Ratgeber

Das kann nach hinten losgehen: Fallen für Ebay-Verkäufer

von Isabell Noé

Früher hat man Dinge, die man nicht mehr brauchte, auf den Flohmarkt gebracht oder im örtlichen Kleinanzeigenblatt inseriert. Dann kam Ebay. Dann kamen die Juristen und die Abmahner. Dabei ist das Versteigern im Netz eigentlich nicht besonders kompliziert: Wer sich an die wichtigsten Regel hält, bleibt von bösen Überraschungen verschont.

Für gewerbliche Händler gelten sehr viel strengere Regeln als für Privatverkäufer. Die Abgrenzung ist allerdings mitunter schwierig.
Für gewerbliche Händler gelten sehr viel strengere Regeln als für Privatverkäufer. Die Abgrenzung ist allerdings mitunter schwierig.

Jeder Ebay-Kunde weiß, wie wichtig eine gute Angebotsbeschreibung ist. Wer die Ware vorher nicht in Augenschein nehmen kann, der will wenigstens gute Bilder und eine ausführliche Darstellung, insbesondere wenn es um gebrauchte Ware geht. Auch der Verkäufer, der sein altes Rennrad verkaufen will, gibt sich reichlich Mühe mit der Beschreibung, zählt jeder Bauteil einzeln auf und vergisst nicht einmal die Marke der Kettenblattschrauben zu erwähnen. Der Interessent freut sich über so viel Detailverliebtheit, scrollt herunter und wundert sich über den Hinweis am Ende des Textes: "Die Beschreibung habe ich kopiert diese ist leider falsch also bitte auf Fotos schauen und nicht auf die Beschreibung!"

Was der Verkäufer wahrscheinlich nicht ahnt: Mit diesem Zusatz liefert er das Eingeständnis einer Urheberrechtsverletzung. Eine von diversen Fallen, in die private Ebay-Verkäufer tappen können. Wer Ware zu Geld machen will, der sollte sich also zuerst mit der Rechtslage vertraut machen.

Darf man fremde Bilder und Texte verwenden?

Die Kamera ist gerade nicht zur Hand? Da liegt es nahe, sich im Netz nach anderen Bildern des Artikels umzusehen. Manchmal findet man sie beim Hersteller, manchmal auch bei anderen Ebay-Verkäufern. Das Problem: Verwenden darf man in der Regel weder die einen noch die anderen, denn Fotos sind urheberrechtlich geschützt, sobald eine gewisse "Schöpfungshöhe" erreicht ist. Bei Gegenstandsfotos, erst Recht bei solchen, die professionell erstellt wurden, ist das in aller Regel der Fall. Wer sie dennoch verwendet, riskiert eine Abmahnung vom Urheber und gegebenenfalls auch die Forderung nach Schadensersatz. Läuft die Ebay-Auktion noch, kann der Rechteinhaber das Angebot löschen lassen. Doch Wochen nachdem der Artikel verkauft wurde, kann noch teure Post vom Anwalt blühen.

Drag & Drop ist aber nicht nur bei Bildern problematisch. Auch für Texte gilt Urheberschutz und auch hier gilt die "Schöpfungshöhe" als Maßstab. Lässt ein Text ein gewisses Maß an Individualität erkennen, dann darf er nicht kopiert werden. Werden bloß einige wenige technische Daten aufgezählt, ist das noch nicht unbedingt der Fall. Auch Texte, mit denen der  Hersteller für sein Produkt wirbt, kann man in der Regel getrost verwenden, sollte das zur Sicherheit aber kenntlich machen. Wer jedoch einfach die selbst verfasste Artikelbeschreibung eines anderen Ebay-Nutzers kopiert, kann sich Ärger einhandeln – auch wenn der Text nicht sehr lang ist.

Um Urheberrechtsverletzern auf die Schliche zu kommen, reicht bei Texten manchmal schon eine Google-Anfrage. Bilder lassen sich über den Ebay-Bilderservice mit einem individuellen Wasserzeichen kennzeichnen.   

Was sollte nicht in der Beschreibung stehen?

