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Gibt es keine eigenen Radfahrerampeln sind die Ampeln für den Fließverkehr maßgebend, nicht die für Fußgänger.
Gibt es keine eigenen Radfahrerampeln sind die Ampeln für den Fließverkehr maßgebend, nicht die für Fußgänger.(Foto: picture alliance / dpa)

Rechte und Pflichten: Das dürfen Radfahrer im Straßenverkehr

Von Isabell Noé

Müssen Autofahrer an Ampeln eine Gasse lassen? Müssen Radler in Fahrradstraßen Platz für Autos machen? Und was bedeutet die Anweisung "Radfahrer absteigen"? Sowohl Radfahrer als auch Autofahrer sollten wissen, was sie dürfen - und was nicht.

Die Temperaturen sind frühlingshaft und diejenigen, denen es in den letzten Monaten zu kalt zum Radfahren war, haben nun keine Ausrede mehr. Die "Radfahrer gegen Autofahrer"-Schlagzeilen werden wohl nicht lange auf sich warten lassen. Für beide Seiten kann es nicht schaden, sich mit den Regeln vertraut zu machen:

Was ist der Unterschied zwischen Schutzstreifen und Radfahrstreifen?

Auf Schutzstreifen oder Radfahrerstreifen kommen Radler schneller voran - sofern sie nicht behindert werden.
Auf Schutzstreifen oder Radfahrerstreifen kommen Radler schneller voran - sofern sie nicht behindert werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Schutzstreifen und Radfahrstreifen markieren einen Bereich auf der Straße, der Radfahrern vorbehalten sein soll. Bei Schutzstreifen sind die Regeln aber nicht so streng: Sie sind Teil der Fahrbahn und durch eine gestrichelte Linie gekennzeichnet. Autos dürfen "bei Bedarf", also an Engstellen auf den Schutzstreifen ausweichen. Parken dürfen sie dort nicht, Halten ist bis zu drei Minuten erlaubt. Der Radfahrstreifen gehört dagegen allein den Radfahrern. Er ist durch eine dicke, durchgezogene Linie von der Fahrbahn abgetrennt. Autos dürfen den Radfahrstreifen nicht benutzen, weder zum Fahren noch zum Halten oder Parken.

Welche Regeln gelten in Fahrradstraßen?

Straßen, auf denen besonders viele Radfahrer unterwegs sind, können zu Fahrradstraßen umgewidmet werden. Kraftfahrzeuge dürfen sie nicht benutzen, es sei denn, es ist durch ein Zusatzzeichen erlaubt. Meistens ist das der Fall. Autos müssen sich auf Fahrradstraßen aber dem Radverkehr anpassen. Für alle Verkehrsteilnehmer gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, aber Kraftfahrzeuge müssen gegebenenfalls deutlich langsamer fahren. Radler dürfen  nämlich nebeneinander strampeln, auch wenn sie dadurch Autos behindern. Die Vorfahrtsregeln bleiben allerdings unverändert, biegt ein Auto von rechts in die Fahrradstraße ein, müssen Radfahrer ihm Vorfahrt gewähren, wenn das nicht durch ein Schild anders geregelt ist.    

Müssen Radfahrer warten, wenn ein Bus am Radweg hält?

Die Konstruktion ist unglücklich, aber nicht selten: Der Radweg führt rechts an einer Bushaltestelle vorbei und wenn Passagiere aussteigen, kommen sie den Radfahrern unweigerlich in die Quere. Hier ist Rücksichtnahme gefordert. Die Straßenverkehrsordnung sagt dazu, dass an haltenden Bussen rechts nur mit Schrittgeschwindigkeit und nur mit Abstand vorbeigefahren werden darf, so dass eine Gefährdung oder Behinderung von Fahrgästen ausgeschlossen ist. Wenn nötig, muss der Fahrzeugführer – in dem Fall also der Radfahrer - warten. Vermeiden lässt sich das nur, wenn man auf der Straße fährt.

