Ratgeber

Marode Stromleitungen und Steckdosen : Im Altbau kann's gefährlich sein

Wenn es im Haus brennt, ist nicht immer Fahrlässigkeit die Ursache. Viele Feuer entstehen durch defekte oder veraltete Elektrik. Gerade in älteren Wohngebäuden ist oft noch die ursprüngliche Elektroinstallation in Betrieb. Diese Installationen entsprechen häufig nur den Anforderungen der Entstehungszeit - und die ist lange her.

Niemals mehrere Steckdosenleisten hintereinander schalten, rät die Stiftung Warentest.
Niemals mehrere Steckdosenleisten hintereinander schalten, rät die Stiftung Warentest.(Foto: picture alliance / dpa)

Jahrzehnte alte Leitungen sind kaum für den gleichzeitigen Betrieb mehrerer moderner Haushaltsgeräte ausgelegt. Für den heute üblichen gleichzeitigen Gebrauch von Computer, Wasserkocher, DVD-Player, Fernseher, Kühlschrank oder Gefriertruhe fehle es neben Steckdosen auch an leistungsfähigen Leitungen, erklärt Susanne Woelk von der Aktion "Das sichere Haus". Die Bewohner behelfen sich dann vielfach mit Mehrfachsteckdosen - und diese überlasten leicht, warnt Jung.

Die Folge ist ein ständiges Herausspringen der Sicherung. Noch schlimmer kann eine dauerhafte, leichte Überlastung sein. Springt die Sicherung nicht heraus, erhitzt sich das Isolationsmaterial der Leitungen immer wieder und wird schließlich brüchig, erläutert Jung. Im schlimmsten Fall verursacht das einen Schwelbrand und in der Folge einen Wohnungsbrand.

Steckdosenleisten vernünftig einsetzen

Ein weiteres Manko solcher Provisorien: "Viele Steckdosenleisten sind nicht sicher", hat die Stiftung Warentest in einer Untersuchung festgestellt. 11 der 19 geprüften Steckdosenleisten waren in der elektrischen Sicherheit mangelhaft. Bei hohem Stromfluss besteht die Gefahr, dass sie sich stark erhitzen. Aber die Untersuchung offenbarte auch, dass die Nutzer selbst zur Sicherheit beitragen können: Die auf der Leiste aufgedruckte Belastungsgrenze muss eingehalten werden und es dürfen niemals mehrere Steckdosenleisten hintereinander gestöpselt werden.

"Steckdosenleisten sollten kein Dauerzustand sein und bei Bedarf durch fest installierte neue Steckdosen nachgerüstet werden", rät Woelk. Doch Wohnungsbesitzer könnten die Gefahren durch einen nicht ordnungsgemäßen Zustand oftmals nicht selbst erkennen. Daher sollte ein Fachmann die Anlagen von Zeit zu Zeit prüfen. Bei Mängeln dürfe der Hausbesitzer zudem auf keinen Fall selbst Hand anlegen.

Nicht nur für heute planen

Wer alte Leitungen erneuert, muss mitdenken: Bauherren und Modernisierer sollten die elektrische Anlage und Ausstattung mit Steckdosen so großzügig planen, dass sie nicht nur für die heute benötigten Geräte ausreicht, sondern auch für die Anforderungen in der Zukunft. Neben ausreichend vielen Steckdosen und Schaltern empfiehlt Jung für alle Räume einen Antennen- und Telefonanschluss.

Wer zur Miete wohnt, sollte die Übernahme der Kosten für den Handwerker vorher klären. "Mieter haben kein Anrecht auf eine Modernisierung ihrer Elektroinstallation auf den neuesten Stand", sagt Hermann-Josef Wüstefeld vom Deutschen Mieterbund. Aber auch in einer nicht modernisierten Altbauwohnung müssten die elektrischen Anlagen zumindest technisch sicher sein.

Mieter haben Recht auf Mindeststandard

In einer nicht modernisierten Altbauwohnung muss die Installation einem Mindeststandard genügen, der ein zeitgemäßes Wohnen ermöglicht und alle damit üblicherweise verbundenen Tätigkeiten mit technischen Geräten erlaubt. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden (Az: VIII ZR 281/03). Konkret heißt das: Es müssen zumindest ein größeres Haushaltsgerät wie die Waschmaschine und weitere übliche Elektrogeräte wie Staubsauger zugleich laufen können, ohne dass der Mieter Angst vor einer Leitungsüberlastung und möglichen schlimmeren Folgen haben muss.

Quelle: n-tv.de

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