"Handtasche im Chanel-Stil", "Mountainbike ähnlich Cannondale" oder "Samsung no iPhone" – wer sich mit solchen Überschriften in die Ergebnislisten mogelt, muss damit rechnen, das Ebay das Angebot löscht. Denn diese Art der Manipulation von Suchergebnissen ist unerwünscht. Gewerbliche Anbieter, die sich solcher Vergleiche bedienen, müssen zudem mit einer Abmahnung rechnen. Denn  allein die Nennung eines bekannten Namens, um ein No Name-Produkt zu verkaufen, kann als Markenrechtsverletzung ausgelegt werden. Gegen rein private Händler dürfen keine markenrechtlichen Ansprüche geltend gemacht werden. Hier monieren Abmahnanwälte Verstöße gegen das Urheberrecht.

Was muss im Haftungsausschluss stehen?

Garantie, Umtausch oder Rückgabe – im Disclaimer schließen Privatverkäufer Vieles aus und vergessen dabei mitunter das einzig Wichtige: Die Gewährleistung. Die Garantie ist eine freiwillige Leistung und  Rückgaberechte müssen nur gewerbliche Verkäufer im Rahmen des Fernabsatzgesetzes einräumen. Die Gewährleistung gilt dagegen für jeden Händler, egal ob gewerblich oder privat: Bei mangelhafter Ware kann der Käufer auf Reparatur oder Umtausch bestehen oder vom Kaufvertrag zurücktreten. Bei gebrauchten Waren darf die zweijährige Gewährleistungszeit auf ein Jahr beschränkt werden. Privatverkäufer haben die Möglichkeit, die Gewährleistung ganz auszuschließen. Sie müssen dann allerdings auch in der Angebotsbeschreibung deutlich darauf hinweisen. Wer die Gewährleistung mit Garantie verwechselt, kann Probleme kriegen. Und wer als Verkäufer einen Mangel absichtlich verschweigt oder die Ware falsch beschreibt, muss sie trotz Gewährleistungsausschluss zurücknehmen.     

Wann ist man gewerblicher Verkäufer?

Für Privatverkäufer gelten lockerere Regeln als für gewerbliche Händler. Letztere müssen nicht nur Gewährleistungsansprüche einräumen, sondern auch Widerrufsbelehrungen verwenden, ein Impressum angeben, Mehrwertsteuer ausweisen und gültige allgemeine Geschäftsbedingungen aufstellen. Wer hier schlampt, hat wegen Wettbewerbsverstößen schnell die Abmahn-Anwälte der Konkurrenz am Hals. Die treten allerdings auch bei Privatverkäufern auf den Plan, wenn sie vermuten, dass ein gewerblicher Handel dahintersteckt.

Die Grenzen sind nicht genau festgelegt. Die bloße Menge der Auktionen ist kein alleiniges Indiz, wer etwa seinen Kleiderschrank ausmistet oder den Haushalt seiner verstorbenen Großeltern auflöst, kann trotz zeitweilig vieler Inserate ein Privatverkäufer bleiben. Umgekehrt kann ein gewerblicher Handel auch schon bei weniger als zehn Aktionen im Monat vorliegen, wenn ähnliche Artikel verkauft werden, insbesondere wenn es sich dabei um Neuware handelt. Wer Ware extra dafür einkauft, um sie bei Ebay mit Gewinn wieder loszuschlagen, handelt auf jeden Fall gewerblich – auch wenn die Ebay-Einkünfte nur ein Zubrot sind. 

Was, wenn die Ware nicht beim Käufer ankommt?

Gewerbliche Verkäufer haften solange, bis die Ware beim Kunden ankommt. Bei Privatverkäufen trägt dagegen der Käufer das Versandrisiko. Geht das Paket unterwegs verloren oder wird der Inhalt beschädigt, hat er keinen Anspruch auf Rückerstattung des Kaufpreises. Nur wenn der Verkäufer bei der Verpackung geschlampt hat, kann der Käufer Schadensersatz verlangen. Auf der sicheren Seite ist man als Verkäufer, wenn man optional auch einen versicherten Versand anbietet. Bei hochpreisigen Artikeln ist eine zusätzliche Transportversicherung sinnvoll.

Quelle: n-tv.de

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