Ratgeber

Wenn der Dienstwagen teuer kommt: Ein-Prozent-Regel wird geprüft

von Isabell Noé

Wer einen Firmenwagen fährt, muss die private Nutzung versteuern. Mindestens ein Prozent des Listenpreises wird Monat für Monat als geldwerter Vorteil berechnet. Und das auch dann, wenn das Fahrzeug tatsächlich viel weniger gekostet hat. Der Bundesfinanzhof prüft derzeit, ob das Verfahren rechtens ist.

Der Passat gehört zu den beliebtesten Dienstwagen.
Der Passat gehört zu den beliebtesten Dienstwagen.(Foto: n-tv.de/Busse)

Weit mehr als die Hälfte aller Neuwagen wurden im letzten Jahr auf Unternehmen zugelassen. Ein Teil sind Tageszulassungen der Händler, um Fahrzeuge anschließend billiger verkaufen zu können. Ein anderer Teil sind Firmenwagen, die allerdings selten rein geschäftlich gefahren werden: 60 bis 70 Prozent der Autos werden auch privat genutzt. Nicht nur auf höheren Führungsebenen gehört der eigene Dienstwagen zum guten Ton. In vielen Firmen ist der Firmenwagen ein fester Gehaltsbestandteil. Der Deal: Der Arbeitgeber überlässt dem Mitarbeiter ein Auto und übernimmt mitunter auch die Kosten für Versicherung, Steuern und Wartung. Sofern der Wagen auch privat gefahren wird – und davon geht der Fiskus aus – muss der Arbeitnehmer allerdings den geldwerten Vorteil versteuern.

Um nachzuweisen, in welchem Rahmen das Fahrzeug privat genutzt wird, bietet sich ein Fahrtenbuch an. Das zu führen ist aber mit einigem Aufwand verbunden. In der Praxis hat sich deshalb die Ein-Prozent-Regel durchgesetzt: Für jeden Monat setzt das Finanzamt pauschal 1 Prozent des Bruttolistenpreises des Fahrzeugs an. Wird das Auto an mindestens 47 Tagen im Jahr für Fahrten zur Arbeit genutzt, fallen pro Entfernungskilometer weitere 0,03 Prozent an. Wer beispielsweise 15 Kilometer ins Büro fährt, muss insgesamt 1,45 Prozent des Bruttolistenpreises im Monat zusätzlich als Einkommen versteuern.

Rabatte sind die Regel

Die Ein-Prozent-Regelung ist für Arbeitnehmer praktisch, führt aber dennoch bisweilen zu Irritationen. Knackpunkt ist die Berechnungsgrundlage, der vom Hersteller angegebene Bruttolistenpreis zuzüglich Sonderausstattung. Dieser Listenpreis entspricht aber fast nie dem Preis, der tatsächlich im Handel aufgerufen wird. Rabatte sind bei fast allen Herstellern die Regel. So wird fast jeder zweite Porsche als Tageszulassung mit deutlichem Rabatt verkauft, bei VW macht der Anteil 30 Prozent aus, wie jüngst eine Analyse des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen ergab. Und auch abseits dieser taktischen Zulassungen haben Händler und Hersteller Rabatt-Spielraum. Gibt es keinen Preisnachlass, so doch wenigstens kostenlose Extras wie Navi oder Standheizung.

Doch auch all diese Ausstattungsmerkmale werden müssen in die Berechnungsgrundlage fürs Finanzamt eingerechnet werden – auch wenn sie der Arbeitgeber gar nicht bezahlt hat. Und selbst wenn sich der Arbeitnehmer für einen günstigen Gebrauchtwagen entscheidet, erfolgt die Berechnung des geldwerten Vorteils über den Listenneupreis zuzüglich Mehrwertsteuer. Gerade erst hat das Niedersächsische Finanzgericht diese Vorgehensweise für rechtmäßig erklärt. Geklagt hatte der Geschäftsführer einer GmbH, der ein gebrauchtes Leasingfahrzeug fuhr. Neupreis laut Liste: 81.400 Euro, tatsächlicher Gebrauchtwagenwert: 32.000 Euro. Dennoch musste der Mann 814 Euro im Monat extra versteuern.

Gesetzgeber zu träge?

Auch wenn es nicht an die große Glocke gehängt wird: Kaum ein Auto wird zum Listenpreis verkauft.
Auch wenn es nicht an die große Glocke gehängt wird: Kaum ein Auto wird zum Listenpreis verkauft.

Nach Abschaffung des Rabattgesetzes und der Zugabeverordnung sei der Gesetzgeber eigentlich verpflichtet gewesen, die Bemessungsgrundlage unter Berücksichtigung der allgemeinen Marktentwicklung im Kfz-Handel anzupassen, argumentierte der Mann. Es müssten zumindest die durchschnittlichen Rabattzuschläge von 20 Prozent einbezogen werden. Das Finanzgericht sah das jedoch anders, auch weil die tatsächlichen Rabatte von zahlreichen Sonderfaktoren, etwa der Verkäuflichkeit, abhängig seien. (Az.: 9 K 394/10)

Endgültig entschieden ist die Sache aber noch lange nicht: Der Bund der Steuerzahler (BdSt) hat die Musterklage des Mannes nun vor den Bundesfinanzhof (BFH) gebracht (Az.: VI R 51/11). Wann der entscheidet, ist aber nicht abzusehen: "Das kann einige Monate dauern, vielleicht aber auch zwei Jahre", sagt Isabel Klocke vom BdSt gegenüber n-tv.de. Bis es so weit ist, können sich die Betroffenen aber ihre eventuellen Ansprüche sichern. "Dazu müssen sie den Steuerbescheid mit einem Einspruch anfechten und ein Ruhen des Verfahrens beantragen, bis die Frage höchstrichterlich geklärt ist", so Klocke. Einen entsprechenden Musterbrief kann man beim BdSt anfordern.

Nachrüsten lohnt sich

Für alle, denen es lediglich um die Sonderausstattung des Fahrzeugs geht, gibt es aber noch einen anderen Tipp: Nachrüsten. Im vergangenen Februar hat der BFH nämlich genau definiert, was unter Sonderausstattung zu verstehen ist, nämlich die "werkseitig zusätzlich eingebaute Ausstattung im Zeitpunkt der Erstzulassung" (Az.: VI R 12/09). Das heißt: Am Tag nach der Zulassung kann man beispielsweise auf Firmenkosten eine Flüssiggasanlage einbauen lassen oder den Wagen zu einem Tuning-Dienstleister bringen, ohne dass das die Steuerlast erhöht.

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Quelle: n-tv.de

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