Ratgeber

Welche Banken zahlen gut? : Der große Zinstest

Sichere Zinsen über drei Prozent? Solche Angebote muss man dieser Tage mit der Lupe suchen. Die Stiftung Warentest hat welche gefunden. Um an sie heranzukommen, braucht man allerdings einen langen Atem. Beim Tagesgeld darf man sich schon über zwei Prozent freuen.

"Finanztest" hat die Konditionen Mitte November abgefragt. Einige Banken haben ihre Zinsen seitdem gesenkt.
"Finanztest" hat die Konditionen Mitte November abgefragt. Einige Banken haben ihre Zinsen seitdem gesenkt.(Foto: picture alliance / dpa)

Ob 1000 oder 100.000 Euro – will man dieser Tage Geld anlegen, hat man schon Mühe, wenigstens die Inflation auszugleichen. Bei guten Tagesgeldangeboten funktioniert das gerade so. Für Renditen jenseits der 2,5 Prozent muss man sich aber lange festlegen. Das zeigt der Test von 100 Banken in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest".

Wenig überraschend: Wer gute Zinsen will, kommt um Onlinebanking nicht herum. Denn die besten Zinsen gibt es bei den Direktanbietern. Große Filialbanken haben es in der Untersuchung nicht unter die Top-Anbieter geschafft. Doch immer wieder sind kleine niedergelassene Banken wie zum Beispiel die Hanseatic Bank vorne dabei.

Die meisten sind sicher

Auffällig ist auch, dass gute Angebote oft aus dem Ausland kommen. Bei fast allen Kontoarten landen beispielsweise Institute aus Österreich und den Niederlanden auf vorderen Rängen. Bei ihnen sind – wie überall in der Europäischen Union – Spareinlagen bis zu 100.000 Euro über die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert. Im Falle einer Bankenpleite müssten die Anleger nach spätestens 20 Arbeitstagen entschädigt werden. In Deutschland sind Banken und Sparkassen darüber hinaus über die Institutsverbünde oder die Entschädigungseinrichtung der privaten Banken geschützt. Am Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) beteiligen sich zum Teil auch Banken mit Sitz im Ausland, etwa die Bank of Scotland, Barclays Bank oder Cortal Consors.

Auf dem Papier sind Anleger allein schon durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Fraglich ist allerdings, ob die Sicherungstöpfe gut genug gefüllt sind, um auch eine größere Bankpleite aufzufangen. Bei Estland und Lettland hat "Finanztest" Zweifel an der Belastbarkeit. Die Bigbank und die AS Privatbank fehlen deshalb in den Vergleichslisten. Auch die italienische IW Bank sucht man vergebens – obwohl sie im Tagesgeldvergleich mit drei Prozent Zinsen den Spitzenplatz belegt hätte. Doch der Preis für die Rendite erschien den Testern zu hoch: Die Klauseln im Kontoeröffnungsantrag entbinden die Bank von ihrem Bankgeheimnis.

Tagesgeld über zwei Prozent

Stattdessen geht der erste Platz beim Tagesgeld an die MoneYou, die Onlinemarke der niederländischen ABN Amro Bank. Sie zahlt 2,1 Prozent Zinsen ab dem ersten Euro. Weil die Zinsen schon zum Quartalsende gutgeschrieben werden, liegt die Rendite bei 2,12 Prozent. Die zweitplatzierte Advanzia Bank verrechnet die Zinsen sogar monatlich. Aus einer Verzinsung von 2,03 Prozent werden so 2,05 Prozent Rendite. Die bekommt man aber erst ab einer Mindesteinlage von 5000 Euro. Bestes deutsches Institut beim Tagesgeld ist die Akbank, die 2,05 Prozent jeweils zum Jahresende zahlt. Advanzia und Akbank überzeugen auch im Langfristvergleich: In den letzten 24 Monaten rangierten ihre Zinsangebote mindestens 22 Mal unter den Top 20. Über die Konstanz der MoneYou sind derzeit noch keine Angaben möglich. Sie startete erst im Juli 2011 auf dem deutschen Markt.

Mehr Zinsen für Festgeld

Tagesgeldzinsen ändern sich in der Praxis zwar nicht täglich, möglich wäre das aber. Garantien gibt es allenfalls für ein paar Monate, um Neukunden für den Wechsel zu gewinnen. Wer seine Zinsen sicher haben möchte, der sollte sich beim Festgeld umsehen. "Finanztest" hat sich für den Vergleich auf Angebote mit dreijähriger Laufzeit fokussiert. Testsieger ist hier die österreichische VTB Direktbank mit 3,10 Prozent Zinsen. Für einjähriges Festgeld gibt es immerhin 2,25 Prozent – also mehr als beim besten Tagesgeldkonto.

Dahinter folgt mit 2,90 Prozent bei drei Jahren der Sparbrief der Fidor Bank. Ihre gut verzinsten Online-Spar­briefe mit drei und sechs Monaten Lauf­zeit hat die Münchner Direktbank kürzlich vom Markt genommen. Es mangelte der Bank an kurzfristigen Investitionsmöglichkeiten. Für Sparer mit längerem Anlagehorizont bleibt der Fidor-Sparbrief aber eine gute Alternative. Bei einer Laufzeit von einem Jahr macht Fidor mit 2,40 Prozent sogar das beste Angebot. Auf den dritten Platz im Festgeldvergleich kommt die Akf Bank aus Wuppertal. Die Bank, deren Kerngeschäft die Mittelstandsfinanzierung ist, zahlt für dreijähriges Festgeld 2,75 Prozent.

Flexibles Festgeld

Für Anleger, die noch nicht wissen, wann sie ihr Geld abrufen möchten, eignen sich Festzinsangebote mit vorzeitiger Ausstiegsmöglichkeit. Sie funktionieren nach dem Prinzip der Bundesschatzbriefe – sind aber besser verzinst. Bei der Gefa Bank etwa beginnt die Zinstreppe im ersten Jahr mit 2,00 Prozent, im zweiten gibt es 2,20 Prozent und wer sechs Jahre durchhält, bekommt im letzten Jahr drei Prozent auf sein Guthaben. Damit ergibt sich ein durchschnittlicher jährlicher Zinssatz von 2,66 Prozent. Frühestens nach einem Jahr kann man mit drei Monaten Vorlauf kündigen. Ähnliche Angebote gibt es auch mit kürzeren Laufzeiten, etwa von der Bank 11 oder der Cosmos-Direkt.

Brauchbare Sparbücher

Kündbare Festzinsangebote (und auch die meisten unkündbaren) gibt es erst ab einer Mindesteinlage von 1000 Euro oder mehr. Ein nachträgliches Aufstocken ist in der Regel nicht mehr möglich. Mehr Flexibilität gibt es beim altbekannten Sparkonto. Zinsen gibt es ab dem ersten Euro und jeden Monat sind ohne Kündigung 2000 Euro verfügbar. Attraktive Angebote muss man aber mit der Lupe suchen. Immerhin 1,75 Prozent gibt es beim Sparkonto der Gefa Bank, 1,60 Prozent sind es beim Online-Sparkonto der BMW-Bank. Die Postbank hat ihre Zinsen auf 1,20 Prozent gesenkt. Zinsschwankungen sind nämlich auch beim Sparbuch jederzeit möglich. Insofern sind Anleger mit einem Tagesgeldkonto in aller Regel besser bedient.    

Zu den Vergleichen: Tagesgeld, Festgeld, Wachstumssparen

Quelle: n-tv.de

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