Dürfen Radler an Ampeln an wartenden Autos vorbeirollen?

An Staus oder Warteschlangen vor roten Ampeln müssen sich Radfahrer nicht hinten anstellen. Auch wenn es keinen Radfahrstreifen gibt, dürfen Radler rechts an den Autos vorbeirollen "mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht", so die StVO. Das gilt übrigens auch für Mofafahrer. Rechts Überholen ist aber nur bei stehendem Verkehr erlaubt. Setzt sich die Kolonne in Bewegung muss man sich in den fließenden Verkehr einfädeln.  

Rücksichtsvolle Autofahrer lassen rechts Platz für Radler. Verpflichtet sind sie dazu aber nicht. Ist der Weg durch ein Auto blockiert, dürfen sich Radfahrer normalerweise auch nicht links davon vorbeischlängeln – zumindest nicht, wenn sie dadurch den Gegenverkehr gefährden. Ist die linke Fahrspur hingegen frei, können Radler auch links an den wartenden Autos vorbeifahren und sich vorne wieder einordnen. Schaltet die Ampel währenddessen auf Grün, dürfen die Autos nicht rechts überholen, sondern müssen Radfahrer wieder einfädeln lassen.

Ist es auf der Straße zu eng, kann es einfacher sein, auf den Bürgersteig auszuweichen. Hier müssen Radler dann natürlich schieben.

Darf man losfahren, wenn die Fußgänger schon grün haben?

Auf Radfahrstreifen und Radwegen gibt es oft eigene Ampeln für den Fahrradverkehr. Die sind für Radfahrer bindend. Gibt es keine Fahrradampeln, richten sich Radler nach den Signalen, die auch für Autos gelten. Radler dürfen an Ampeln also nicht mit den Fußgängern starten, sondern müssen warten, bis der Fahrverkehr "grün" hat. Umgekehrt müssen abbiegende Autofahrer damit rechnen, dass Radler noch über die Straße fahren, wenn die Fußgängerampel "rot" zeigt.

Welche Vorfahrtsregeln gelten in Einbahnstraßen?

Viele  Einbahnstraßen sind für den Radverkehr auch in Gegenrichtung freigegeben. Wenn nichts anderes angegeben ist, gilt ganz regulär "rechts vor links" – auch beim Verlassen der Einbahnstraße. Damit müssen Autofahrer auf der vorbeiführenden Straße rechnen. 

Welche Vorfahrtsregeln gelten für Radfahrer im Kreisverkehr?

Meistens ist die Vorfahrt im Kreisverkehr durch Schilder geregelt, so dass der einfahrende Verkehr warten muss. Für Radfahrer, die auf der Fahrbahn unterwegs sind (egal ob mit Radfahrstreifen oder ohne), gelten die gleichen Regeln wie für Autofahrer. Diese müssen beim Verlassen des Kreisverkehrs natürlich auf rechts fahrende Radler achten und gegebenenfalls halten.

Komplizierter wird es, wenn Radler nicht die Fahrbahn benutzen, sondern einen abgetrennten Radweg. Gibt es keine Schilder, haben Radfahrer auch hier Vorfahrt. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat kürzlich in einem Fall entschieden, in dem auf einem innenlaufenden Radweg vor jeder Zufahrtsstraße ein "Vorfahrt gewähren"-Zeichen aufgestellt war. Gleichzeitig mussten aber auch die einfahrenden Fahrzeuge die Vorfahrt achten. Die Radlerin dachte, sie müsse nur auf den ausfahrenden Verkehr warten und kollidierte mit einem Wagen, der gerade in den Kreisverkehr einfahren wollte. Das OLG sah die Radfahrerin im Unrecht: Sie hätte warten müssen – auch, weil der Bordstein auf dem Radweg vor jeder Zufahrt abgesenkt war. 

Muss man bei "Radfahrer absteigen" wirklich absteigen?

