Ratgeber
Montag, 17. Februar 2014

Chef, ich will mehr Geld : Gehaltsverhandlung im Frühjahr führen

Über Geld spricht man nicht, heißt es. Vielen fällt es schwer, eine Gehaltserhöhung einzufordern. Neben dem richtigen Zeitpunkt kommt es dabei vor allem auf gute Argumente an.

Nur wer sich vorher über seinen Marktwert informiert hat, kann standfest in die Gehaltsverhandlungen treten.
Nur wer sich vorher über seinen Marktwert informiert hat, kann standfest in die Gehaltsverhandlungen treten.

Vorher plagen einen schlaflose Nächte, und währenddessen haben viele feuchte Hände: Es gibt Gespräche im Arbeitsleben, die machen keinen Spaß. "Gehaltsverhandlungen sind der Horror", sagt Karriereberater Jürgen Hesse aus Berlin. Doch wer nicht jahrelang zum gleichen Lohn arbeiten will, muss sie notgedrungen führen. Nur wie lassen sich die eigenen Forderungen am Besten durchsetzen?

Ein realistischer Zeitraum, um mehr Gehalt zu fordern, ist alle 18 Monate bis zwei Jahre. Voraussetzung ist allerdings, dass Mitarbeiter in dieser Zeit ihre Leistung gesteigert haben, erklärt Martin Wehrle, Karriereberater aus Appel bei Hamburg. Die Tatsache allein, dass Beschäftigte wieder 18 Monate länger für eine Firma gearbeitet haben, sei noch kein Erhöhungsgrund.

Den Löwen in Stimmung bringen

Ein sehr guter Zeitpunkt für das Gespräch ist das Frühjahr. Die meisten Mitarbeiter forderten zum Jahresende mehr Gehalt, erläutert Hesse. Die eigene Forderung dann zu stellen, wenn nicht gleichzeitig noch viele andere vorstellig werden, sei psychologisch klüger. Allerdings gibt es auch Ereignisse, bei denen Mitarbeiter von einer Gehaltsverhandlung besser absehen. Das ist etwa der Fall, wenn ein wichtiger Kunde abgesprungen ist.

Das Gespräch beginnen Angestellte am besten mit Small Talk. "Man muss den Löwen in Stimmung bringen", empfiehlt Hesse. Dann kommt es vor allem auf die Argumente an. Gut ist, wenn Mitarbeiter die Vorteile ihrer Arbeit für die Firma betonen. Haben Beschäftigte Geld gespart? Haben sie mehr Verantwortung übernommen?

Drei Fallstricke sollten Arbeitnehmer vermeiden: "Jammern, dass alles teurer geworden ist, auf Kosten anderer argumentieren und dem Chef drohen", zählt Hesse auf. Stattdessen kommt es auf realistische Forderungen an. "Man muss immer etwas höher pokern, um das zu bekommen, was man will. Aber nicht zu hoch, dass der Chef verärgert ist", rät Hesse. Eine gute Größe sei eine Erhöhung etwa um drei Prozent des Bruttojahresgehalts. Alles jenseits der fünf Prozent sei hingegen unwahrscheinlich.

Dienstwagen, Smartphone und anderes

Doch es muss nicht immer Geld sein, über das Vorgesetzter und Mitarbeiter verhandeln können. "Es gibt eine Reihe von Dingen, die der Chef seinem Angestellten zugutekommen lassen kann, ohne dass der Fiskus zuschlägt", sagt Isabel Klocke. Sie ist Abteilungsleiterin Steuerrecht und Steuerpolitik beim Bund der Steuerzahler in Berlin. Ein Dienstwagen oder ein Smartphone - das sind nur einige der steuerfreien Zuwendungen, von denen Arbeitnehmer profitieren. Auch sogenannte Sachzuwendungen wie Benzin- oder Essensgutscheine können eine nette Beigabe sein. "Sie sind aber nur bis 44 Euro pro Monat steuerfrei", sagt Klocke. Vorsicht sei hingegen geboten bei Zuschüssen etwa zur privaten Vorsorge. Das könne als verkappter Lohn gesehen werden und müsse versteuert werden. Bleibt das Problem, dass Beschäftigte bei der Gehaltsverhandlung keinen Erfolg haben und ein "Nein" vom Chef kassieren. Dann gilt es dranzubleiben. Mitarbeiter sollten nachfragen, was erforderlich ist, damit sie mehr Gehalt bekommen. Nach einem vereinbarten Zeitraum können sie dann erneut vorstellig werden.

Literatur:

Jürgen Hesse/Hans-Christian Schrader: Die 100 wichtigsten Tipps für die erfolgreiche Gehaltsverhandlung, Stark Verlag 2012, 9,95 Euro, ISBN-13: 978-3866686014.

Martin Wehrle: Geheime Tricks für mehr Gehalt: Ein Chef verrät, wie Sie Ihren Chef überzeugen, Goldmann 2013, 9,99 Euro, ISBN-13: 978-3442174287.

Quelle: n-tv.de

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