Ratgeber
Montag, 03. März 2014

"Öko-Test" prüft Fahrradanhänger : Drei versagen bei der Sicherheit

Fahrradanhänger sollen den Nachwuchs im Straßenverkehr schützen. Bei einem Test fallen aber gleich drei Modelle wegen gravierender Mängel in der Sicherheitsprüfung durch. Gut schneidet nur einer ab.

Wer nur ein Kind im Anhänger mitnimmt, sollte es möglichst mittig platzieren.
Wer nur ein Kind im Anhänger mitnimmt, sollte es möglichst mittig platzieren.(Foto: Thule)

Früher wurden Fahrradanhänger misstrauisch beäugt, doch inzwischen gehören sie auf Straßen zum Alltagsbild. Kein Wunder, denn für Radfahrer, die auch mit Kind flexibel bleiben wollen, sind sie in der Regel erste Wahl: Anhänger bieten Stabilität und Stauraum und manche Modelle lassen sich bequem zum Buggy umfunktionieren, wenn es nach der Radfahrt noch zu Fuß weitergehen soll. Ein Kindersitz auf dem Rad schafft das nicht. Crashtests zeigen außerdem, dass Kinder im Anhänger im Ernstfall am besten aufgehoben sind. Sicherheitsmängel gibt es aber dennoch, wie eine  Untersuchung von "Öko-Test" zeigt.

Acht Modelle – allesamt klassische Zweisitzer - hat das Verbrauchermagazin zum Test geschickt. Drei davon sind durch die Praxisprüfung gerasselt. Ein "Mangelhaft" gab es etwa für den Doppelsitzer von Kindercar. Bei einem Überschlag könne die Kopffreiheit zu knapp bemessen sein, außerdem sei der Seitenaufprallschutz zu schwach, bemängelten die Tester. Zumindest in letzterem Punkt ist das Testergebnis aber schon überholt: In den Modellen von 2014 sei eine zusätzliche Heckstange verbaut, teilte der Hersteller mit.

Mangelhaft schnitt auch der getestete Kids Tourer ab. Er könnte bei größeren Kindern zu knapp bemessen sein, bei einer 180 Grad-Drehung kam der Kopf des Prüfdummys jedenfalls auf dem Boden auf. Das Modell von Monz hingegen – mit rund 290 Euro mit Abstand das  billigste im Test – erwies sich als nicht sonderlich alltagstauglich. Nicht nur, weil das zulässige Zuladungsgewicht mit 26 Kilo ziemlich gering ausfiel. Die Räder ragten beim Monz deutlich über die sogenannte Ablenkvorrichtung hinaus, deshalb bestehe auch Gefahr, an senkrechten Hindernissen hängenzubleiben, so die Tester. Bei den übrigen Modellen kritisierten die Prüfer unter anderem Gurtschlösser, die sich von Kindern zu leicht öffnen ließen.

Der Sieger ist kein Leichtgewicht

Eine gute Gesamtwertung gab es nur für einen der getesteten Anhänger: Den Chariot Chinook, der sich dank ausklappbarem Vorderrad schnell zum Jogger umbauen lässt. Das ist praktisch, sorgt allerdings für zusätzliches Gewicht: 21 Kilo bringt der Doppelsitzer von Thule auf die Waage, die Konkurrenz ist zwei bis acht Kilo leichter. Im Flachland mag das keine große Rolle spielen, wer in hügeligen Gegenden unterwegs ist, wird leichtere Modelle aber zu schätzen wissen.

Mit rund 1180 Euro ist der Testsieger nicht gerade günstig. Dafür überzeugte er in der Praxisprüfung ebenso wie im Sicherheits- und Komforttest. Außerdem wies er von allen Kandidaten die geringste Schadstoffbelastung auf. Wobei man hier wohl nur vom Einäugigen unter Blinden sprechen kann: Der Chariot kam auf "befriedigend", wo die meisten anderen Hersteller "ungenügend" abschnitten: Im Kids Tourer und im Kindercar fanden sich "erschreckend hohe Werte" von Weichmachern, die im Verdacht stehen, Leber und Nieren zu schädigen. In Kinderspielzeugen sind sie aus gutem Grund verboten. Im Modell von Monz tauchte der Farbstoffbestandteil Anilin auf, er steht unter Verdacht, Krebs zu begünstigen. Andere Anhänger wiesen zum Teil Ersatzweichmacher auf sowie halogenorganische Verbindungen und andere Stoffe, denen man Kinder lieber nicht aussetzen sollte.

Neu ist das Problem nicht: Auch die Stiftung Warentest wies bei ihrem Anhängertest im Jahr 2010 gefährliche Schadstoffe in Sitzpolstern, Griffen oder Sichtfenstern nach. Immerhin, Kindercar hat in den neuesten Modellen PVC verbannt und Thule will die Verwendung bestimmter Schadstoffe durch zusätzliche Tests und strengere Richtlinien eindämmen. 

Nachrüsten geht immer

Nachträglich lassen sich Schadstoffe natürlich nicht mehr entfernen. Ansonsten kann man bei Mängeln mitunter nachrüsten, etwa durch den Einbau einer Rückleuchte. Auch wenn man den Anhänger als Buggy oder Jogger verwenden will, kann man Zubehör in aller Regel zukaufen, genauso wie zusätzlichen Sonnenschutz. Kann das Kind noch nicht alleine sitzen, braucht man auf jeden Fall eine Babyschale.

Auch im Anhänger sollten Kinder einen Helm tragen, das gilt es auch beim Probesitzen zu beachten. Wichtig ist es außerdem, die Passagiere anzugurten. Kinder ab sieben Jahren dürfen nicht mehr im Anhänger mitfahren, für behinderte Kinder gilt keine Altersgrenze. Die Person auf dem Rad muss mindestens 16 Jahre alt sein, das schreibt die Straßenverkehrsordnung vor. Neben dem Anhänger sollte natürlich auch das Rad straßentauglich sein: Besonders wichtig sind gut funktionierende Bremsen, auch ein Rückspiegel sollte zur Ausstattung gehören. Wer ein Pedelec als Zugfahrrad einsetzen will, darf dies nur, solange die Batterie nur Geschwindigkeiten bis zu 25 km/h unterstützt. An schnellere E-Bikes  mit Kennzeichenpflicht darf kein Anhänger gekoppelt werden.

Quelle: n-tv.de

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