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Zweitwohnung nahe am Zuhause: Finanzamt muss Kosten anerkennen

Wer in die Nähe seines Arbeitsplatzes zieht, kann die Kosten für die doppelte Haushaltsführung von der Steuer absetzen. Wenn die Zweitwohnung näher am Familienwohnsitz liegt als an der Arbeitsstätte macht das Finanzamt aber möglicherweise Ärger. Zu Recht?

Entscheidend ist nicht so sehr die Entfernung, sondern die Fahrzeit.
Entscheidend ist nicht so sehr die Entfernung, sondern die Fahrzeit.(Foto: dpa)

Eine beruflich begründete doppelte Haushaltsführung kann auch dann vorliegen, wenn die Zweitwohnung näher am Familienwohnsitz liegt als an der Arbeitsstätte. Das hat das Finanzgericht Münster entschieden. Rechtskräftig ist das Urteil aber noch nicht (Az. VI R 59/13).

Der Kläger ist als Professor an einer Universität beschäftigt. Mit seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern lebt er etwa zwei Stunden von seiner Arbeitsstätte entfernt. Zunächst hatte sich der Mann eine Zweitwohnung in der Nähe der Universität genommen. Später zog er in eine andere Wohnung um - 83 Kilometer von der Universität entfernt, aber nur 47 Kilometer vom Familienwohnsitz.

Das Finanzamt wollte daraufhin die Kosten für die doppelte Haushaltsführung nicht mehr anerkennen. Die Zweitwohnung könne aufgrund der zu großen Entfernung nicht als Wohnung am Beschäftigungsort angesehen werden könne. Die Entfernung zur Familienwohnung sei für die Wahl der Zweitwohnung zumindest mitbestimmend gewesen. Dagegen wandte der Kläger ein, dass die Zweitwohnung besonders verkehrsgünstig gelegen sei und er die Universität innerhalb von 50 Minuten erreichen könne. Darüber hinaus verfüge sein neuer Wohnort auch über in seinem Fachbereich sehr gut ausgestattete Bibliotheken, die er drei bis fünf Mal pro Monat aufsuche.

Entfernung muss zumutbar sein

Das Gericht konnte er damit überzeugen. Für eine aus beruflichem Anlass begründete doppelte Haushaltsführung sei es erforderlich, dass der Arbeitnehmer "am Beschäftigungsort" wohne. Hierfür sei aber nicht eine Wohnung in der Gemeinde der Arbeitsstätte erforderlich. Es reiche aus, dass die Wohnung in deren Einzugsgebiet liege. Maßgeblich sei, dass der Arbeitsplatz von dort aus in zumutbarer Weise täglich aufgesucht werden könne, was bei einer Fahrzeit von 50 Minuten pro Strecke trotz der Entfernung von 83 Kilometer der Fall sei. Da der Kläger überdies auch die vor Ort liegenden Bibliotheken beruflich nutze, komme dem Umstand der günstigen Lage zum Familienwohnsitz kein überlagerndes Gewicht mehr zu. Über den Fall muss jetzt noch der Bundesfinanzhof entscheiden.

Quelle: n-tv.de

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