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Kind lässt sich mit Ausbildung Zeit: Eltern müssen trotzdem zahlen

Drei Jahre hält sich eine Realschulabsolventin mit Jobs und Praktika über Wasser, bevor sie endlich einen Ausbildungsplatz findet. Doch dann verweigert ihr der Vater den Ausbildungsunterhalt. Die junge Frau sei nicht zielstrebig vorgegangen. Jetzt entscheidet der BGH über den Fall.

Bewerber mit schwachem Schulabgangszeugnis seien verstärkt darauf angewiesen, durch Motivation und Interesse an dem Berufsbild zu überzeugen, so der BGH.
Bewerber mit schwachem Schulabgangszeugnis seien verstärkt darauf angewiesen, durch Motivation und Interesse an dem Berufsbild zu überzeugen, so der BGH.(Foto: picture alliance / dpa)

Eltern müssen ihren volljährigen Kindern eine Ausbildung finanzieren. Doch was, wenn der Nachwuchs dabei die nötige Zielstrebigkeit vermissen lässt? Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Pflicht von Eltern zum Ausbildungsunterhalt jetzt präzisiert. Zahlen müssen die Eltern demnach auch dann, wenn zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn drei Jahre liegen, in denen das Kind seinen Lebensunterhalt selbst bestritten und wegen schlechter Schulnoten zunächst Berufspraktika absolviert hat (Az: XII ZB 220/129).

Eltern müssen ihren Kinder eine Erstausbildung aber nicht in jedem Fall und auch nicht ewig finanzieren: Der Elternpflicht steht laut BGH die "Obliegenheit" der Kinder gegenüber, ihre Ausbildung planvoll und zielstrebig aufzunehmen und sie in angemessener Zeit zu beenden. Demnach müssen Eltern keinen Ausbildungsunterhalt mehr zahlen, wenn ihre Sprösslinge sich etwa beim Studium zu viel Zeit lassen oder die Ausbildung abbrechen, um eine andere in einer anderen Branche zu beginnen.

Über Umwege zur Ausbildung

Im nun entschiedenen Fall billigte der BGH einer jungen Frau eine Verzögerung des Ausbildungsbeginns von drei Jahren zu. Sie hatte 2007 die mittlere Reife erworben, mit einem Notendurchschnitt von 3,6. Danach arbeitete sie zunächst als ungelernte Kraft und leistete Praktika, teils in der Hoffnung, dadurch einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Im August 2010 begann sie eine Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin. Ihr Vater, der von der Mutter geschieden lebt, wollte nun aber keinen Unterhalt mehr zahlen. Schließlich habe die Tochter bereits gearbeitet und sei in ihrer Ausbildung nicht zielstrebig vorgegangen

Der BGH sah das anders und verurteilte den Vater, für die Zeit der Ausbildung einen Unterhalt von rund 220 Euro monatlich zahlen. Trotz der dreijährigen Verzögerung habe das Kind nicht zwangsläufig gegen die Obliegenheit verstoßen, die Ausbildung planvoll und zielstrebig aufzunehmen. Die junge Frau habe schließlich während der drei Jahre in der Hoffnung auf einen Arbeitsplatz Praktika absolviert und sich die gesamte Zeit über mit Aushilfstätigkeiten selbst finanziert.

Zudem sind nach Auffassung des BGH Bewerber mit einem schlechten Schulabgangszeugnis "verstärkt darauf angewiesen, durch Motivation und Interesse an dem Berufsbild zu überzeugen". Dies könne auch durch vorgeschaltete Berufsorientierungspraktika oder über eine zunächst ungelernte Aushilfstätigkeit gelingen.

Quelle: n-tv.de

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