Kirche, Kreuz und Kugel reichen nicht: Altkleider-Container oft illegal
Rund 1,5 Milliarden Kleidungsstücke spenden die Deutschen Jahr für Jahr. Karitative Organisationen beklagen jedoch, dass ihre Sammelmenge sinkt. Der Grund: Immer mehr illegale Kleidersammler stellen Container auf und sammeln an der Haustür - zulasten der legalen Sammlungen.
Welche Altkleider-Containersind legal?
Legale Container sind lautDachverband der gemeinnützigen und kirchennahen Kleidersammler, FairWertung, stetsmit der vollständigen Adresse und Telefonnummer der sammelnden Organisation beschriftet.Zusätzlich klebt auf ihnen das FairWertung-Siegel. Es soll garantieren, dass dieAltkleider Bedürftigen zukommen oder aus ihrem Verkauf soziale Projekte finanziertwerden. Fehlen die Angaben, ist der Container zumindest verdächtig. Solche Behälterstehen, so der Verband, oft an Bushaltestellen und Straßeneinmündungen oder aufunbebauten Grundstücken, manchmal auch direkt neben einem legalen Container.
Worauf ist bei Sammlungenauf der Straße und an der Haustür zu achten?
Emotionale Werbesprüchewie "Hilfe für Flutopfer" oder "Helfen Sie, damit wir helfen können"sollten Spender misstrauisch machen, erklärt der Verband FairWertung. Auch wennauf Sammelzetteln nur eine Handynummer steht und keine Anschrift angegebenwurde oder aber eine Adresse, die weit entfernt ist, seien Zweifel angebracht. Einigeillegale Sammler nutzen offenbar auch Symbole wie Kirche, Kreuz und Weltkugel, diean kirchliche und soziale Organisationen erinnern und so Vertrauen wecken sollen.
Was tun bei illegalen Sammlungen?
Ob der Verein, der angeblichfür einen guten Zweck sammelt, überhaupt existiert, lässt sich übers Internet prüfen.Jedes Bundesland hat ein elektronisches Vereinsregister, das teilweise frei zugänglichist. Auch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen erteilt Auskunft überVereine. Jeder kann das Ordnungsamt informieren, wenn plötzlich einfach ein Wäschekorboder ein Sammeleimer vor der Haustüre steht. Laut FairWertung steckt hinter diesenAktionen meist keine gemeinnützige Organisation - auch wenn auf den Werbezettelnderen Name verwendet wird.
Welche Kleidung gehört indie Sammlung?
Nur saubere und gut erhalteneKleidung sollte weitergegeben werden. Zwar sind auch kaputte Kleidungsstücke zuverwerten, erklärt Andreas Voget von FairWertung - zum Beispiel, wenn sie als Putzlappenrecycelt werden. Aber das rechne sich meist nicht. "Wenn die Klamotten erstaussortiert werden müssen und dann trotzdem auf dem Müll landen, verschlechtertsich nur die Umweltbilanz", sagt Voget. Ansonsten gebe es keine Einschränkungen.Hüte, Decken, Baby-Kleidung, Bettwäsche, Gardinen, Tischdecken und Plüschtiere könnenallesamt in den Sammelbehälter. Schuhe müssen paarweise zusammengebunden werden.
Was passiert mit der Kleider-Spende?
Da die Deutschen jährlichein Vielfaches dessen spenden, was Kleiderkammern und Sozialkaufhäuser weitergebenkönnen, verkaufen auch gemeinnützige Organisationen etwa 95 Prozent der Spenden.Anders als gewerbliche Sammler verwenden sie das Geld aber, um karitative Aktionenzu finanzieren und die Kosten der Sammlung zu decken. Viele Kleider landen so imAusland - oft in Afrika. Dort sind sie sehr begehrt, laut FairWertung aber nichtfür den Niedergang der dortigen Textilindustrie verantwortlich. Die habe eher unterder Konkurrenz aus Asien und dem Ende der staatlichen Förderung zu leiden.
Quelle: n-tv.de