An Gefahrenpunkten wie Baustellen sind Fahrräder oft nicht eingeplant. Radfahrer werden dann per amtlichem Zusatzzeichen 1012-32 zum Absteigen aufgefordert. Aber was passiert, wenn man sich nicht daran hält? Im Normalfall: gar nichts, denn weder in der StVO noch im Bußgeldkatalog ist das Zeichen erwähnt. Oft findet man das Schild, wenn ein Radweg durch eine Baustelle versperrt ist. Auf dem Fußweg dürfen Radfahrer dann zwar tatsächlich nur schieben, auf der Straße können sie aber weiterradeln.

Wie viel Alkohol ist erlaubt?

Die Promillegrenze für Radfahrer wird vorerst nicht herabgesetzt - aber auch schon jetzt können sich betrunkene Radler mit weit weniger als 1,6 Promille im Blut eine Strafanzeige einhandeln.
Die Promillegrenze für Radfahrer wird vorerst nicht herabgesetzt - aber auch schon jetzt können sich betrunkene Radler mit weit weniger als 1,6 Promille im Blut eine Strafanzeige einhandeln.(Foto: dpa-tmn)

Betrunken Radfahren ist verboten, genauso wie betrunken Autofahren. Der Gesetzgeber hat keinen Promillewert festgelegt, ab dem ein Radfahrer als absolut fahruntüchtig gilt. Die Gerichte setzen den Grenzwert in der Regel bei 1,6 Promille an. Wer damit erwischt wird, begeht eine Straftat und riskiert den Führerschein. Im Extremfall kann auch das Radfahren verboten werden. Kritisch können aber schon Blutalkoholwerte ab 0,3 Promille werden. Sie sind strafrechtlich relevant, wenn man in einen Unfall verwickelt ist oder Ausfallerscheinungen zeigt.

Ist Musik im Ohr erlaubt?

Kopfhörer sind zwar nicht gern gesehen, aber nicht explizit verboten. Grundsätzlich dürfen Verkehrsteilnehmer Musik nur so laut drehen, dass die Wahrnehmung nicht beeinträchtigt ist. Das gilt für die Boxen im Auto genauso wie für Ohrstöpsel auf dem Rad. 

Gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen auch für Radfahrer?

Das generelle Tempolimit von 50 km/h innerorts und 100 km/h außerorts ist für Radfahrer nicht bindend – derartig sportliche Geschwindigkeiten dürften aber ohnehin nur die Wenigsten erreichen. Ist die Höchstgeschwindigkeit durch ein Verkehrsschild geregelt, müssen sich auch Radfahrer daran halten, egal ob sie auf dem Radweg oder auf der Fahrbahn unterwegs sind. Das gilt für die 30-Zone ebenso wie für den verkehrsberuhigten Bereich, in dem sich Radfahrer nicht viel schneller als mit Schrittgeschwindigkeit fortbewegen dürfen. Unabhängig davon müssen natürlich auch Radfahrer grundsätzlich mit angepasster Geschwindigkeit fahren.

Wer darf auf dem Bürgersteig fahren?

Auf Gehwegen dürfen nur Kinder unter zehn Jahren fahren, bis zum achten Geburtstag ist das sogar vorgeschrieben. Das heißt, Kinder unter acht Jahren dürfen, wenn es einen Bürgersteig gibt, keinen Radweg benutzen. Erwachsene, die ihre Kinder begleiten, müssen dagegen auf die Straße oder den Radweg. Das ist zwar nicht sonderlich realitätsnah, aber Gesetz.

Alle Radfahrer ab zehn Jahren dürfen nur dann auf den Gehweg ausweichen, wenn dieser ausdrücklich freigegeben ist, etwa an einer Baustelle. Verkehrsreiche oder schlechte Straßen oder holprige Radwege sind hingegen kein erlaubter Grund, den Bürgersteig zu nehmen.

Quelle: n-tv.de

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