Ratgeber

Nach Krankheit des Arbeitnehmers : Hamburger Modell ist Pflicht

Wer lange krank war, kann vielleicht irgendwann wieder in seinen Job einsteigen - aber nicht gleich vollständig. Das Recht auf eine schrittweise Rückkehr müssen Arbeitgeber einräumen.

Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, einer durch ein ärztliches Attest vorgeschlagenen stufenweisen Eingliederung nachzukommen.
Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, einer durch ein ärztliches Attest vorgeschlagenen stufenweisen Eingliederung nachzukommen.(Foto: picture alliance / dpa)

Arbeitgeber müssen Beschäftigte nach einer langen Krankheit stufenweise wieder in den Job eingliedern (Hamburger Modell). Das gilt insbesondere dann, wenn der Arbeitnehmer eine Arbeitsfähigkeitsbescheinigung vorlegt. Denn die Durchführung einer stufenweisen Wiedereingliederung erfolgt während bestehender Arbeitsunfähigkeit. Auf diese Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Hamm weist die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hin.

In dem verhandelten Fall war ein Disponent längere Zeit wegen einer depressiven Erkrankung arbeitsunfähig. Nach sechs Monaten wollte der Arbeitnehmer wieder arbeiten. Der Arbeitgeber lehnte die vom Arzt vorgeschlagene stufenweise Wiedereingliederung unter dem Hinweis von Sicherheitsbedenken aber ab. Daraufhin legte der Mitarbeiter eine ärztliche Arbeitsfähigkeitsbescheinigung vor.

Der Medizinische Dienst seiner Krankenkasse bestätigte dem Beschäftigten außerdem die Arbeitsfähigkeit. Da der Arbeitgeber weiterhin eine Beschäftigung ablehnte und der Arbeitnehmer weiterhin seine Arbeitskraft erfolglos anbot, klagte er schließlich auf Zahlung seines Lohns.

Das Urteil: Das Gericht sprach dem Mann das Geld zu. Arbeitgeber seien grundsätzlich verpflichtet, einer durch ein ärztliches Attest vorgeschlagenen stufenweisen Eingliederung nachzukommen, so die Richter. Es steht dem Arbeitgeber in arbeitsrechtlicher Hinsicht die Entscheidung nicht frei, sich auf eine ärztlich empfohlene stufenweise Wiedereingliederung einzulassen oder nicht. Vielmehr besteht die Notwendigkeit, durch geeignete organisatorische Maßnahmen die Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit zu fördern, soweit dies den Umständen nach möglich und zumutbar erscheint.

Hier habe der Arbeitgeber es versäumt, dem Kläger einen leidensgerechten Arbeitsplatz zuzuweisen. Weigert sich der Arbeitgeber, habe der Mitarbeiter Schadenersatzansprüche, zum Beispiel hinsichtlich des entgangenen Lohns, urteilten die Richter. Das Landesarbeitsgerichts Hamm hat den Arbeitgeber zur Zahlung von Arbeitsvergütung für die strittigen Zeiträume verurteilt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen