Gefährliche QualitätsmängelBillig-Fahrrad-Kauf mit Risiken
Hobbyradler achten beim Fahrradkauf häufig nur auf den Preis. Viele Käufer unterschätzen dabei das Risiko, das vom Fahren auf qualitativ minderwertigen Fahrrädern ausgehen kann.
Hobbyradler achten beim Fahrradkauf häufig nur auf den Preis. Viele Käufer unterschätzen dabei das Risiko, das vom Fahren auf qualitativ minderwertigen Fahrrädern ausgehen kann. "Ein günstiger Preis ist natürlich nicht gleichbedeutend mit minderwertiger Qualität. Dennoch bergen Billigräder ein gewisses Risiko", erklärt Roland Huhn vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Bremen. Technisches Versagen sei durchaus Ursache für Unfälle. Vor allem, wer Billigfahrräder intensiv nutzt, geht auf Dauer ein Wagnis ein. Auch übergewichtige Fahrer sind wegen der stärkeren Belastungen auf sicherheitsrelevante Teile besonders gefährdet.
Die Betriebsvorschriften für Fahrräder sind in Deutschland durch die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) geregelt. Die Vorgaben beziehen sich jedoch nur auf die Beleuchtung und die Bremsanlage, sagt Huhn. Der Rahmen und der Lenker etwa seien in der StVZO nicht erfasst. "Gäbe es für Fahrräder TÜV-Plaketten, würden zahlreiche der im Handel angebotenen Modelle nicht für den Verkehr zugelassen werden." Es gebe zwar von der EU festgelegte Normen für Fahrräder, jedoch keine Verpflichtung für die Hersteller, sich daran zu halten.
Materialermüdung komme vor allem bei Lenker, Sattel und Rahmen vor. "Dies sind einerseits sicherheitsrelevante Bauteile, andererseits unterliegen sie hohen Belastungen", sagt Erich Brust, Geschäftsführer eines unabhängigen Prüfinstituts für muskelbetriebene Fahrzeuge in Schweinfurt. Ausschlaggebend sei jedoch nicht minderwertiges Material, sondern vielmehr die unsachgemäße Kombination verschiedener Werkstoffe wie zum Beispiel die Verbindung von Aluminium und Stahl. Hinzu kämen Fehler beim Verschweißen, was die Belastbarkeit des Rahmens verschlechtern kann.
Materialermüdung mit Folgen
Gibt unterwegs plötzlich das Material nach, kann das für Radfahrer fatale Folgen haben: "Schon ein bei geringer Fahrgeschwindigkeit gebrochener Lenkervorbau kann zu schweren Verletzungen führen", so Brust. Ohne Lenker verliere der Radfahrer die Kontrolle über sein Gefährt und stürze aus voller Fahrt kopfüber auf die Straße. In diesem Zusammenhang sei auch die mangelnde Bereitschaft der Deutschen, beim Radfahren einen Helm zu tragen, zu kritisieren. "Bis heute wird der Fahrradhelm oft erst dann zum Thema, wenn es schon zu spät ist und der Radfahrer mit Schädelbruch im Krankenhaus liegt."
Vor allem in Baumärkten angebotene Fahrräder seien häufig von minderwertiger Qualität. "Baumärkte verfügen meist über gute Handelskontakte nach Fernost", so Brust. Viele Heimwerkermärkte hätten sich so in den vergangenen 20 Jahren zu Großhändlern für Billigfahrräder aus Asien entwickelt. "Mit sämtlichen Speichen, Schräubchen und dergleichen besteht ein Fahrrad aus etwa 700 Teilen. Wenn ein Rad dann für 60 Euro im Baumarkt angeboten wird, kann doch irgendwas nicht stimmen, oder?"
"Viele Radfahrer bekommen technisches Versagen ihrer Fahrräder manchmal gar nicht mit", sagt Rechtsexperte Huhn vom ADFC. Nach Clubangaben ist es jedoch in den vergangenen Jahren vermehrt zu Zivilverfahren gegen Importeure und Fahrradhersteller gekommen. Diese stehen bei Produkthaftungsfällen in der Verantwortung.
Bausätze zum selber schrauben
Neben der oft mangelhaften Qualität der kostengünstigen Räder ist die Abstimmung auf die körperlichen Voraussetzungen des Käufers ein Problem. "Käufer, die ihre Fahrräder nicht im Fachhandel erstehen, bekommen meist einen Karton ausgehändigt und müssen das Fahrrad zu Hause zusammenbauen", erklärt Huhn. Sie besäßen aber oft kein passendes Werkzeug. Und ohne fachkundige Hilfe werde das Rad nicht an die Körpergröße angepasst. "Woher soll der Kunde wissen, wie hoch Sattel und Lenker eingestellt werden müssen, um in optimaler Position auf dem Rad zu sitzen?" In manchen Ländern Europas, etwa Frankreich, sei es daher verboten, Fahrräder "in Kartons" zu verkaufen.
"Hobbyradler sollten sich vor dem Fahrradkauf genau überlegen, was sie brauchen", sagt Siegfried Neuberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) in Bad Soden (Taunus). Viele Käufer seien bereits nach wenigen Tagen mit ihrer Neuanschaffung unzufrieden. Sie stellten zum Beispiel fest, dass ein Mountainbike nur bedingt für den Verkehr in Städten ausgelegt ist.