Ratgeber

Reaktion auf Zinsflaute: Überschussbeteiligungen purzeln

Von Axel Witte

Mehr als eine Lebensversicherung besitzt jeder Bundesbürger statistisch - rund 90 Millionen Verträge werden von den Deutschen gehalten. Doch ob sich das am Ende der Laufzeit als Geldanlage lohnt, hängt nicht nur von der stetig sinkenden Garantieverzinsung ab, sondern auch von den gewährten Überschussbeteiligungen - aber gerade hier geht es bergab.

Die laufende Verzinsung bei Lebensversicherungen sinkt auf breiter Front.
Die laufende Verzinsung bei Lebensversicherungen sinkt auf breiter Front.(Foto: dpa)

Viele Kapitallebensversicherungen werden in diesem Jahr weniger Rendite abwerfen. Grund sind die sinkenden Überschussbeteiligungen, welche die Versicherer neben der Garantieverzinsung an ihre Versicherten ausschütten. Dabei werden Gewinne der Versicherung teilweise auf die Verträge hinzugerechnet. Die Art und Höhe der Aufteilung des Gewinns obliegt dem jeweiligen Anbieter.

Die Branche reagiert mit den Absenkungen der Überschussbeteiligungen auf die anhaltende Niedrigzinsphase, die es ihr zusehends erschwert, das Geld der Versicherten rentabel anzulegen.  Dabei sind den Assekuranzen vonseiten des Gesetzgebers enge Grenzen gesetzt, wie sie das Geld ihrer Kunden anzulegen haben. Dies muss zumeist in sicheren - und derzeit äußerst niedrigverzinsten - Anleihen erfolgen.   

Noch vor wenigen Jahren konnten so leicht Renditen von über sechs Prozent erzielt werden. Allein der Garantiezins lag vor dem Jahr 2000 bei vier Prozent und belastet heute die Bücher der Konzerne. 

Der Garantiezins für nach 2011 abgeschlossene Lebensversicherungen liegt bei 1,75 Prozent. Zusammen mit der Überschussbeteiligung für 2013 kommt ein Versicherungsnehmer im Durchschnitt wohl nicht über 3,5 Prozent hinaus. So senkt beispielsweise der Branchenprimus Allianz seine Gesamtverzinsung von 4,0 Prozent im Vorjahr auf nun 3,60 Prozent. Und auch Konkurrenten wie die Debeka können nur noch mit einer Verzinsung und Überschüssen von 3,70 Prozent aufwarten. Besonders deutlich fällt die Gesamtverzinsung bei der Ergo. Ganze 0,6 Prozentpunkte lassen die Rendite auf 3,20 Prozent sinken.

Da ein Ende der niedrigen Zinsen nicht in Sicht ist, dürfte es den Versicherern auch in den nächsten Jahren nur schwer möglich sein, ihren Kunden höhere Renditen zu zahlen. Tendenziell wird es bei anhaltender Flaute auf dem Zinsmarkt eher weniger werden. Nur gut, dass bereits gewährte Überschussbeteiligungen aus den Vorjahren nicht mehr revidiert werden können, zumindest bei einem regulären Vertragsverlauf.

Problematisch könnte es für einige Versicherungen werden, Altverträge mit einem hohen Garantiezins zu bedienen - auch wenn dies von der Branche dementiert wird.

Beachten sollten Sparer auch, dass bei der klassischen Form der kapitalbildenden Lebensversicherung nicht der volle Anteil ihrer Beiträge in die Altersvorsorge fließt, sondern eben auch in den Hinterbliebenenschutz. Dieser soll den Todesfall absichern. Hinzu kommen Verwaltungs- und Vertriebskosten sowie Provisionen. Verbraucherschützer halten deshalb diese Form als reine Sparanlage seit jeher für ungeeignet. Mit den derzeitigen Perspektiven dürfte sich daran auch in Zukunft nichts ändern.

Laufende Verzinsung für das Jahr 2013

GesellschaftLaufende Verzinsung 2013 in ProzentVerzinsung 2012 in ProzentVeränderung in Prozent-Punkten
Allianz3,604,00- 0,40
Alte Leipziger3,353,85- 0,50
Axa3,653,80- 015
Debeka3,704,10- 0,40
Ergo3,203,80- 0,60
HUK-Coburg3,754,00- 0,25
Nürnberger4,004,00+ 0,00
WGV3,704,00- 0,30
Württembergische3,253,50- 0,25
Zurich Deutscher Herold3,003,35- 0,35

Quelle: n-tv.de

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