und ACE nehmen sich beim Leistungsvergleich nicht viel, zum Teil sind die kleineren Clubs sogar etwas besser aufgestellt. So zahlt der ACE nicht nur Beihilfen bei Wildschäden, sondern auch bei Glasbruch oder Marderbiss.

Schutzbrief auch fürs Fahrrad

Für alle, die nicht nur im Auto unterwegs sind, sondern gerne auch per Fahrrad reisen, könnte der Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine Option sein. Mitglieder des ökologischen Verkehrsclubs können einen Komplettschutz für Auto- und Fahrrad vereinbaren. Die Leistungen sind ähnlich wie bei den Automobilclubs, nur dass sie nicht nur fürs Auto gelten, sondern auch fürs Rad. Kommt also beispielsweise auf einer mehrtätigen Radtour das Rad abhanden, übernimmt der VCD die Kosten für die Rückreise oder für die Weiterfahrt zum Zielort. Der Pannenschutz fürs Auto wird durch die "Silberne Flotte" organisiert. Was das Ganze kostet, hängt vom jeweiligen Fahrzeug ab. Zum Mitgliedsbeitrag von 62,50 Euro pro Haushalt kommen zwischen 29 und 59 Euro für den Schutzbrief, abhängig von der jeweiligen Abgasnorm. Der Fahrrad-Schutzbrief allein kostet neun Euro.

Wer den ADAC nicht mehr mit seinen Beiträgen unterstützen möchte, hat also genügend Alternativen. Eine Kündigung der Mitgliedschaft ist übrigens kein Problem, es gilt eine Frist von drei Monaten und ein formloses Schreiben genügt.     

Quelle: n-tv.de

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