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Krankenhaus und Chefarzt haften: CT ohne Neurologenrat? Schmerzensgeld

Ärzte können für Behandlungsfehler haftbar gemacht werden. Das gilt auch dann, wenn versäumt wurde, zur Beurteilung eines Befundes den vorhandenen Spezialisten befragt zu haben.

Die behandelnden Ärzte hatten es versäumt, noch am Aufnahmetag einen Neurologen zur Beurteilung des CT hinzuzuziehen.
Die behandelnden Ärzte hatten es versäumt, noch am Aufnahmetag einen Neurologen zur Beurteilung des CT hinzuzuziehen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein Krankenhaus und der behandelnde Chefarzt haften, wenn es versäumt wurde, rechtzeitig einen Neurologen zur Beurteilung einer Computertomographie hinzuzuziehen.

In dem verhandelte Fall wurde ein massiver Hirnstamminfarkt einer Patientin zu spät erkannt, sie erlitt schwerwiegende Lähmungen, in deren Folge sie Monate später verstarb. Das Oberlandesgerichts Hamm (OLG) entschied auf einen Behandlungsfehler und hat dem Sohn und Erben der verstorbenen Patientin ein Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro zugesprochen (Az.:3 U 122/12).

Die Patientin wurde seit dem Jahre 2002 wegen Herzerkrankungen mehrfach stationär behandelt, unter anderem im später beklagten Krankenhaus in der Abteilung des ebenfalls beklagten Chefarztes. Mit einer Halbseitenlähmung wurde die Patientin im November 2005 als Notfall im dem beklagten Krankenhaus eingeliefert, in dem sie bewusstlos ankam und kurz darauf einen Krampfanfall erlitt.

Am Tag der Aufnahme veranlassten die behandelnden Ärzte eine Computertomographie (CT), die ohne Hinzuziehen eines Neurologen beurteilt wurde. Bei den an den nächsten Tagen abgehaltenden neurologischen Beratungen zeigte die Patientin das Bild eines Locked-in-Syndroms als Folge eines - anfangs nicht erkannten - massiven Hirnstamminfarkts. Die Patientin war wach, konnte hören, sehen und riechen, aber bis auf die Augen nichts bewegen. Dieser Zustand änderte sich bis zum Tode der Patientin im Juli 2006 nicht mehr.

Der mit den von seiner Mutter erlittenen Beeinträchtigungen begründeten Schadensersatzklage des Sohnes hat das OLG mit einem Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro entsprochen. Die behandelnden Ärzte der Klinik hätten es demanch versäumt, noch am Aufnahmetag einen Neurologen zur Beurteilung des CT hinzuzuziehen. Ein Neurologe hätte den massiven Hirnstamminfarkt der Patientin erkennen und dessen rechtzeitige Behandlung innerhalb des noch geöffneten 12-Stunden-Zeitfensters veranlassen können. Da dies unterbleiben ist, liegt ein grober Behandlungsfehler vor. Das sei den Beklagten anzulasten, weil sie nicht bewiesen hätten, dass die Patientin bei rechtzeitiger richtiger Behandlung identische Beeinträchtigungen erlitten hätte, so das Gericht.

Quelle: n-tv.de

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