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Im beliebten Adidas Schuh "Predator" wurden 14,5 Mikrogramm pro Quadratmeter der besonders gefährlichen PFC-Substanz PFOA nachgewiesen. Diese Substanz ist in Deutschland noch nicht reguliert.
Im beliebten Adidas Schuh "Predator" wurden 14,5 Mikrogramm pro Quadratmeter der besonders gefährlichen PFC-Substanz PFOA nachgewiesen. Diese Substanz ist in Deutschland noch nicht reguliert.(Foto: imago sportfotodienst)

Adidas, Nike und Puma im Abseits: Gift in WM-Ball, Schuhen und Trikots

Foulspiel mit der Gesundheit: Mehr als 30 Produkte der WM-Kollektionen von Adidas, Nike und Puma hat Greenpeace untersucht. Mit erschreckendem Ergebnis: Fast alle enthalten gefährliche Chemikalien. Ein beliebtes Modell ist besonders belastet.

Der "Brazuca" ist der offizielle WM-Ball in Brasilien.
Der "Brazuca" ist der offizielle WM-Ball in Brasilien.(Foto: imago sportfotodienst)

In wenigen Wochen beginnt das Sportereignis des Jahres. Adidas, Nike und Puma fluten die Läden mit ihren Produkten. Mit neuen Schuhen, Trikots und Bällen wollen die Sportartikelhersteller während der Fußball-Weltmeisterschaft Milliarden verdienen. Diese eigens für die WM fabrizierten Produkte hat sich die Umweltschutzorga­nisation Green­peace nun genauer an­geschaut und auf giftige Chemikalien getestet.

Dafür kaufte Greenpeace 33 geprüfte Fußballschuhe, Trikots, Bälle und Torhüterhandschuhe in 16 Ländern ein und ließ sie von unabhängigen Laboren prüfen. 16 Produkte stammten von Adidas, 15 von Nike und zwei von Puma, 20 von ihnen sind für Kinder bestimmt.

Mit erschreckendem Ergebnis: In Proben aller Marken wurden Schadstoffe wie perfluorierte Chemikalien (PFC), Nonylphenolethoxylate (NPE), Phthalate und Dimethylformamid (DMF) gefunden, wie die Organisation mitteilte. Einige dieser Stoffe störten das Hormonsystem, schädigten die Fruchtbarkeit oder könnten das Tumorwachstum fördern.

Predator-Fußballschuh und "Brazuca"

Schuhe und Handschuhe von Adidas hätten besonders schlecht abgeschnitten, so Greenpeace. Eine Vielzahl dieser Produkte wies laut der Umweltorganisation "hohe" Werte auf. So auch der Predator-Fußballschuh von Adidas, hergestellt in Indonesien. Der Predator enthielt mit 14,5 Mikrogramm pro Quadratmeter Perfluor­oktansäure (PFOA) rund das 14-fache des firmeneigenen Grenzwerts von ­Adidas. Geprüft wurden Sohle und Oberfläche des Schuhs.

Die Substanz PFOA ist eine synthetische Säure und kann das Immunsystem stören sowie die ­Geschlechtsorgane angreifen. Neben dem Predator-Schuh fielen zwölf weitere von insgesamt 21 getesteten Fußballschuhen mit einem hohen PFOA-Wert auf. Darunter war auch der Nike-Kinderfußballschuh Mercurial Victory. Zudem sei der WM-Ball belastet. Der "Brazuca" enthalte Nonylphenolethoxylat. "Diese Chemikalie baut sich in der Umwelt zu Nonylphenol ab, das hormonell aktiv und giftig für Wasserorganismen ist.

Rote Karte für Adidas

Das Tragen der Kleidungsstücke oder Schuhe schädige zwar nicht unmittelbar die Gesundheit, hieß es. Die Chemikalien von Produkten und Fabriken landeten aber in Umwelt und Nahrungskette in den Herstellungsländern, kritisierte Greenpeace.

Adidas erwarte Rekordumsätze von zwei Milliarden Euro mit Produkten für die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, sage den Fans aber nicht, dass mit der Herstellung Gewässer in den Produktionsländern vergiftet würden, erklärte Chemie-Experte Manfred Santen von Greenpeace. "Es ist Zeit für eine rote Karte für Adidas - die Firma muss jetzt handeln", verlangte er.

Leere Versprechungen

Greenpeace versucht seit 2011 mit seiner sogenannten "Detox"-Kampagne, Firmen dazu zu bringen, bis 2020 Kleidung und Schuhe giftfrei zu produzieren. Auch die Sportartikel-Hersteller Adidas, Nike und Puma haben sich dazu bereit erklärt. Greenpeace kritisiert aber, die Firmen versteckten sich hinter "Papierversprechen" des Branchenverbandes. Firmen wie H&M oder Mango dagegen hätten mit der Entgiftung ihrer Produktion begonnen. Santen forderte Adidas und Nike "im Namen der Fans und der betroffenen Menschen" auf, einen Ausstiegsplan aus der Produktion mit PFC festzulegen sowie alle gefährlichen Chemikalien offenzulegen.

Quelle: n-tv.de

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