Ratgeber

Eigenhändiges Testament : Erblasser muss selbst schreiben

Der "Letzte Wille" kann so manches enthalten. Wenn er nicht vom Notar, sondern vom Erblasser selbst verfasst wurde, muss er allerdings auch von diesem aufgeschrieben werden - und zwar ausschließlich mit der eigenen Hand.

Ein selbst verfasstes Testament muss nicht nur der eigenen Feder entstammen - es durfte auch nur mit der eigenen Hand zu Papier gebracht werden.
Ein selbst verfasstes Testament muss nicht nur der eigenen Feder entstammen - es durfte auch nur mit der eigenen Hand zu Papier gebracht werden.

Ein eigenhändiges Testament muss vom Erblasser selbst angefertigt werden. Dabei kann er sich beim Verfassen durchaus ein wenig helfen lassen. Allerdings darf die Hand des Erblassers beim Schreiben nicht durch eine andere Person geführt werden. Denn für ein gültiges eigenhändiges Testament verlange das Gesetz eine unbeeinflusste Schreibleistung des Erblassers. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden, wie die Rechtsanwaltkammer Oldenburg mitteilt.

In dem verhandelten Fall hatte ein Erblasser zwei Monate vor seinem Tod ein Testament geschrieben. Die bedachten Verwandten hatten deshalb einen Erbschein beantragt. Die dazu durchgeführte Beweisaufnahme ergab allerdings, dass ein Zeuge dem seinerzeit bereits geschwächten Erblasser beim Schreiben des Testaments geholfen hatte. Der Zeuge konnte bei seiner Aussage vor Gericht eine eigene Schreibleistung des Erblassers nicht sicher bestätigen.

Das Gericht befand das Testament daher für unwirksam. Denn nach Ansicht der Richter setzt eine Eigenhändigkeit zwingend voraus, dass der Erblasser die Testamentsniederschrift selbst angefertigt habe. Die zwingende Eigenhändigkeit kann nicht dadurch ersetzt werden, dass der Erblasser sich eines Dritten als Werkzeug bedient oder diesen ermächtigt, die letztwillige Verfügung niederzuschreiben. Durch Dritte hergestellte Niederschriften sind deshalb selbst dann unwirksam, wenn sie in Anwesenheit des Erblassers nach dessen Willen und Weisungen angefertigt und von ihm unterschrieben worden sind. Dasselbe gilt, wenn dem Erblasser die Hand geführt wird und dadurch die Schriftzüge von einem Dritten geformt werden.

Eine unterstützende Schreibhilfe soll danach allerdings zulässig sein, solange der Erblasser die Schriftzeichen selbst formt. Die Niederschrift und die Unterschrift müssen vom Willen des Erblassers abhängen; sie dürfen nicht von einem anderen durch Führen der Hand des Testierenden ohne dessen Willen hergestellt werden. Wenn es sich um eine zulässige Unterstützung handelt, bleibt es ohne Bedeutung, ob der Erblasser seine gewöhnlichen Schriftzüge zustande bringt oder seine Unterschrift lesbar ist.  Kann der Erblasser bei der Abfassung des Testamentes überhaupt nicht mehr aktiv mitwirken, ist er nicht mehr schreibfähig. Von einer Eigenhändigkeit kann in diesem Fall nicht mehr die Rede sein, urteilte das Gericht.

Quelle: n-tv.de

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