Ratgeber

Niedrige Zinsen sichern: Immobilienkäufer sollten an morgen denken

Niedrige Zinsen machen die eigenen vier Wände so attraktiv wie nie. Doch Vorsicht: Wer heute ein Darlehen aufnimmt, sollte an einen möglichen Zinsanstieg denken - und vorbeugen. Hohe Tilgung, Bausparverträge oder Forward-Darlehen können helfen.

Die Finanzierung für das eigene Heim muss auf einem soliden Fundament stehen. Noch sind die Zinsen niedrig. Aber in Zukunft werden sie vermutlich steigen.
Die Finanzierung für das eigene Heim muss auf einem soliden Fundament stehen. Noch sind die Zinsen niedrig. Aber in Zukunft werden sie vermutlich steigen.(Foto: dpa-tmn)

Rekordverdächtig niedrige Zinsen machen den Traum von den eigenen vier Wänden so greifbar wie nie. Anfang der 80er Jahre mussten Bauherrn bei einer Zinsbindung von zehn Jahren noch bis zu 10 Prozent Zinsen zahlen. Seitdem ging es deutlich bergab: Laut der Finanzberatung FMH lag dieser Wert zuletzt bei durchschnittlich nur noch rund 2 Prozent (Stand: Juli 2014).

Doch Vorsicht ist geboten: "Seit 1984 sind die Zinsen beständig mit Schwankungen nach unten gegangen. Es besteht aber keine historische Notwendigkeit, dass das so bleibt", mahnt Prof. Martin Weber von der Universität Mannheim. Das heißt, die niedrigen Zinsen sind nicht in Stein gemeißelt.

Eine Anschlussfinanzierung nach dem ersten Vertrag könnte nur zu deutlich höheren Zinsen möglich sein, warnt Prof. Weber. Das schlägt sich in einer höheren monatlichen Rate nieder und führt unter Umständen zu Löchern in der Haushaltskasse. "Im schlimmsten Fall kann die neue Rate nicht erbracht werden." Das könne den Verkauf der Immobilie zur Folge haben.

Belastung kann sich verdoppeln

Eine Beispielrechnung Webers für ein Annuitätendarlehen mit 10 Jahren Zinsbindung verdeutlicht das Problem: Bei einem Darlehen von 300.000 Euro sind bei 2 Prozent Zinsen anfangs 500 Euro Zins je Monat fällig. Wird dazu eine Tilgung von 1 Prozent gewählt, wären bei Laufzeitende noch rund 270.000 Euro Restschuld vorhanden. "Ist der Zinssatz für die Anschlussfinanzierung dann bei 5 Prozent, muss der Bauherr dann 1125 Euro Zins im Monat zahlen." Mehr als doppelt so viel als zuvor. Und dabei wird noch nichts von dem Darlehen getilgt.

Ein Tipp: Die Tilgung sollte im jetzigen Zinsumfeld so hoch wie möglich angesetzt werden. Das reduziert die Restschuld. Eine zweite Möglichkeit ist eine längere Zinsbindung. Zwar steigt der Zinssatz dadurch, ist dafür aber länger gesichert. Bei der aktuellen Niedrigzins-Phase sind die Unterschiede ohnehin nicht so stark: Laut FMH-Index betragen die Hypotheken-Zinsen bei 5 Jahren Zinsbindung im Schnitt 1,56 Prozent, bei 15 Jahren 2,71 Prozent.

Läuft ein erstes Darlehen in Kürze aus, können sich Bauherren mit einem Forward-Darlehen einen gewissen Zinsatz sichern. "Bei dieser Finanzierungsform schließen sie vorab einen neuen Vertrag ab", erklärt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. "Der muss erst nach Auslaufen der bisherigen Finanzierung bedient werden." Banken lassen sich den Service mit einem Zinsaufschlag bezahlen. Dieser beträgt zwischen 0,02 bis 0,1 Prozent pro Monat Vorlaufzeit, sagt Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen.

Auch der Abschluss eines Bausparvertrages kann günstige Zinsen sichern, sagt Herbst. Dieser wird parallel zum laufenden Darlehen angespart. Der Vertrag sollte so geplant werden, dass er das spätere Restdarlehen der Bank ablöst. Dieser Kombikredit aus Darlehen und Bausparvertrag muss aber genau bedacht werden, mahnt Weber. "Bauherren müssen sich fragen, ob sie mit einem Darlehen allein in der Laufzeit nicht mehr tilgen und mit einer Anschlussfinanzierung danach besser fahren."

Wer in naher Zukunft ein Haus finanzieren will, sollte wegen der aktuell niedrigen Zinsen über ein Volltilgerdarlehen nachdenken, empfiehlt Herbst. Bei dem wird, anders als bei Annuitätendarlehen, keine anfängliche Tilgungsrate festgelegt. Dafür muss der Zeitraum bis zur Schuldenfreiheit bestimmt werden. Da der Zinssatz fest ist, sind Bauherren für ihre gesamte Finanzierung gegen steigende Zinsen gesichert. Bei der Rate gilt: Desto kürzer die Laufzeit, desto größer die monatliche Zahlung. Längere Laufzeiten reduzieren die Belastung.

Quelle: n-tv.de

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