Ratgeber

Ohne Garantiezins zurück zum Erfolg: Die Lebensversicherung wird abgespeckt

In Deutschland gibt es mehr Lebensversicherungen als Einwohner. Viele alte Verträge garantieren den Sparern Zinsen von vier Prozent. Für die Sparer ist das schön, für die Versicherungen ein Problem, das sie nun angehen wollen.

Lebensversicherungen bringen Sparern kaum Rendite. Daher sollten sie sich nach Alternativen umsehen.
Lebensversicherungen bringen Sparern kaum Rendite. Daher sollten sie sich nach Alternativen umsehen.(Foto: dpa-tmn)

Die Tage der Lebensversicherung in ihrer alten Form sind gezählt. Seit Jahrzehnten ist sie das Lieblingsprodukt der deutschen Sparer für die Altersvorsorge, weil sie feste Zinsen für Jahrzehnte garantiert. Für die Versicherungen liegt genau darin das Problem: Denn in Zeiten der Mini-Zinsen an den Kapitalmärkten können sie die früheren Zinsversprechen nur noch mit großen Mühen erfüllen. Jetzt holen die ersten Versicherungen zum Befreiungsschlag aus und specken die Lebensversicherung ab.

Seit Monaten tüfteln sie an neuen Modellen, mit denen sie sich von den Zinsversprechen auf Jahrzehnte befreien können. Als erster Versicherer bringt die Ergo kommende Woche eine Lebensversicherung ohne Garantiezins auf den Markt, kurz darauf will Marktführer Allianz seine Pläne für die Lebensversicherung 2.0 bekannt geben. "Die ganze Branche ist gespannt", sagte der Anlagechef der R+V Versicherung, Uwe Siegmund, bei einer Versicherungstagung in München. Die kleinen Versicherungen warten erstmal ab, was die Allianz vorhat - um dann wohl später nachzuziehen.

Anlage-Notstand allerorten

Für die Branche bleibt die Lebensversicherung ein Verkaufsschlager: Mit rund 90 Millionen Verträgen gibt es mehr Lebensversicherungen in Deutschland als Einwohner. Aus alten Zeiten haben viele Sparer noch Verträge mit einem Garantiezins von vier Prozent in der Schublade, die ihnen die Versicherer nun liefern müssen. "Es gibt schon Gesellschaften, die mit dem Rücken zur Wand stehen", sagt Siegmund. Genau wie die Kleinsparer tun sich auch die Versicherungen derzeit schwer, sichere Geldanlagen mit ordentlichen Renditen zu finden. Gold, Immobilien, Aktien, Windparks? Bei der Tagung in München wurde schnell deutlich, dass es den Königsweg zur Geldvermehrung leider nicht gibt. "Anlage-Notstand" heißt das in der Branche.

Inzwischen liegt der Garantiezins zwar nur noch bei 1,75 Prozent und bringt die Versicherer damit nicht mehr so stark unter Druck. Für die Sparer ist die Lebensversicherung bislang aber immer noch attraktiv, da sie zusätzlich zu dem Zins auch eine Überschussbeteiligung erhalten. Im Schnitt liegt die Gesamtverzinsung nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft bei mehr als 4 Prozent und damit bei vergleichbarer Sicherheit über der anderer Produkte. Ob es dabei bleibt, ist aber ungewiss.

Die Allianz hat schon durchblicken lassen, dass sie in den neuen Lebensversicherungen den Zins nur in den ersten Jahren garantiert und danach je nach Marktlage neu berechnet. "Der Kapitalmarkt hat sich verändert und wir werden auf diese neue Situation auch reagieren", sagte der Vorstandschef der Allianz Deutschland, Markus Rieß, vor wenigen Wochen bei der Ankündigung der neuen Versicherung.

Wie genau die neue Lebensversicherung aussieht, will die Allianz im Juli offenlegen. Zwar ist die neue Lebensversicherung erstmal als Alternative zum klassischen Modell geplant. In der Branche wird aber damit gerechnet, dass die Versicherungen früher oder später vollständig umstellen. Verbraucherschützer sehen dies kritisch, weil die Gesamtleistung einer Lebensversicherung für die Kunden damit unberechenbar werden könnte. Sorgen um die Kunden machen sich die Versicherer aber trotzdem nicht: Denn die Alternativen für die langfristige Geldanlage sind derzeit auch nicht viel besser.

Quelle: n-tv.de

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