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Streit um Werbeversprechen: Ist Bier "bekömmlich"?

Das EU-Recht regelt, wie Lebensmittel beworben werden dürfen. Unklarheiten gibt es jetzt beim Lieblingsgetränk der Deutschen: Kann Bier "bekömmlich" sein? Eine Allgäuer Brauerei sagt Ja, Nein der Verband Sozialer Wettbewerb - beide treffen sich nun vor Gericht.

Alkohol ist vor allem ungesund. Auch wenn er bisweilen schmeckt.
Alkohol ist vor allem ungesund. Auch wenn er bisweilen schmeckt.(Foto: picture alliance / dpa)

Bier darf nicht als "bekömmlich" beworben werden. Das hat das Landgericht Ravensburg entschieden. Eine solche Werbung verstoße gegen eine Verordnung der Europäischen Gemeinschaft, die gesundheitsbezogene Angaben zu Bier verbiete, hieß es zur Begründung.

In dem verhandelten Fall hatte die Brauerei Clemens Härle aus Leutkirch im Kreis Ravensburg auf ihrer Internetseite drei Biersorten mit dem Begriff "bekömmlich" beworben. "Für uns heißt das im Zusammenhang mit unseren Bieren, dass sie gut fürs Wohlbefinden sind", sagte der Brauerei-Chef Gottfried Härle. Das sah der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) aus Berlin anders: Für ihn ist der Begriff eine "gesundheitsbezogene Angabe" - und die sei im Zusammenhang mit alkoholischen Getränken nicht erlaubt. Der Verein erwirkte daher eine einstweilige Verfügung gegen Härle und untersagte dem Unternehmen die Werbung mit dem Begriff. Das Landgericht Ravensburg musste nun darüber entscheiden, ob die Verfügung aufgehoben wird oder bestehenbleibt.

Angaben wie "Reich an Vitaminen", "zuckerarm", "wenig Fett" werden in der Lebensmittel-Werbung häufig verwendet. Ihre Nutzung ist in der Europäischen Union streng geregelt - Werbung von Essen und Trinken darf nur versprechen, was sie auch wirklich halten kann. Im Falle der Be­griff­lich­keit "bekömmlich" folgte das Gericht der Argumentation des VSW und befand, dass der Begriff die Gefahren des Trinkens von Alkohol verschweigt.

Im Jahr 2012 hatte bereits der Europäischen Gerichtshof entschieden, dass Winzer nicht mit Werbeslogans wie "bekömmlich", "sanfte Säure" oder "Edition Mild" für ihren Wein werben. Das sei eine gesundheitsbezogene Angabe, die auf den geringen Säuregehalt und die leichtere Verdauung hinweise, aber die Gefahren beim Trinken von Alkohol verschweige (Az.: C-544/10). Das EU-Recht verbietet für Getränke mit mehr als 1,2 Prozent Alkohol Angaben, die eine Verbesserung des Gesundheitszustands suggerieren. Zum Schutz der Verbraucher dürfen Hersteller weder auf dem Etikett noch in der Werbung solche Begriffe verwenden.

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Quelle: n-tv.de

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