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Versicherung für alle teurer?: EuGH verlangt Unisex-Tarife

Ob Privatrente oder Kfz-Haftpflicht - viele Versicherungen sehen unterschiedliche Prämien für Männer und Frauen vor. Bis Ende 2012 ist damit Schluss, Versicherer müssen einheitliche Tarife anbieten. Noch ist unklar, ob die Prämien nun für beide Geschlechter steigen.

Frauen und Männer sollen künftig auch bei der Versicherung gleichgestellt sein.
Frauen und Männer sollen künftig auch bei der Versicherung gleichgestellt sein.(Foto: © Thommy Weiss)

Bei der Versicherung müssen Frauen den Männern gleichgestellt sein: Ihre Beiträge dürfen sich nicht nach dem Geschlecht richten. Versicherungskonzerne müssen künftig Unisex-Tarife anbieten. Das hat jetzt der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden (Rechtssache C-236/09). Die bislang übliche Berücksichtigung des Geschlechts als "Risikofaktor" für Versicherungsbeiträge diskriminiere Frauen und sei deswegen ungültig. Die Richter geben der Branche eine Frist für die Umstellung bis 21. Dezember 2012. Nach dem Urteil könnten die Tarife für alle Versicherten teurer werden, warnt die Branche. Die EU-Kommission und Verbraucherschützer begrüßten dagegen das Urteil.

Nach dem EU-Recht müssen Männer und Frauen grundsätzlich gleich behandelt werden, doch bislang gibt es bei Versicherungen Ausnahmeklauseln. So werden Versicherungstarife nach dem statistischen Risiko kalkuliert. Dabei spielt das Geschlecht häufig eine zentrale Rolle. Weil Frauen statistisch gesehen einige Jahre älter als Männer werden, zahlen sie zum Beispiel höhere Beiträge für eine private Rentenversicherung. Umgekehrt bezahlen Frauen weniger für die Kfz-Versicherung, weil sie weniger Unfälle verursachen. Nach Ansicht der obersten europäischen Richter läuft die bei Versicherungen übliche Ausnahmeregel "der Verwirklichung des Ziels der Gleichbehandlung von Frauen und Männern zuwider und ist daher nach Ablauf einer angemessenen Übergangszeit als ungültig anzusehen."

Kein Grund zur Kündigung

Ob auch bestehende Altverträge künftig ungültig sind, ließen die Richter offen. Klar ist, dass nach dem Stichtag keine Neuverträge mit Ausnahmeklausel mehr erlaubt sind. "Auch in nächster Zeit sollten Versicherte keine Neuverträge mehr mit dieser Klausel abschließen", sagte ein Gerichtssprecher. Auch Verbraucherschützer raten, laufende Versicherungen nicht vorzeitig zu kündigen, da für jeden neuen Vertrag Abschlusskosten anfallen und die neuen Tarifstrukturen noch nicht feststehen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin begrüßte das Urteil, befürchtet allerdings, dass die Tarife nun zunächst für alle teurer werden könnten. "Frauen und Männer werden nun nicht mehr in statistische Sippenhaft genommen", sagte vzbv-Versicherungsreferent Lars Gatschke. Stärkeren Einfluss als das einfach zu erhebende Geschlecht hätten andere Faktoren wie Lebensgewohnheiten oder ein mögliches Suchtverhalten. Sollte es zu Beitragsanhebungen kommen, müssten die Aufsichtsbehörden genau hingucken. Falls höhere Überschüsse anfallen sollten, müssten sie zu 90 Prozent bei den Verbrauchern landen.

Die Versicherungsbranche kritisierte die Entscheidung. Der Europäische
Versicherungsverbund CEA sprach von "schlechten Nachrichten für die Versicherten". Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erklärte, im Schnitt würden die Beiträge steigen, weil der Geschlechtermix als neues Risiko in die Kalkulation eingehe.

Quelle: n-tv.de

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