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Flächendeckende Datensammlung: Easycash kein Einzelfall

Wer in Deutschland per Unterschrift bezahlt, landet unweigerlich im System eines Kartendienstleisters. Dort werden weit mehr Daten gespeichert, als Verbraucherschützer für zulässig halten. Dazu gehören Informationen darüber, wann, wo und für wieviel Geld eingekauft wurde.

Wer anonym bleiben will, muss bar zahlen.
Wer anonym bleiben will, muss bar zahlen.(Foto: picture alliance / dpa)

Easycash ist ins Visier von Verbraucherschützern geraten, doch Daten zu Kartenzahlungen werden in Deutschland offenbar nahezu flächendeckend gesammelt. Neben dem Marktführer bieten auch mindestens zwei weitere Betreiber von EC-Kartennetzen Analysen zur Bonität des Kunden an, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet. Easycash war in die Kritik geraten, da das Unternehmen Angaben zu Betrag, Zeitpunkt und Ort von Transaktionen speichert. Auf Grundlage dieser Daten sollen Empfehlungen für Vertragsunternehmen im Hinblick auf die Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit des Karteninhabers erstellt werden.

Entscheidung an der Kasse

Ob ein Kunde per Unterschrift mit PIN-Eingabe bezahlt, entscheidet sich bei vielen Händlern erst, wenn die Karte im Lesegerät steckt. Dann wird in Sekundenschnelle ein Abgleich mit der Datenbank des Kartensystems durchgeführt. Und hier liegt der Knackpunkt: Anders als beim teuren PIN-Verfahren, wo lediglich geprüft wird, ob genug Geld auf dem Konto ist, werden beim elektronischen Lastschriftverfahren (ELV) umfangreiche Informationen zum Zahlungsverhalten ausgewertet. Relevant sind nicht nur die Sperrdateien, in denen die geplatzten Lastschriften verzeichnet sind, sondern auch die sogenannte White-List. Sie enthält Informationen darüber, wie häufig die Karte eingesetzt wird und welche Summen dabei umgesetzt werden. Nach Informationen der "Rundschau" stehen beispielsweise beim Zahlungsdienstleister "Intercard" 75 Prozent der Karten, mit denen bezahlt wird, auf der Positivliste.

"Schweinerei" und "Skandal"

Dieses Datensammlungsverfahren wird bei mindestens drei Kartendienstleistern angewendet und zum Teil auch offen beworben. Verbraucherschützern geht diese Art der Datenerfassung und -auswertung zu weit. Beim Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) spricht man von einem Skandal. "Es geht hier um sensible Daten. Verbraucher müssen die Möglichkeit zum Widerspruch haben", fordert vzbv-Vorstand Gerd Billen. Der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, empörte sich in der der "Mitteldeutschen Zeitung" über die "Schweinerei". Die Daten würden in einer Art und Weise ausgewertet, die nicht einmal von der Einwilligungserklärung, die ebenfalls unzulässig sei, abgedeckt werde. Was mit den Daten passiere, sei "absolut nebulös". Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger forderte eine grundsätzliche Reform der Datenschutz-Richtlinien.

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Quelle: n-tv.de

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